Polen: Bischöfliche Sorge um Religionslehrer und neuer Lehrplan für schulischen Religionsunterricht
Die Bildungskommission der Polnischen Bischofskonferenz hat sich besorgt über die aktuelle Lage der Religionslehrerinnen und -lehrer geäußert. Die Kommission sieht die Lehrpersonen aufgrund der vom Bildungsministerium beschlossenen und seit September 2025 in Kraft getretenen Halbierung der Religionsstunden an Schulen benachteiligt. Man werde alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um deren Rechte zu verteidigen, erklärte die Bildungskommission am 3. März 2026.
Außerdem hat die Bildungskommission einen neuen Lehrplan für den katholischen Religionsunterricht verabschiedet. Hauptziel sei es, verlässliche und systematische Kenntnisse des katholischen Glaubens sowie des Christentums im Allgemeinen zu vermitteln. Das neue Programm für Gemeindekatechese, das sich in Entwicklung befindet, bedeute keineswegs, „auf den Religionsunterricht in der Schule zu verzichten.“
Das Bildungsministerium hatte den schulischen Religionsunterricht von zwei auf eine Stunde pro Woche reduziert und diesen auf die erste oder letzte Stunde des Schultags gelegt. Zudem zählen die Noten nicht mehr zur Gesamtnote. Diese Reform wird von der Bischofskonferenz und Teilen der Gesellschaft bekämpft. Am 26. September 2025 haben 231 Abgeordnete im polnischen Sejm für eine weitere Beratung des Gesetzesentwurfes der Volksinitiative „Ja zu Religion und Ethik an der Schule“ gestimmt, die zwei Stunden obligatorischen Religions- oder Ethikunterricht fordert. Die „Vereinigung der Laienkatecheten“ und die rechtskonservative Organisation „Ordo Iuris“ hatten für ihre gemeinsame Volksinitiative laut eigenen Angaben mehr als eine halbe Million Unterschriften gesammelt und sie im Juni beim Sejm eingereicht, wobei bereits 100‘000 Unterschriften genügt hätten.
Die „Vereinigung der Laienkatecheten“ reagierte am 5. März zufrieden auf die „lang erwartete Stimme“ der bischöflichen Bildungskommission zur schwierigen Situation der Religionslehrer: „Seit vielen Monaten sehen sich Religionslehrer – sowohl Geistliche als auch Laien – mit den Folgen der Änderungen konfrontiert, die bei der Organisation des Religionsunterrichts an Schulen eingeführt wurden. Die Reduzierung der Stundenzahl, die Marginalisierung des Fachs im Stundenplan und die Schwächung seiner Bedeutung im Bewertungssystem haben zu einer beruflichen Unsicherheit vieler Religionslehrer geführt. Dieses Phänomen betrifft nicht nur Katecheten der katholischen Kirche, sondern auch Religionslehrer anderer Konfessionen. […] Umso beunruhigender ist das Fehlen eines echten Dialogs zwischen dem Bildungsministerium und den Religionslehrern.“ Trotz der Erklärung des Ministeriums, sich um „jeden Religionslehrer und jede Religionslehrerin” zu kümmern, habe Bildungsministerin Barbara Nowacka bisher keine Gespräche mit Vertretern der Gemeinschaft aufgenommen.
Am 10. März reagierte die „Vereinigung der Laienkatecheten“ auch auf Vorwürfe des Autors Rafał Betlejewski auf Facebook, dass man bei der Volksinitiative die „religiösen Fundamentalisten“ kilometerweit rieche. Die Vereinigung betonte, „dass der Entwurf keinen Zwang zu Religionsunterricht in Schulen einführt.“ Sein Ziel sei es vielmehr, den Schülern einen realen Zugang zu einer religiösen oder ethischen Erziehung zu ermöglichen. Im derzeitigen Rechtssystem werde Ethik, obwohl gesetzlich vorgeschrieben, in vielen Schulen in der Praxis nicht unterrichtet. „Der Entwurf zielt darauf ab, diese Situation zu ändern. Die vorgeschlagene Lösung ist kein Versuch, ‚die Religion durch die Hintertür einzuschleusen‘, sondern eine Bürgerinitiative, die von über einer halben Million Bürgern unterstützt wird“, so die „Vereinigung der Laienkatecheten.
Die „Vereinigung der Laienkatecheten“ gehört nicht zu den Unterstützern der Plattform „Werte für die Zukunft“, auf die Betlejewski verweist, und die für die Volksinitiative wirbt. Hier werden u.a. die Polnische Bischofskonferenz, das Institut „Ordo Iuris“, das „Zentrum für Leben und Familie“ und Radio Maryia als Unterstützer aufgeführt.
Regula M. Zwahlen