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Bosnien-Herzegowina: Orthodoxe Bischöfe lehnen Idee einer „Bosnischen Orthodoxen Kirche“ ab

15. Januar 2026

Zwei Bischöfe der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) in Bosnien-Herzegowina haben die Überlegungen des früheren bosnischen Reis-ul-ulema Mustafa Cerić über eine „Bosnische Orthodoxe Kirche“ scharf kritisiert. Metropolit Fotije (Sladojević) von Zvornik und Tuzla und Bischof Sergije (Karanović) von Bihać und Petrovac werfen Cerić vor, mit seiner Idee Unruhe in Bosnien-Herzegowina zu stiften. Metropolit Fotije kritisiert, dass Cerić lieber über eine „Phantomgestalt“ spreche als über die SOK, die im Gebiet Bosnien-Herzegowinas „seit Jahrhunderten legitim existiert“. Er fühle sich an den Zweiten Weltkrieg erinnert, als im faschistischen Unabhängigen Staat Kroatien eine „Kroatische Orthodoxe Kirche“ gegründet worden sei, die die Serben in Kroatien „zunächst in Kroaten orthodoxen Glaubens“ und später in Katholiken hätte verwandeln sollen. Mit seinem Vorschlag, eine Bosnische Orthodoxe Kirche zu gründen, entfessle Cerić den Fluch des Faschismus und der Verfolgung; eine solche Kirche würde nicht Frieden, sondern Krieg bringen.

Bischof Sergije warf dem ehemaligen Oberhaupt der Islamischen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina vor, die Identität des Landes umformen und dabei die Existenz der SOK beenden zu wollen. Auch er verwies auf die lange Geschichte der Orthodoxie in der Region und betonte, dass Kirchen nicht in den Büros von Regierungen geschaffen würden, denn Bosnien-Herzegowina sei weder der Unabhängige Staat Kroatien noch die Ukraine. Der Vorschlag komme zu einem Zeitpunkt großer politischer Spannungen und ziele darauf, Aufmerksamkeit zu erregen. Eine Bosnische Orthodoxe Kirche habe es nie gegeben und werde es nie geben, erklärte Bischof Sergije weiter. Er rief die Islamische Gemeinschaft auf, sich von ihrem früheren Oberhaupt zu distanzieren, dessen Worte „nicht zur Festigung des Friedens und des gemeinsamen Lebens beitragen können und werden“.

In seinem Text argumentiert Mustafa Cerić, dass Bosnien-Herzegowina eine eigene „historische, politische und spirituelle Einheit“ sei. Daher sei das Nachdenken über die „berechtigte Notwendigkeit der Errichtung bzw. Erneuerung der ‚Bosnischen Orthodoxen Kirche‘ weder eine Provokation noch eine Imitation, sondern der natürliche Ausdruck der historischen Kontinuität und des legitimen Rechts Bosniens auf seine eigne spirituelle Eigenständigkeit“. Es sei völlig logisch, dass Bosnien-Herzegowina seine eigene autokephale orthodoxe Kirche mit eigenen Kanones, einem eigenen Sitz und einer „klaren Loyalität gegenüber der bosnischen Staatlichkeit“ haben sollte. Bei der Autokephalie gehe es nicht um Spaltung, sondern Verantwortung, sie bedeute nicht die „Negierung der Orthodoxie, sondern ihre Verwurzelung im bosnischen historischen und kulturellen Raum“, führt Cerić aus. Diese Kirche wäre nicht gegen jemanden, sondern für Bosnien-Herzegowina, „für seine Souveränität, seinen Frieden und für die Würde der orthodoxen Gläubigen, die Bosnien als ihre einzige Heimat erleben und nicht als Verlängerung fremder nationaler und kirchlicher Projekte“. (NÖK)