Rumänien: Patriarch würdigt verstorbenen Präsidenten Iliescu
Der am 5. August im Alter von 95 Jahren verstorbene frühere rumänische Präsident Ion Iliescu ist am 7. August auf dem Armeefriedhof Ghencea in Bukarest feierlich beigesetzt worden. Der rumänisch-orthodoxe Patriarch Daniel hat in einem Beileidsschreiben Iliescu gewürdigt. Dieser habe stets eine respektvolle Haltung gegenüber der Kirche eingenommen, schon bevor er Präsident wurde. Iliescu habe die Bedeutung der Rumänischen Orthodoxen Kirche in der Geschichte und im Leben des rumänischen Volkes erkannt, so Patriarch Daniel. Iliescu war von Dezember 1989 bis 1996 sowie von 2000 bis 2004 Präsident Rumäniens. Der ehemalige Politiker gilt als umstrittenste Persönlichkeit der rumänischen Nachwendezeit.
Iliescu habe nach der Revolution dazu beigetragen, dass die Kirche ihre Position und Rolle in und für die rumänische Gesellschaft wieder stärken konnte, sei es etwa durch den Religionsunterricht in den Schulen oder den Aufbau von sozialen Werken, so der Patriarch. Darüber hinaus habe Iliescu insbesondere in seiner zweiten Amtszeit die Notwendigkeit erkannt, „Rumänien an westlichen demokratischen Werten auszurichten“, was für den Übergang vom Kommunismus zum Kapitalismus eine entscheidende Rolle gespielt habe.
Iliescu, ein früherer kommunistischer Funktionär, den Nicolae Ceausescu in den 1980er Jahren auf das politische Abstellgleis geschoben hatte, hatte im Dezember 1989 maßgeblich zum Sturz des Diktators beigetragen und nach der Hinrichtung des Ceausescu-Ehepaares sofort die Macht an sich gerissen.
Vor Gericht hätte er sich unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten müssen, nachdem die Generalstaatsanwaltschaft im sogenannten „Revolutionsverfahren“ Anklage gegen ihn wegen der zahlreichen Toten in den Tagen der blutigen Wende erhoben hatte. Da Iliescu jedoch nie verurteilt wurde, wurde ihm als ehemaliges Staatsoberhaupt nun ein Staatsbegräbnis zuteil. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)