Russland: Patriarch drückt Beileid über Tötung Khameneis aus
In einem Schreiben an den iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian hat der russische Patriarch Kirill sein „tiefes Beileid“ über die Tötung des höchsten Führers des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, ausgedrückt. Der Verstorbene sei ein „Mensch mit tiefen religiösen Überzeugungen, ein spiritueller und nationaler Anführer, ein starker Geist und Charakter“ gewesen. Kirill bat, den Verwandten und Nahestehenden Khameneis sein Mitgefühl und seine Unterstützung auszusprechen.
Der Religionsexperte der Zeitung Novaja Gazeta verwies darauf, dass Patriarch Kirill mehrfach erklärt habe, dass das Moskauer Patriarchat dem Islam näher stehe als dem westlichen Christentum. Zudem habe er schon früh den „theologischen Dialog“ mit den iranischen Schiiten gesucht habe. Unter Kirill sei im Inneren durch das Weltkonzil des Russischen Volks die Ideologie der „Russischen Welt“ entwickelt worden, während nach außen eine „Annäherung an verschiedene fundamentalistische und totalitäre Kräfte“ begonnen habe. Das iranische Modell eines theokratischen Staats sei „der heimliche Traum“ von Patriarch Kirill.
Patriarch Kirill gratulierte auch dem neu gewählten höchsten Führer, Ayatollah Mojtaba Khamenei, „herzlich“, wobei er ihn im Schreiben als „lieben Bruder“ adressierte. Die Wahl sei ein „historischer Moment“, gekennzeichnet von der „schweren persönlichen Prüfung“ durch den Tod seines „hochwürdigen“ Vaters. Er übernehme die Verantwortung für den Staat und seine Bürgerinnen und Bürger in einer dramatischen Zeit. Die Völker Russlands und des Irans seien durch „gute nachbarschaftliche Beziehungen“ verbunden. Die Russische Orthodoxe Kirche führe einen fruchtbaren Dialog mit der iranischen muslimischen Gemeinde, der auf gegenseitigem Respekt und der Bewahrung traditioneller Werte beruhe und auf dessen weitere Entwicklung der Patriarch hofft. Er wünsche dem iranischen Volk und seinem neuen Führer baldigen Frieden.
Der Vorsitzende der Geistlichen Verwaltung der Muslime der Russischen Föderation, Ravil Gajnutdin, veröffentlichte ebenfalls ein Beileidsschreiben, erwähnte aber Khamenei darin nicht. Er drückte der iranischen Bevölkerung seine „tiefe Trauer und Mitgefühl“ aus, die unter den Angriffen leide, und betrauerte insbesondere den Tod Dutzender Schülerinnen in Minab. Dies sei nicht nur eine Tragödie für eine Nation, sondern für die ganze Menschheit und zeige die möglichen Konsequenzen eines umfassenden Kriegs auf. Er warnte, dass die jüngste Eskalation drohe, zu einem Krieg anzuwachsen, der viele Länder in der Region betreffen und sich auf andere Regionen ausweiten könnte. (NÖK)