Türkei: Bartholomaios: "Covid ist keine Strafe Gottes"

Die Menschheit muss aus der aktuellen Covid-Pandemie die richtigen Schlüsse ziehen und sich endlich mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung gegen den Klimawandel stemmen. Das hat der Ökumenische Patriarch Bartholomaios in seiner Eröffnungsrede beim vierten Chalki-Gipfel betont. „Die Pandemie ist kein Racheakt Gottes, sondern ein verzweifelter Aufruf an uns alle, die Natur sehr viel respektvoller zu betrachten“, so der Patriarch wörtlich. Die Covid-Pandemie habe die Welt gelehrt, wie wichtig es sei, „einander zuzuhören, voneinander zu lernen, füreinander zu sorgen und miteinander zu teilen“.

Patriarch Bartholomaios rief dazu auf, individuelle, politische und nationale Interessen angesichts der immensen Herausforderung des Klimawandels hintan zu stellen. Auch Interessen der Kirchen oder Religionen müssten für das gemeinsame Anliegen zurückgenommen werden. Den Klimawandel zu bremsen werde dabei nicht ohne Einschränkungen bzw. Opfer gelingen, zeigte sich der Patriarch überzeugt. Zugleich betonte er, dass es ohnehin keinen echten Fortschritt geben könne, wenn dieser letztlich auf der Zerstörung der natürlichen Umwelt beruhe.

Bartholomaios prangerte u.a. den illegalen Handel mit Wildtieren an, die Zerstörung der natürlichen Ökosysteme durch Entwaldung und Verstädterung, ebenso eine zu intensive Landwirtschaft und die Zerstörung der Umwelt durch chemische Kontamination. Er sei felsenfest davon überzeugt, so der Patriarch, dass es eine radikale neue Art und Weise brauche, „wie wir die Welt wahrnehmen und behandeln“.

Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie dankte einmal mehr „allen, die sich angesichts der Covid-Pandemie umso mehr im Gesundheits- oder Sozialsystem für ihre Mitmenschen einsetzen“. Seine Gebete würden all jenen gelten, die an Covid-19 erkrankt oder daran sogar gestorben sind sowie deren Angehörigen. Bartholomaios zeigte sich zuversichtlich, „dass die Krise bald vorübergehen wird“.

Im Rahmen des Chalki-Gipfels diskutieren und beraten Experten und Kirchenvertreter aus aller Welt über aktuelle Fragen des Klimawandels bzw. der Corona-Pandemie. Die vom Patriarchen initiierte Konferenz steht unter dem Motto „Covid-19 und der Klimawandel. Leben mit und Lernen von der Pandemie“. Die Tagung findet coronabedingt nur online statt. Mit dabei sind u.a. der ökologische Cheftheologe des Ökumenischen Patriarchats, Metropolit Ioannis (Zizioulas), Metropolit Nathanael (Symeonides) von Chicago, der US-amerikanische Umweltaktivist Bill McKibben, die kanadische Klimaforscherin Katharine Hayhoe und die Bioethikerin des New Yorker orthodoxen Theologischen Seminars St. Vladimir's, Gayle Woloschak.

Bartholomaios, der wegen seiner zahlreichen Initiativen im Umweltbereich oft als „grüner Patriarch“ bezeichnet wird, möchte mit der aktuellen Tagung an die positiven Dialogerfahrungen der bisherigen Gipfel auf der Insel Chalki im Marmara-Meer vor Istanbul anknüpfen. Die bisherigen Tagungen in den Jahren 2012, 2015 und 2019 hatten Aktivisten, Journalisten und Wirtschaftstreibende, Theologen, Kunstschaffende und Repräsentanten unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen zu interdisziplinären und grenzüberschreitenden Gesprächen versammelt. Ort der Tagung war damals die offiziell nach wie vor geschlossene Theologische Hochschule von Chalki.

Mit dem Tagungsformat, das an die Hochschule gebunden ist, möchte der Ökumenische Patriarch zugleich deutlich machen, dass er fest entschlossen ist, die geistige Tradition der Theologischen Hochschule auf der Insel aufrechtzuerhalten. Das bekundete er auch in seiner aktuellen Rede.

Das Seminar und die Hochschule von Chalki zählten lange Zeit zu den bedeutendsten theologischen Bildungsanstalten der Orthodoxie weltweit und standen stets für eine an aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen interessierte Theologie. Vor genau 50 Jahren wurde die Bildungsstätte vom türkischen Staat geschlossen. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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