Ungarn: Treffen der Nahost-Patriarchen mit Putin und Orbán

Die christlichen Patriarchen Syriens und des Irak haben am 30. Oktober bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin und dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán auf dem Budapester Burgberg umfassende Maßnahmen zur Sicherung der christlichen Präsenz im Nahen Osten urgiert. Teilnehmer waren die Patriarchen Youhanna X. (antiochenisch-orthodox), Yousef Absi (melkitisch griechisch-katholisch), Mor Ignatius Aphrem II. (syrisch-orthodox) und Mor Ignatius Yousef III. Younan (syrisch-katholisch). Der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Mar Louis Raphael Sako, hatte wegen der Situation im Irak seine Teilnahme abgesagt. Das Treffen der Patriarchen mit Putin war von Orbán im Zug der ungarischen Hilfsaktion für die orientalischen Christen "Hungary helps" organisiert worden. 

Laut Kommunique der syrisch-orthodoxen Kirche diskutierten die Patriarchen mit Putin und Orbán die allgemeine Situation im Nahen Osten. Dabei sei die Notwendigkeit der Unterstützung für die Christen unterstrichen worden, denn die Christen im Nahen Osten stünden für Versöhnung und gesellschaftliche Erneuerung. Die Patriarchen dankten Präsident Putin für die "positive Rolle" Russlands in Syrien im Kampf gegen den Terrorismus und bei der Bewahrung der territorialen Integrität Syriens; zugleich betonten sie die Notwendigkeit verstärkter humanitärer Hilfe für die Millionen syrischer Inlandsflüchtlinge.  

Ausdrücklich forderten die Patriarchen im Hinblick auf die Situation der beiden entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi stärkere Unterstützung der internationalen Gemeinschaft, "damit ihre sichere Rückkehr nach Aleppo gewährleistet wird". Die Sanktionen gegen Syrien müssten aufgehoben werden, weil sie "das Leid der syrischen Bevölkerung verstärken" und sich "negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes" auswirken. 

Gegenüber Ministerpräsident Orbán drückten die Patriarchen den Dank für die seit geraumer Zeit laufende Aktion "Hungary helps" aus, mit der die örtlichen Kirchen im Irak und in Syrien unterstützt werden. Die von "Hungary helps" geförderten Projekte zielten darauf ab, im Nahen Osten die christliche Präsenz in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken. Ungarische Hilfe für Nahost-Christen.

Vor der Begegnung mit Putin und Orbán hatten die Patriarchen am Dienstag an einer Tagung im ungarischen Außenministerium teilgenommen. Bei der Tagung wurden die bisherigen Hilfsleistungen für den Wiederaufbau in Syrien und im Irak im Rahmen von "Hungary helps" mit rund 40 Millionen US-Dollar beziffert. "Hungary helps" dient nicht nur dem Wiederaufbau von Wohnhäusern, Schulen, Krankenhäusern und Kirchen, sondern auch Stipendienprogrammen für junge Christen aus dem Nahen Osten, die in Ungarn studieren können.  

Außenminister Péter Szijjartó sprach sich für Offenheit und Klarheit im Hinblick auf die Situation der Christen im Nahen Osten aus und kritisierte, dass über die syrische Krise und den Arabischen Frühling "meistens scheinheilige Erklärungen und Wortmeldungen" im Umlauf seien. Ungarn habe bewusst Mitverantwortung übernommen, damit die christlichen Gemeinschaften des Nahen Ostens in ihren ursprünglichen Heimatländern verbleiben können, in denen sie "seit 2.000 Jahren zuhause sind". Der ungarische Außenminister betonte die Notwendigkeit, dass die internationale Gemeinschaft den Terrorismus, der sich in Syrien breit gemacht habe, entschieden bekämpfe. Ungarns Regierung stelle sich durch "Hungary Helps" bewusst an die Seite der verfolgten Christen. Solche Aktionen seien notwendig, um den Christen zu helfen, die Schwierigkeiten zu überwinden und in ihrer angestammten Heimat zu bleiben. 

Der syrisch-orthodoxe Patriarch Mor Ignatius Aphrem II. dankte bei der Pressekonferenz den "ungarischen Freunden" für ihre von Herzen kommende Hilfe. Der Patriarch bedauerte, dass viele Länder nur an den Ressourcen Syriens interessiert seien und das Leid der Bevölkerung ausblenden. Enttäuscht zeigte sich der Patriarch auch über die "fake information" in bestimmten westlichen Medien, die das Leid insbesondere der Christen nur im Hinblick auf ihre eigenen Interessen beschreiben würden. Als eines der wichtigsten Projekte für die Zukunft der Christen in Syrien bezeichnete er die neugegründete "Antioch Syrian University" in Damaskus, deren Ziel es sei, die Jugend zum Verbleib im Lande zu motivieren und "Licht inmitten der Dunkelheit" zu sein. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)