Kasachstan: Antikriegsgeistlicher zu vier Jahren Haft verurteilt
Der frühere Priestermönch Jakov Vorontsov ist in Almaty zu vier Jahren Straflager verurteilt worden, er wurde wegen Drogenbesitz schuldig gesprochen. Die Gerichtsverhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Verfahren stützte sich auf die Beweise anonymer Zeugen, die angeblich bei Vorontsov Betäubungsmittel gekauft haben. Einen der Zeugen schloss der Richter vom Verfahren aus, da die Anklage dessen Existenz nicht beweisen konnte. Einen weiteren Zeugen hält die Verteidigung für einen Mitarbeiter der Sicherheitskräfte. Die Verteidigung will gegen das Urteil Berufung einlegen.
Jakov Vorontsov wurde im Februar 2026 verhaftet und verbrachte mehrere Monate in Untersuchungshaft. Er ist für seine Kritik an Russlands Krieg gegen die Ukraine und an der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) sowie seinen Einsatz für eine eigene, unabhängige orthodoxe Kirche in Kasachstan bekannt. Wegen seiner Haltung war ihm von der ROK 2023 zunächst der Dienst verboten und kurz darauf der geistliche Rang aberkannt worden. 2025 wurde bereits ein Strafverfahren wegen des Schürens von religiösem Hass gegen ihn eingestellt, weil keine Straftat festgestellt werden konnte.
Nach der Verurteilung hat Vorontsov seinen Hungerstreik beendet, laut seiner Schwester hat er 15 Kilo abgenommen. Über seinen Gesundheitszustand ist nichts Näheres bekannt. Den Hungerstreik hatte Vorontsov aus Protest gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit vom Verfahren begonnen. Im Juni hatte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch Kasachstan dazu aufgerufen, für ein faires Verfahren gegen den früheren Geistlichen zu sorgen. (NÖK)