Georgien: Patriarch besorgt wegen Saakaschwilis Hungerstreik

Das Oberhaupt der Georgischen Orthodoxen Kirche hat den inhaftierten früheren georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili aufgefordert, seinen Hungerstreik zu beenden. Patriarch Ilia II. schickte seinen Sekretär am 7. Oktober ins Gefängnis zu Saakaschwili, um ihn im Namen der Kirche zu einem Ende seines Hungerstreiks zu bewegen. Dieser sei eine „unchristliche Tat“. Saakaschwili beabsichtigt jedoch nicht, den Hungerstreik abzubrechen, wie Ilias Sekretär nach dem Besuch im Gefängnis in Rustavi gegenüber Journalisten sagte.

Michail Saakaschwili, von 2004 bis 2013 georgischer Präsident, war nach seiner Rückkehr nach Georgien am 1. Oktober 2021 verhaftet worden. Er hatte das Land 2014 verlassen und war 2018 in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft wegen Korruption verurteilt worden. Saakaschwili weist die Anschuldigungen als politisch motiviert zurück. Mit seiner Rückkehr wollte er auf die Lokalwahlen vom 2. Oktober 2021 Einfluss nehmen. Die von ihm gegründete Oppositionspartei Vereinte Nationale Bewegung (VNB) erreichte jedoch nur gut 30 Prozent der Stimmen, währen die Regierungspartei Georgischer Traum über 46,7 Prozent der Stimmen gewann.

Dennoch verfügt Saakaschwili noch immer über Rückhalt in der Bevölkerung, so demonstrierten am 14. Oktober Zehntausende im Zentrum von Tbilisi, um ihn zu unterstützen und seine Freilassung zu verlangen. Bis dahin hatten rund 70‘000 Personen eine Online-Petition unterschrieben, die ebenfalls Saakaschwilis Freilassung fordert. Unter den Unterzeichner sind auch drei Bischöfe der Georgischen Orthodoxen Kirche: Metropolit Nikolosi (Patschuaschwili) von Achalkalaki und Kumurdo, Bischof Melkisedek (Chatschidse) von Margveti und Ubisa und Metropolit Antoni (Buluhia) von Vani und Bagdati. Vor Medienvertretern forderte Metropolit Antoni, Saakaschwili bis zur vollständigen Klärung seines Falls unter Hausarrest zu stellen. Metropolit Nikolosi begründete gegenüber Journalisten seine Unterschrift damit, dass niemand ohne Schuld sei und aktuelle Regierungschefs nicht frühere Vertreter des Staates verhaften lassen sollten. Das Land „kann sich nicht entwickeln, wenn jeder neue Leiter seinen Vorgänger verhaftet“, sagte er. Später besuchte er Saakaschwili im Gefängnis und hoffte, dieser werde freigelassen und „es beginnt eine neue Ära, eine neue Epoche in der Geschichte unseres Landes, in der die Vertreter der aktuellen und der früheren Regierung eine gemeinsame Sprache finden“. Der Ausweg aus der aktuellen Situation sei, die Rhetorik des Hasses zu beenden sowie Versöhnung und christliche Vergebung.

Die Position dieser Bischöfe steht jedoch nicht für die offizielle Position des Patriarchats, wie der Leiter der Kommunikationsabteilung des Patriarchats erklärte. Die Kirche sei immer für Vergebung, und Versöhnung sei eine zutiefst christliche Vorstellung, sagte Erzbischof Andria Jagmaidze gegenüber Journalisten. Diese Vorstellung sei aber noch nie in einem Staat vollständig verwirklicht worden. In Bezug auf die Bischöfe bemerkte Jagmaidze, es „sieht immer falsch aus, wenn eine christliche Idee politisiert wird und es wird immer zur Ursache einer Kontroverse“. (NÖK)

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