Zum Hauptinhalt springen

Ukraine: Kirchenoberhaupt: Keine Verhandlungen über Freiheit der Ukraine

27. März 2025

„Die Souveränität der Ukraine, unsere Unabhängigkeit und unsere Freiheit sind nicht Gegenstand von Verhandlungen“: Das hat der ukrainisch-katholische Großerzbischof Svjatoslav Schevtschuk im Interview mit dem Nachrichtenportal Aleteia betont. Das Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche hielt sich zuletzt mehrere Wochen in den USA auf, um die ukrainischen Gläubigen und Gemeinden zu besuchen, politische Gespräche zu führen und um Verständnis für die ukrainischen Positionen zu werben. Es sei eine Illusion zu glauben, ein Abkommen rein zur Beschwichtigung des russischen Aggressors sei ein Weg zu stabilem und nachhaltigem Frieden in der Ukraine, so Schevtschuk.

Für die Ukraine gehe es schlicht ums Überleben, so der Großerzbischof: „Wir haben keine Wahl. Wir müssen uns selbst schützen, mit oder ohne ausländische Hilfe. [...] Wir müssen unser Heimatland und unser Leben schützen.“

Schevtschuk wurde u.a. im neu eingerichteten White House Faith Office der Trump-Administration von dessen Leiterin Paula White-Cain empfangen. „Ich hatte Gelegenheit, über die Religionsfreiheit in der Ukraine zu sprechen. Ich betonte, dass die Ukraine für Christen, Juden und Muslime Freiheit bedeutet, während die russische Besatzung Verfolgung bedeutet. Und ich brachte ein klares Beispiel für die Vernichtung und Verfolgung von Christen verschiedener Konfessionen in den besetzten Gebieten“, so der Großerzbischof wörtlich.

Schevtschuk bilanzierte dieses Gespräch wie auch viele weitere vorsichtig positiv. Er glaube, dass sein Besuch in den USA zum richtigen Zeitpunkt erfolgte. Auf die konkreten Schritte Trumps bzw. seiner Administration zur Beendigung des Kriegs antwortete der Großerzbischof allerdings diplomatisch bzw. ausweichend. Er räumte ein, dass man auf ukrainischer Seite die Handlungen der Trump-Regierung oft nicht verstehe. Nachsatz: „Vielleicht wissen wir nicht genau, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht. Vielleicht ist es nicht der richtige Zeitpunkt, diese Gesten und Schritte der Trump-Regierung zu interpretieren.“

Zugleich sei es sehr positiv, dass die Trump-Regierung von einem Ende des Ukraine-Krieges spricht, „denn wir sehnen uns nach Frieden in der Ukraine“. Doch für ein authentisches Friedensabkommen brauche es zwei Voraussetzungen: Wahrheit und Gerechtigkeit. „Wenn wir über Wahrheit sprechen, dürfen wir nicht vergessen, wer Aggressor und wer Opfer ist. Wir können die Ukraine und Russland – Opfer und Aggressor – nicht auf eine Stufe stellen und das Opfer nicht auf die gleiche Weise unter Druck setzen wie den Aggressor.“ Gerechtigkeit bedeute zugleich die Unterstützung und den Schutz des Opfers und die Zurückhaltung des Aggressors.

Um einen einfachen Waffenstillstand zu erreichen, müsste Russland schlicht und ergreifend aufhören, Ukrainer zu töten, so Schevtschuk weiter: „Wenn Russland aufhört, militärische Macht einzusetzen, wird der Krieg enden. Wenn die Ukraine aufhört, sich zu verteidigen, wird die Ukraine untergehen. Es ist ganz einfach.“

Schevtschuk betonte im Interview auch das große Misstrauen der Ukraine gegenüber Russland: „Viele Ukrainer würden sagen, dass Russland die amerikanischen Bemühungen selbst bei einem neuen Ansatz nicht ernst nehmen wird.“ Jedes Mal, wenn Russland seine Bereitschaft zu Verhandlungen oder diplomatischen Mitteln zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine signalisierte, seien diese Vereinbarungen nicht eingehalten, sondern bald vollständig gebrochen worden.

Eindringlich warnte der Großerzbischof den Westen vor Russland. Russland kämpfe in erster Linie nicht um Gebiete in der Ukraine, sondern darum, westliche Gesellschaften und Länder zu beeinflussen, „die Weltordnung neu zu schreiben und das Völkerrecht zu ändern“. Es gehe um Einmischung in die westliche Welt und deren Manipulation, so Schevtschuk: „Wir erleben bereits, wie russische Propaganda Entscheidungsprozesse vergiftet, sogar in den USA.“ Der Großerzbischof zeigte sich tief betroffen darüber, wie viele Beamte der neuen US-Regierung bereits die russische Propaganda übernehmen würden. Das reiße in die Herzen des ukrainischen Volkes noch viel tiefere Wunden als die russischen Bomben. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)