Kroatien: Kirchliche Hilfe für Erdbeben-Opfer

Nach den schweren Erdbeben Ende Dezember in Kroatien ist die Hilfsbereitschaft groß. Die kroatische Caritas leistet in der betroffenen Region südlich von Zagreb Nothilfe. Aus ihren Vorräten konnte sie Tausende Schlafsäcke, Decken und Zelte verteilen, sagte der Leiter der kroatischen Caritas, Fabijan Svalina. Viele Betroffene möchten ihre Häuser nicht verlassen, erklärte Svalina weiter. Das müsse man respektieren und Wege finden, ihnen vor Ort temporäre Unterkünfte zu bieten, damit sie sich weiterhin um ihre landwirtschaftlichen Güter und Tiere kümmern können.

 Der Anblick und die Erfahrungen vor Ort seien „dramatisch“, sagte Svalina. Er habe gesehen, dass Hilfe in verschiedenen Formen ankomme, vor allem Nahrungsmittel und andere Güter des täglichen Bedarfs. Davon sei zurzeit genug vorhanden, daher rief er dazu auf, nun finanzielle Hilfe zu leisten. Mit dieser könnten die Betroffenen ihre Häuser wieder instand setzen. Entgegen anders lautenden Berichten hat Svalina den Eindruck, dass die Hilfe „mehr oder weniger an allen Orten“ ankomme. Was vielleicht fehle, sei eine „umfassende Koordination aller Akteure“.

Bischof Vlado Košić von Sisak, das in der betroffenen Region liegt, berichtete gegenüber dem kroatischen Radio von schweren Schäden an der Infrastruktur, auch an Sakralgebäuden. Er hoffe auf eine schnelle Sanierung der Gebäude. Doch angesichts der sehr großen Schäden werde deren Erneuerung vermutlich lange dauern und teuer werden. Er habe die Geistlichen seines Bistums informiert, dass es vorübergehend erlaubt sei, zivile Räume für die Versammlung der Gläubigen, insbesondere die Sonntagsmesse zu nutzen.

Kardinal Josip Bozanić, der Erzbischof von Zagreb, lobte die Leistung der Caritas und betonte, die Geistlichen seien ebenfalls präsent, sie „sind ständig mit dem Volk und tun, was sie können“. Es sei wichtig, dass die Hilfe alle erreiche, insbesondere die Menschen in den Dörfern, die alt und allein seien. Zur Frage, warum Kroatien von so einem Unglück getroffen werde, verwies er auf „viel Gutes“, das „sich in den menschlichen Herzen bewegt hat“. Vielleicht sei es ein Zeichen, dass sich die Menschen stärker ihrem Land zuwenden und in die betroffene Region investieren sollten. Bozanić leitete auch die Messe am Tag der Trauer für die Opfer des Erdbebens in Zagreb, an der er ebenfalls die Solidarität im Volk hervorhob.

Die Kroatische Bischofskonferenz entschied zudem, 7 Mio. Kuna (ca. 925‘000 Euro) Nothilfe zur Verfügung zu stellen. Über weitere Hilfen soll an der kommenden Vollversammlung der Bischofskonferenz diskutiert werden, wenn die Situation und die Bedürfnisse vor Ort geklärt sind.

Auch die Bischöfe der Serbischen Orthodoxen Kirche in Kroatien besuchten am 2. Januar die betroffenen Gebiete. Mit den lokalen Geistlichen besprachen sie die Verteilung von mobilen Häuschen, die die Metropolie von Zagreb und Ljubljana mit Unterstützung der Stadt Belgrad spendet. Metropolit Profirije (Perić) von Zagreb berichtete in einem Statement von den Schäden und rief dazu auf, die tragische Erfahrung als Aufruf zu „Güte, Solidarität und Liebe“ zu verstehen und zu versuchen, mit „anderen Augen auf das alltägliche Leben“ zu blicken. Er versprach, seine Metropolie werde, soweit ihr das möglich sei, den Betroffenen helfen.

Am 12. Januar besuchten Metropolit Porfirije und Kardinal Bozanić gemeinsam die Kathedrale von Zagreb, die beim schweren Erdbeben im März bereits stark beschädigt worden war. Gegenüber den Medien betonte Profirije, dass die Hilfe für Betroffene in den Erdbebengebieten, insbesondere die obdachlos Gewordenen, zurzeit das wichtigste sei. Der Wiederaufbau der beschädigten Kirchen werde irgendwann in der Zukunft an die Reihe kommen. Diese Ansicht vertrat auch Kardinal Bozanić. Außerdem betonten die beiden Geistlichen, die aktuellen Herausforderungen – neben den Erdbeben auch die Coronavirus-Pandemie – hätten die beiden Kirchen näher zueinander rücken lassen, und bekräftigten ihre Unterstützung für die Ökumene. (NÖK)

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