Frankreich: Pariser Exarchat unterstellt sich griechischen Metropolien vorerst nicht

Das „Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa“ weigert sich, seine Gemeinden den Hierarchen des Ökumenischen Patriarchats zu unterstellen. Der Rat des Erzbistums spricht der Entscheidung des Ökumenischen Patriarchats von Ende November 2018, den Status des Erzbistums als Exarchat aufzuheben, nicht die Berechtigung ab. Doch gelte es die Aberkennung des Status als Exarchat von einer „Auflösung des Erzbistums“ zu unterscheiden, denn einzig die Generalversammlung des Erzbistums verfüge über diese Kompetenz. Für den 23. Februar ist eine Generalversammlung geplant, um diese Angelegenheit zu besprechen.

In seinem Kommuniqué vom 17. Januar berichtet der Rat, dass zahlreiche Priester und Diakone Briefe von den lokalen griechischen Metropoliten erhalten hätten, mit der Anordnung, ihren Erzbischof nicht mehr zu kommemorieren, sich den jeweiligen griechischen Metropolien anzuschließen und diesen alle Dokumente und Register ihrer Gemeinde auszuhändigen. Diese Einmischung außenstehender Bischöfe sei „aus ekklesiologischer wie auch rechtlicher Sicht unrechtmäßig“, so der Rat des Erzbistums. Der „einzig legitime leitende Bischof“ sei nach wie vor Erzbischof Jean (Renneteau) von Charioupolis, der dieses Amt laut den Statuten des Exarchats auf Lebenszeit ausübe. Er könne nur durch das Urteil eines übergeordneten Kirchengerichts abgesetzt werden. Daher könnten die Geistlichen des Erzbistums nicht auf die Forderungen der griechischen Metropoliten eingehen.

In einem Brief an Patriarch Bartholomaios zum gleichen Thema betont der Rat zugleich seine Dankbarkeit gegenüber dem Ökumenischen Patriarchat und bezeichnet die Phase als Exarchat seit 1999 als „glückliche und günstige Periode in der Geschichte unseres Erzbistums“. Er wirft die Frage auf, ob die Gründe zur Verleihung des Status seither verschwunden seien, und verweist darauf, dass sich seit 1999 nichts Grundlegendes an der Situation in Westeuropa geändert habe. Während es dem Ökumenischen Patriarchat freistehe, seinen Beschluss von 1999 zu widerrufen, stehe ihm die Entscheidung über die künftige Zugehörigkeit der Gemeinden des Pariser Exarchats nicht allein zu.

Der Rat bat außerdem um ein Treffen in Konstantinopel vor der Generalversammlung und drückte seine Hoffnung auf eine Zukunft innerhalb des Ökumenischen Patriarchats aus. Doch gleichzeitig gibt es Debatten innerhalb des Erzbistums, wie alternative Zukunftsszenarien aussehen könnten. Angeblich steht die Verwaltung des Erzbistums bereits in Kontakt mit dem Moskauer Patriarchat und klärt die Möglichkeit eines Beitritts zur Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) ab. Eine andere Option wäre, sich der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland (ROCOR), einer autonomen Struktur innerhalb der ROK, anzuschließen. Offenbar gibt es auch Befürworter eines Beitritts zur Rumänischen Orthodoxen Kirche.

Nachdem schon im Oktober 2018 eine italienische Gemeinde des Pariser Exarchats sich der ROCOR angeschlossen hatte, ist nun die Gemeinde von San Remo diesem Beispiel gefolgt. Weil ihr Pfarrer sich geweigert hatte, auf die Forderungen des Ökumenischen Patriarchats einzugehen, war er vom zuständigen griechischen Metropoliten Gennadios (Zervos) suspendiert worden. Daraufhin beschloss der Pfarrgemeinderat einstimmig, sich der ROCOR zu unterstellen.

Das Exarchat geht auf die Emigration orthodoxer Russen nach der Revolution 1917 zurück, das Erzbistum wurde 1921 gegründet. 1931 unterstellten sich die russischen Gemeinden in Westeuropa unter der Leitung ihres Metropoliten dem Patriarchat von Konstantinopel. Heute gehören zum Pariser Exarchat über 120 Pfarrgemeinden, von denen mehr als 40 in Frankreich liegen. Die 112 Priester betreuen knapp 100‘000 Gläubige, die einen sehr unterschiedlichen nationalen Hintergrund haben. Neben den Nachfahren russischer Emigranten sind auch zahlreiche Konvertiten in den Gemeinden vertreten. So werden in der Liturgie neben dem Altkirchenslawischen zunehmend auch die modernen westeuropäischen Sprachen verwendet.

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