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Tschechien: Kurzzeitige Inhaftierung von Metropolit Ilarion und neuer Wirkungsort in Brasilien

04. Juni 2026

Wegen Verdachts auf Drogenbesitz ist Metropolit Ilarion (Alfejev) im tschechischen Karlovy Vary, wo er als Geistlicher in einer Kirche der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) wirkte, verhaftet worden. Am 24. Mai wurde sein Auto beim Verlassen des Kirchengeländes von Polizisten angehalten und durchsucht, dabei fanden die Beamten im Kofferraum vier Behälter mit einer „weißen Substanz“. Der Metropolit und sein Fahrer wurden verhaftet, aber bald darauf wieder freigelassen. Nach dem Vorfall hat Patriarch Kirill entschieden, dass Metropolit Ilarion zukünftig in Brasilien wirken soll.

Metropolit Ilarion war lange Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats. 2022 wurde er nach Budapest versetzt, wo er als Leiter der Eparchie Ungarn diente. Im Sommer 2024 wurden Anschuldigungen seines früheren Mitarbeiters Georgij Suzuki bekannt, der ihm sexuelle Übergriffe und andere Vergehen vorwarf. Ilarion wies die Vorwürfe zurück und stellte sie als Erpressungsversuch dar. Ende 2024 wurde er als Leiter der Eparchie Ungarn abgesetzt und in den Ruhestand versetzt. As Dienstort wurde ihm die Kirche der Hl. Apostel Petrus und Paulus in Karlovy Vary in Tschechien zugewiesen.

Auf seinem Telegram-Kanal wies Ilarion mittels seines Anwalts den Verdacht auf Besitz illegaler Substanzen sofort entschieden zurück. Er habe nie etwas mit illegalen Rauschmitteln zu tun gehabt. Für ihn als Geistlichen sei nur schon diese Mutmaßung „zweifellos erlogen“. Er bestehe auf einer „vollständigen, unabhängigen und prozedural einwandfreien Untersuchung“ des Vorfalls. Der Anwalt des Metropoliten kritisierte das Vorgehen der Polizei. Diese sei dem Metropoliten praktisch aufgelauert und hätte sein Auto ohne jeglichen Anlass angehalten. Bei der Durchsuchung des Autos sei Ilarion nicht dabei gewesen, er habe in einem Geschäft warten müssen – dies stelle einen Verfahrensverstoß dar. Außerdem hätten die Beamten nur den Kofferraum durchsucht, nicht aber die persönlichen Sachen und Taschen der Insassen.

Im Telegram-Statement wird abschließend darauf hingewiesen, dass auf den Metropoliten und die Gemeinde der ROK seit längerem Druck ausgeübt werde. Ilarion erhalte seit Monaten anonyme Drohungen, in denen er aufgeforderte werde, seinen Dienstort zu verlassen. Die Drohung hätten einen politischen Unterton und richteten sich auf die „russische Herkunft, kirchliche Zugehörigkeit und den Dienst in der Kirche des Moskauer Patriarchats“.

Der Metropolit und sein Fahrer wurden zwei Tage später freigelassen, ohne dass eine Anklage erhoben wurde oder ihnen Beschränkungen wie eine Kaution oder ein Reiseverbot auferlegt wurden. Auf Telegram bedankte sich Ilarion beim russischen Patriarchen Kirill für „seine Unterstützung und Gebete“, ebenso dankte er dem russischen Außenministerium, insbesondere dessen Sprecherin, Marija Zacharova, und allen, „die in dieser schwierigen Situation nicht gleichgültig geblieben sind“. Daraufhin verließ er Tschechien und erklärte, er wolle Patriarch Kirill von den Ereignissen berichten und werde dessen Entscheidung über sein Schicksal abwarten. Am 30. Mai kam er in Russland an, wo er tags darauf am Pfingstgottesdienst mit dem Patriarchen konzelebrierte. Zugleich bestätigte die Untersuchung, dass die im Auto gefundene Substanz verboten sei. Am 3. Juni entschied Patriarch Kirill, dass es Ilarion aus „objektiven Umständen“ unmöglich sei, weiter in Tschechien zu dienen, und schickte ihn in die Eparchie von Argentinien und Südamerika. Dort soll er in jeweils einer Kirche in den Städten Santa Rosa und Campina das Missões in Brasilien tätig sein und ist verpflichtet, auch dort zu leben.

Die Synodalabteilung der ROK für die Zusammenarbeit der Kirche mit der Gesellschaft und den Medien forderte in einem Statement, dass Geistliche der ROK, die sich legal in der EU aufhielten, vor „illegaler strafrechtlicher Verfolgung“ geschützt sein sollten. Das Vorgehen der tschechischen Behörden werfe bei Anwälten „berechtigte Fragen“ über dessen Rechtmäßigkeit und die Befolgung prozeduraler Normen auf. Sie rief Tschechiens Strafverfolgung und Gerichte auf, die Wahrung aller Rechte von Metropolit Ilarion zu gewährleisten, und beteuerte, dass die ROK alle rechtlichen Mittel zur juristischen Unterstützung des Metropoliten ergreifen werde. (NÖK)

Keine Verbannung, sondern ein Standortwechsel

Überraschend hat der Hl. Synod der Russischen Orthodoxen Kirche den langjährigen Leiter des Kirchlichen Außenamts, Metropolit Ilarion, von seinem einflussreichen Posten abberufen. Andrey Shishkov zu den Hintergründen und zum Nachfloger Ilarions im Außenamt.