Serbien: Slowenisches Gericht verurteilt Patriarch Porfirije zu bedingter Haftstrafe
Das Bezirksgericht von Ljubljana hat den serbischen Patriarchen Porfirije zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bewährung und einer bedingten Geldstrafe von 10.000 Euro wegen Mobbings des ehemaligen orthodoxen Priesters Željko Lubarda verurteilt. Mit dem Oberhaupt der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) wurde auch die örtliche serbische-orthodoxe Kirchgemeinde in Ljubljana verurteilt. Der Hl. Synod der SOK bezeichnete das Urteil des Bezirksgerichts als „skandalös“, das auf einer „Reihe absurder Klagen“ des abgesetzten Geistlichen beruhe. Der Hl. Synod hat den Patriarchen gebeten, keine Berufung gegen das Urteil einzulegen, um nicht an diesem „kafkaesken Verfahren“ mitzuwirken.
Der Hl. Synod kritisierte insbesondere, dass weder der Patriarch noch sein Anwalt überhaupt informiert gewesen seien, dass ein Verfahren gegen das Kirchenoberhaupt laufe. Die Staatsanwaltschaft habe den Patriarchen auch nie zu einer Aussage vorgeladen. „Besonders besorgniserregend“ sei die Tatsache, dass Informationen über das Gerichtsverfahren unmittelbar vor der diesjährigen Bischofsversammlung an einzelne Medien in Serbien mit dem Ziel weitergegeben worden seien, „eine mediale Schmutzkampagne gegen die SOK und den serbischen Patriarchen Porfirije zu führen“. Der Hl. Synod erinnerte daran, dass er sich mehrmals mit dem „antikirchlichen Handeln“ von Lubarda auseinandergesetzt habe. Zudem habe der Konflikt mit dem abgesetzten Priester bereits vor der Amtszeit von Porfirije als Metropolit von Zagreb und Ljubljana (2014–2021) begonnen. Die Staatsanwaltschaft wie das Gericht hätten außerdem nicht berücksichtigt, dass die Ernennung und die Versetzung von Gemeindepriestern ein unveräußerliches kanonisches Recht des zuständigen Bischofs seien, und hätten somit unter anderem gegen das slowenische Gesetz zur Religionsfreiheit und grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien verstoßen.
Željko Lubarda, der mit seiner Anzeige das Verfahren gegen den serbischen Patriachen ins Rollen gebracht hatte, erklärte, dass ihm das Urteil noch nicht zugestellt worden sei, aber er sicher sei, dass die Staatsanwaltschaft und das Gericht nur auf der Grundlager klarer und ausreichender Beweise entscheiden würden. Die Stellungnahme des Hl. Synods bezeichnete Lubarda als „erneute Grenzverletzung“. Der jahrelange Konflikt Lubardas, der von 2014 bis 2017 als Geistlicher in der Kirchgemeinde in Ljubljana angestellt war, mit der Kirchenleitung begann, als er als gesetzlicher Vertreter der Pfarrei an der Einreichung einer Strafanzeige gegen den damaligen Pfarrer Peran Bošković wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten in der Kirchenkasse beteiligt war, wofür Bošković später rechtskräftig verurteilt wurde. Lubarda behauptet, er sei Mobbing und Repressalien ausgesetzt gewesen, weil er sich geweigert habe, die Anzeige zurückzuziehen oder seine Aussage zugunsten von Bošković zu ändern. Schließlich wurde ihm das Priesteramt entzogen.
In der serbischen Öffentlichkeit fielen die Reaktionen auf das Urteil des Bezirksgerichts gemischt aus. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić erklärte, dass der Patriarch „für etwas verurteilt wurde, das er nie getan hat“. Patriarch Porfirije könne sogar stolz auf dieses Urteil sein, da es zeige, wie wichtig er für das serbische Volk sei, „und was alle jene von ihm halten, die das serbische Volk nicht lieben“. Dies könne dem serbischen Patriarchen „die Aura eines Opfers und Märtyrers“ verleihen.
Demgegenüber erklärte der Theologe Vukašin Milićević, der ein lautstarker Kritiker des Nahverhältnisses von Kirchenleitung und serbischer Regierung ist und Anfang 2026 von der SOK exkommuniziert worden war, dass ähnliche Mobbingfälle fast täglich auch in anderen Eparchien der SOK geschehen. Es gebe jedoch keine Instanz, die sich wirklich damit befasse, „was einzelne Bischöfe ihren Geistlichen antun“. (NÖK)