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Polen: Größte Marienstatue Europas eingeweiht

27. August 2026

Im polnischen Dorf Konotopie in der Nähe von Toruń ist an Mariä Himmelfahrt die bisher höchste Marienstatue Europas eingeweiht worden. Die insgesamt 55,6m hohe Statue übertrifft die berühmte Christus-Statue von Rio de Janeiro (38,5m) sowie die Christus-König-Statue, die 2010 in der polnischen Stadt Świebodzin (33m) errichtet worden war. Die Ortschaft befindet sich in der Nähe eines weiteren Sanktuariums der schmerzensreichen Gottesmutter in Obory mit einer kleinen Marienfigur, die dort seit 1855 viele Pilger anzieht. Das Projekt wurde gänzlich privat vom Ehepaar Grażyna und Roman Karkosik finanziert und vom Bildhauer Adam Jakub Matejkowski umgesetzt. Der Unternehmer und Investor Roman Karkosik gilt als einer der reichsten Männer Polens.

Die Weihe der Marienstatue wurde am 15. August von Bischof Krzysztof Wętkowski von Włocławek im Beisein des früheren Staatspräsidenten Lech Wałęsa gefeiert. Die römisch-katholische Kirchgemeinde äußert sich erfreut über das Geschenk der Karkosiks „an Europa, unser geliebtes Vaterland, die Diözese und die Gemeinde des Hl. Wojciech in Kikol“ und dankt ihm für die „mutige und entschlossene Erfüllung von Gottes Mission“. Sie sei ein Ausdruck des Glaubens, der Liebe und der Dankbarkeit gegenüber der Gottesmutter. Ihr Anblick solle vor allem geistlichen, nicht materiellen Charakters sein, die Höhe der Figur unterstreiche die Himmelfahrt Marias.

Das Projekt hatte in der polnischen Öffentlichkeit für erregte Debatten gesorgt. Häufiger Kritikpunkt war, dass mit dem Geld auch ein soziales Werk wie z. B. eine Schule oder ein Krankenahus hätte finanziert werden können. Laut inoffiziellen Schätzungen kostete der Bau zwischen 16 und 21 Mio. Euro.

Der römisch-katholische Journalist Tomasz Terlikowski kommentierte das Projekt in der Zeitschrift Rzeczpospolita als „Gigantomanie der zeitgenössischen polnischen Frömmigkeit“, die Überdimensionierung des Projekts komme eher aus der Popkultur oder der Politik als aus der religiösen Kultur. Der Soziologe Marcin Jewdokimov hingegen sieht in der Statue eine Antwort auf die fortschreitende Säkularisierung, die vor allem junge Menschen ansprechen und zum Nachdenken anregen wolle.

Regula M. Zwahlen