Russland: Metropolit Ilarion im Konflikt mit Impfgegnern

Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, hat sich in den letzten Wochen vehement für eine Coronavirus-Impfung ausgesprochen. Er befürwortete sogar den von einigen Regionen eingeführten teilweisen Impfzwang für bestimmte Berufsgruppen und bezeichnete Impfverweigerung als „Sünde“. Dafür erntete er Kritik und sein Account beim sozialen Netzwerk Instagram wurde – offenbarbar wegen Beschwerden von Impfgegnern – gesperrt.

In einem Interview mit dem Fernsehsender RT vermutete Metropolit Ilarion, dass Instagram von Beschwerden überschwemmt worden sei. Dabei verdächtigt er Impfgegner, die „jetzt sehr aggressiv sind“. Sie versuchten ihn auf verschiedenen Wegen anzugreifen, so schickten sie auch „Fragen voller Aggression“ an seine Fernsehsendung „Kirche und Welt“. Von Instagram habe er lediglich eine standardisierte Benachrichtigung über die Sperrung seines Accounts erhalten.

Ilarion warf den Impfgegnern vor, aus dem Ausland gesteuert zu werden, ebenso wie das Virus aus dem Ausland nach Russland gekommen sei. Die Impfungen seien dagegen von russischen Biologen entwickelt worden und ein einheimisches Produkt. Die „gleichen Kräfte“, die für das Virus verantwortlich seien, seien wohl auch „daran interessiert, dass die Pandemie bei uns möglichst lang dauert“, deshalb werde die Antiimpfkampagne auch so aktiv geführt. Dafür spreche auch, dass sie in „Bereichen des Internets geführt wird, die wir nicht kontrollieren“.

Seine Äußerung über die Ablehnung der Impfung als „Sünde“ erklärte Metropolit Ilarion damit, dass eine Impfung nicht nur einen selbst schütze, sondern auch die Mitmenschen. Auch wenn sich jemand selbst nicht vor einer Erkrankung fürchte, könne er jemand anderes anstecken, bei dem die Krankheit schwer verlaufen könnte. Deshalb würden diejenigen, „die sich nicht impfen oder anderen die Möglichkeit zur Impfung verwehren und damit die Ursache für jemandes Tod werden, ihr ganzes weiteres Leben lang die schreckliche Sünde der unbeabsichtigten Tötung“ mit sich tragen. Zum teilweisen Impfzwang, der in Teilen Russlands inzwischen für bestimmte Berufsgruppen besteht, erklärte er, die persönliche Freiheit solle grundsätzlich „auf jede Art geschützt werden“. Aber wenn es um das „Überleben des ganzen Volks geht“, dann müsse das „ganze Land mobilisiert werden, um die Krankheit zu besiegen“. Dabei dürfe keine besondere Rücksicht auf diejenigen genommen werden, die sich aus „irgendwelchen dummen oder absurden Gründen gegen eine Impfung aussprechen“.

Bereits im Juni hatte Ilarion in seiner Sendung „Kirche und Welt“ das „Prinzip der Verantwortung“ für das Leben anderer Menschen betont. Dabei stellte er einen Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg an, denn im Grunde gehe es jetzt um einen „Krieg“ mit biologischen Waffen. Damals hätten sich viele Freiwillige gemeldet, aber allein hätten sie den Krieg nicht gewinnen können, dazu habe es eine allgemeine Mobilisierung gebraucht. Um nun das Virus zu besiegen, brauche es ebenfalls eine solche Mobilisierung.

In manchen russischen Regionen ist eine Impfpflicht für bestimme Berufsgruppen eingeführt worden, da trotz mehreren einheimischen Impfstoffen und deren teilweise sehr frühen Zulassung die Immunisierung der Bevölkerung nur schleppend verläuft. Die Regierung wird ihr Ziel, bis zum 1. September 60 Prozent der Russinnen und Russen zu impfen, daher vermutlich nicht erreichen. Laut Umfragen lehnen noch immer rund 60 Prozent der Bevölkerung eine Impfung ab. (NÖK)

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