USA: Griechisch-orthodoxer Erzbischof Demetrios tritt zurück

Der 91-jährige griechisch-orthodoxe Erzbischof von Amerika (Nord und Süd) mit Sitz in New York, Demetrios Trakatellis, hat am 4. Mai dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. schriftlich seinen Rücktritt erklärt. Er war dazu schon mehrmals "aus Altersgründen" aufgefordert worden, hatte sich aber sowohl dem Patriarchen wie dessen Heiligem Synod widersetzt. Schließlich vereinbarte er mit Bartholomaios eine Verlängerung seiner Amtszeit bis Ostern. Die amerikanische Eparchie ist der bevölkerungs- und ressourcenreichste Teil des Ökumenischen Patriarchats.

Wie die Stiftung Pro Oriente berichtete, wird der Heilige Synod von Konstantinopel bei seiner Sitzung, die am 9. Mai beginnt, die Wahl eines Nachfolgers diskutieren und entscheiden. Nach Angaben der nordamerikanischen griechischen Zeitung National Herald habe Erzbischof Demetrios noch einmal eine Verlängerung seiner Amtszeit angestrebt, Bartholomaios I. habe aber abgelehnt.

Erzbischof Demetrios, der die amerikanische Eparchie seit 20 Jahren leitete, ist in den letzten Jahren heftig kritisiert worden. Seine Kritiker warfen ihm (beziehungsweise seiner Umgebung) vor, die Eparchie in den finanziellen, administrativen und spirituellen Bankrott zu steuern. Dabei ging es insbesondere um zwei Projekte: Den Neubau des St. Nicholas National Shrine in New York nach einem Entwurf des Stararchitekten Santiago Calatrava (der Vorgängerbau war dem 9/11-Anschlag auf das World Trade Center zum Opfer gefallen) und die Weiterführung des "Hellenic College Holy Cross" (HCHC) in Boston.

Laut National Herald hat Patriarch Bartholomaios I. Erzbischof Demetrios drei Mal - am 3. September 2017, am 30. Mai 2018 und am 20. November 2018 - dringlich zur Resignation eingeladen. Der mittlerweile 91-Jährige hatte aber immer abgelehnt, weil er offensichtlich die Weihe des St. Nicholas National Shrine noch selbst vornehmen wollte. Auch jetzt hatte Erzbischof Demetrios weder die Eparchialsynode noch den Eparchialrat (mit seiner starken Beteiligung der Laien) informiert. Nach seinem kurzen Besuch im Phanar kehrte er am 4. Mai nach New York zurück.

Die Probleme um die Nachfolgeregelung für den "Erzbischof von Amerika" sind deshalb besonders heikel, weil es sich um den bevölkerungs- und ressourcenreichsten Teil des Ökumenischen Patriarchats handelt. Die griechische Website Romfea berichtete, dass Metropolit Elpidophoros (Lambriniadis) von Bursa (Broussa) und Metropolit Kleopas (Strongylis) von Schweden die aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Erzbischof Demetrios seien. Die Amtseinführung des neuen "Erzbischofs von Amerika" werde der Ökumenische Patriarch selbst durchführen, wenn er Juni/Juli auf Einladung des US-amerikanischen Außenministers Michael Pompeo zu einer großen Umweltkonferenz in die Vereinigten Staaten kommt.

Der aus Saloniki stammende Trakatellis kam aus der im Zwischen- und Nachkriegsgriechenland einflussreichen Theologenbruderschaft "Zoi". Seit 1968 wirkte er als Bischof in Griechenland, war aber schon von 1983 bis 1993 Professor für Bibelwissenschaften in Boston. 1999 berief ihn der Ökumenische Patriarch als Erzbischof wieder in die USA, um dort den Spannungen aus dem dreijährigen Regiment seines Vorgängers Spyridon Papageorgiou ein Ende zu bereiten. Laut einer Würdigung in der Athener Zeitung Kathimerini ist sein Befriedungswerk gelungen, doch verfügte der frühere Professor kaum über administrative Qualitäten und Erfahrung.

Als Spitzenkandidat für die Nachfolge Demetrios' wurde lange der Pariser Metropolit Emmanuel Adamakis genannt. Dieser schloss zuletzt aber selbst für sich eine solche Berufung aus, da er an der Seite des Ökumenischen Patriarchen unentbehrlich sei. Tatsächlich war Adamakis im Autokephalieprozess für die Ukraine die führende Persönlichkeit, dabei aber nicht unumstritten. Sein Beharren auf der Rolle einer grauen Eminenz hinter Bartholomaios verrate aber auch andere Ambitionen, heißt es in Kreisen des Phanars: Er strebe wohl einmal die Nachfolge des Patriarchen an. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

Drucken