Russland: Etwa 100 Corona-Opfer unter orthodoxen Geistlichen

Patriarch Kirill geht von etwa 100 Corona-Toten unter den orthodoxen Geistlichen aus. Dies sagte er in seiner Begrüßungsrede zur Sitzung des Hl. Synods der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) am 8. Dezember und kritisierte zugleich die Leugner der Pandemie: „Wenn man uns sagt, und darunter sind einige Leute, die Priesterkleidung tragen, dass es überhaupt keine Epidemie gebe, dass dies eine Erfindung sei, dass all dies extra in unser Leben eingeführt worden sei, um den Besuch der Kirchen oder die Fortbewegung der Menschen einzuschränken, dann ist die überaus schwerwiegende Wahrheit über unsere entschlafenen Väter und Brüder die Antwort auf diese Lüge.“ Der Patriarch rechtfertigte die „sehr schmerzhaften und schweren“ Maßnahmen zur Einschränkung des Gottesdienstbesuchs, vor allem im besonders betroffenen Moskau.

Bereits Ende März hatte Patriarch Kirill eine „Arbeitsgruppe zur Koordination der Aktivitäten kirchlicher Institutionen unter den Bedingungen der Verbreitung der Coronavirus-Infektion“ unter der Leitung von Metropolit Dionisij (Porubaj) eingesetzt. Sie kommuniziert täglich über einen Telegram-Kanal, auf dem auch über an Corona verstorbene Geistliche informiert wird. Am 30. Oktober versandte Metropolit Dionisij ein Rundschreiben an alle Bischöfe auf dem Territorium der Russischen Föderation über prophylaktische Maßnahmen wie z.B. die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln, das Anbringen von Informationsplakaten zu den Maßnahmen, die Maskenpflicht auch bei der Beichte, wobei den Gläubigen empfohlen wird, ihre Sünden schriftlich festzuhalten und zu überreichen, und dass Geistliche ihre Hände regelmäßig desinfizieren und den Gläubigen nicht zum Kuss reichen sollten.

Am 20. November erörterte Patriarch Kirill die Corona-Situation auch mit Präsident Vladimir Putin. Der Patriarch bedankte sich bei Putin für die Ermöglichung eines aktiven kirchlichen Sozialdiensts, der zu Sowjetzeiten nicht möglich gewesen war. Auch Putin bedankte sich beim Patriarchen „und allen Geistlichen der ROK und unserer traditionellen Konfessionen im Land“ für ihren Dienst unter diesen sehr erschwerten Bedingungen.

Demgegenüber reagieren zahlreiche Geistliche und kirchliche Gruppen mit scharfer Ablehnung auf die Schutzmaßnahmen. Fast alle großen Klöster sind zu Brennpunkten bei der Verbreitung des Virus geworden. Abgesehen von den Einzelmeldungen auf Telegram gibt es bisher keine Gesamtstatistik zu Corona-Betroffenen in der ROK; das Projekt „Sobornost“ führt auf Facebook eine Liste verstorbener Kirchendiener und Geistlicher in der ROK (in Russland, der Ukraine, Belarus und der Republik Moldau).

Regula Zwahlen

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