Rumänien: Kirche distanziert sich von rechtsradikalen Bekundungen
Das rumänisch-orthodoxe Patriarchat hat die politische Instrumentalisierung eines vor wenigen Monaten heiliggesprochenen Geistlichen scharf kritisiert. Es geht um den Priester Ilie Lăcătuşu (1909–1983), dessen kirchlicher Gedenktag der 22. Juli ist. Rechtsextreme hatten an diesem Tag am Grab des im vergangenen Jahr von der Rumänischen Orthodoxen Kirche (RumOK) heiliggesprochenen Priesters auf dem Giuleşti-Friedhof in Bukarest u.a. Flaggen und Abzeichen der verbotenen faschistischen Legionärsbewegung mitgeführt. Die Behörden kündigten eine Untersuchung der Vorfälle bei der „Pilgerfahrt“ an.
Der jüngste Vorfall veranlasste das Patriarchat in Bukarest zu einer scharfen Gegenerklärung. Kritiker hatten allerdings schon im Vorfeld der Heiligsprechung vor solchen Instrumentalisierungen gewarnt. Zudem befindet sich die Kirche schon länger in Streit mit Nachkommen Lăcătuşus.
Das Patriarchat in Bukarest betonte in seiner aktuellen Erklärung, dass Veranstaltungen wie jene am 22. Juli sowohl gegen das Gesetz als auch gegen die christliche Lehre verstoßen würden. Man lehne jede Form von Hass, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ab. Die Veranstaltung sei ohne Zustimmung des Patriarchats erfolgt, die beteiligten Personen würden auch in keiner Weise das Patriarchat vertreten. Jede politische Instrumentalisierung des Andenkens des hl. Ilie Lăcătuşu werde entschieden verurteilt, hieß es in der Erklärung.
Der Hintergrund: Die RumOK hatte im Februar 2025 16 Bekenner und Asketen des 20. Jahrhunderts heiliggesprochen. Die liturgische Feier ihrer Kanonisierung fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 140. Jahrestag der rumänischen Autokephalie und zum 100. Jahrestag der Errichtung des rumänischen Patriarchats statt. Bei den neuen Heiligen handelt es sich um Geistliche und Theologen, die unter dem Kommunismus gelitten hätten, wie es heißt. Einige wurden auch ermordet. Beschlossen wurde die Heiligsprechung bereits im Sommer 2024. Von den 16 neuen Heiligen stieß die Kanonisierung von dreien auf viel nationale und internationale Kritik, da sie auch eine faschistische Vergangenheit hatten.
Die drei zur Heiligsprechung vorgeschlagenen Geistlichen und Theologen hätten offen für die als Legionäre bekannten rumänischen Faschisten geworben und antisemitische Positionen vertreten, kritisierte etwa das nationale „Elie Wiesel“-Institut für die Erforschung des Holocaust in Rumänien. Die Legionäre waren in der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs politisch mitbestimmend. Sie wurden von Nazi-Deutschland gefördert. Von September 1940 bis Februar 1941 haben die Legionäre nach einem Putsch Rumänien regiert und Pogrome gegen Juden verübt.
Ilie Lăcătuşu (1909–1983) soll u.a. Anführer einer Legionärsgruppe gewesen sein. Er soll auch im Januar 1941 an einem Pogrom gegen Juden in Bukarest teilgenommen haben. Zudem habe er Listen mit Gegnern der Legion erstellt, die nach der vollständigen Machtübernahme hingerichtet werden sollten. Er verbrachte dann unter der kommunistischen Herrschaft viele Jahre in Gefangenschaft und starb 1983 nach langer Krankheit in einem Bukarester Krankenhaus. Bei den weiteren kritisierten Heiligen handelt es sich um Ilarion Felea (1903–1961) und Dumitru Stăniloae (1903–1993).
Als Reaktion auf die Kritik erklärte die RumOK in einem Statement noch vor der Heiligsprechung, das Leben von Kandidaten zur Heiligsprechung werde gründlich erforscht und die Heiligkeit werde nur auf der Basis substanzieller Beweise und glaubhafter Zeugnisse anerkannt. Zu den Kriterien für die Kanonisierung gehörten ein reines und heiliges Leben, das Bezeugen des Glaubens bis zum Lebensende, Askese, Liebe und Opferbereitschaft, Wundertätigkeit und Verehrung durch die Gläubigen.
Dabei räumte die Kirche ein, dass einige ihrer Heiligen irgendwann in ihrem Leben Haltungen vertraten oder Taten vollbrachten, die schwierig zu verstehen seien oder sogar der christlichen Lehre widersprächen. Die Kirche berücksichtige aber den Wandel im Leben und insbesondere, wie Heilige ihr Leben beendeten. Außerdem betonte die Kirche schon im Vorfeld der Heiligsprechung, dass sie sich von jeglicher Ideologie oder Parteipolitik distanziere. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)