Russland: Kirchen wieder für die Gläubigen geöffnet

Rechtzeitig zum orthodoxen Pfingstfest am 7. Juni sind in Russland die Kirchen für die Gläubigen wieder geöffnet worden. Allerdings gelten Auflagen der föderalen Aufsichtsbehörde für Konsumenten- und Gesundheitsschutz, wie eine Pflicht zum Maskentragen für die Gottesdienstbesucher und ein Abstand von mindestens zwei Metern zueinander. Pro Person müssen vier Quadratmeter zur Verfügung stehen; auch wenn die Kirche größer als 400 Quadratmeter ist, dürfen sich trotzdem maximal 100 Gläubige darin aufhalten. Zudem empfiehlt die Behörde Angehörigen der Risikogruppe, ihre Teilnahme an Gottesdiensten und anderen Zeremonien weiterhin zu beschränken.

In seiner wöchentlichen Fernsehsendung „Glaube und Welt“ auf Rossija-24 versprach Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, dass die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) Masken an die Gläubigen, die ohne Maske in die Kirche kommen, verteilen werde. Alle Kirchen würden ihre Fläche und die entsprechende Höchstzahl von Gottesdienstbesuchern berechnen. Wer keinen Platz in der Kirche habe, müsse draußen bleiben oder werde an eine benachbarte Kirche verwiesen. Der Priester könne nach dem Gottesdienst zu den draußen Wartenden kommen und ihnen dort die Kommunion spenden, führte Ilarion weiter aus. Außerdem werde das Küssen der Ikonen vorübergehend eingestellt oder die Ikonen nach jeder Berührung desinfiziert. Die Kommunionspendung, über die es in verschiedenen mehrheitlich orthodoxen Ländern Diskussionen gegeben hatte, soll laut Ilarion wie üblich mit einem Löffel durchgeführt werden, der nach jedem Gläubigen desinfiziert werden soll. Zudem sollen sich die Gottesdienstbesucher nicht mehr beim Kelch drängen, sondern einzeln, mit ausreichendem Abstand zum Priester vortreten.

Auf einer Reihe von Fotografien der Pfingstfeierlichkeiten in verschiedenen russischen Eparchien, die das kritische religiöse Portal ahilla.ru zusammengetragen hat, ist zu sehen, dass die Regelungen nicht umfassend befolgt wurden. Teilweise tragen die Gottesdienstbesucher keine Masken, die Abstände scheinen zu klein und einige Kirchen recht voll zu sein. Andere Gemeinden hätten es vermieden, Fotos aus dem Kircheninneren, wo die Gläubigen zu sehen sind, zu publizieren, heißt es in dem Beitrag. Zudem seien keine Fotos der Kommunion zu finden gewesen, bisher war es aber üblich, dass Kirchen oft Bilder der Kommunionspendung auf ihren Websites veröffentlichen. Allerdings stammen die Bilder aus Kirchen von Metropoliten, die schon während der Quarantäne die Maßnahmen nicht beachtet oder sich offen dagegen ausgesprochen hatten. (NÖK)

The Russian Orthodox Church and Coronavirus

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