Russland: Russische Orthodoxe Kirche droht Ökumenischem Patriarchat mit Bruch

Auf den Entscheid des Ökumenischen Patriachats, zwei seiner Bischöfe als Exarchen in die Ukraine zu entsenden, hat das Moskauer Patriarchat mit dem Abbruch der eucharistischen Gemeinschaft gedroht. An einer Sondersitzung verabschiedete der Hl. Synod der Russischen Orthodoxen Kirche am 14. September eine Erklärung „im Zusammenhang mit dem unrechtmäßigen Eingriff des Patriarchats von Konstantinopel in das kanonische Territorium der Russischen Orthodoxen Kirche“. Diese ist noch einmal deutlich schärfer als eine erste Protestnote des Hl. Synods vom 8. September.

In der Erklärung droht der Hl. Synod mit dem völligen Bruch der Kirchengemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat, wenn „die antikanonische Handlungsweise des Patriachats von Konstantinopel auf dem Territorium der Ukrainischen Orthodoxen Kirche sich fortsetzen“ sollte. Ab sofort suspendiert das Moskauer Patriarchat u.a. das ehrende Gedenken des Patriarchen von Konstantinopel in der Liturgie, die gemeinsame Zelebration mit Hierarchen des Patriarchats von Konstantinopel und die Teilnahme der ROK an Bischofsversammlungen, theologischen Dialogen, multilateralen Kommissionen und allen anderen Strukturen, in denen Vertreter des Patriarchats von Konstantinopel den Vorsitz oder den Mitvorsitz haben. Davon betroffen sind u.a. die Internationale Kommission für den offiziellen theologischen Dialog zwischen orthodoxer und katholischer Kirche sowie die orthodoxen Bischofskonferenzen in der Diaspora.

Gemäß der Erklärung liegt „die ganze Fülle der Verantwortung für die tragischen Folgen dieser Trennung persönlich beim Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios und bei den Bischöfen, die ihn unterstützen.“ Laut Metropolit Ilarion (Alfejev), Leiter des Außenamts der des Moskauer Patriarchats, kommt die Entscheidung des Hl. Synod „ungefähr dem Abbruch diplomatischer Beziehungen“ zwischen Staaten gleich.

Einen Schwerpunkt der Erklärung bildet der historische Rekurs auf einen Brief des Ökumenischen Patriarchen Dionysios IV., der die Kiewer Metropolie 1686 dem Moskauer Patriarchat unterstellte. Aus heutiger Interpretation des Ökumenischen Patriarchats hat Dionysios dem Moskauer Patriarchat unter großem politischem Druck das Recht zugesprochen, die Kiewer Erzbischöfe zu ernennen und zu weihen, jedoch unter der Bedingung, dass jeder Kiewer Metropolit den Ökumenischen Patriarchen nach wie vor als kirchlichen Vorgesetzten und Autorität anerkennen und seine Zugehörigkeit zur kanonischen Jurisdiktion Konstantinopels ausweisen müsse – diese Regel sei jedoch nicht respektiert worden. Demgegenüber spricht die Erklärung des Hl. Synods von der endgültigen „Wiedervereinigung der Kiewer Metropolie mit der Russischen Kirche“ 1686. Die Zugehörigkeit der Kiewer Metropolie zum Moskauer Patriarchat sei vom Ökumenischen Patriarchat offiziell erst 1924, bei der Anerkennung der Autokephalie der Polnischen Orthodoxen Kirche, wieder in Frage gestellt worden. Seither versuche das Ökumenische Patriarchat immer wieder, in das kanonische Territorium der ROK einzugreifen.

Zudem beanstandet die ROK, dass die offizielle Bitte um Autokephalie von Metropolit Onufrij (Beresovskij), dem Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche–Moskauer Patriarchat (UOK–MP) hätte erfolgen müssen, den Bartholomaios noch 2016 „öffentlich als einzigen kanonischen Leiter der Orthodoxen Kirche in der Ukraine“ bezeichnet habe.

Metropolit Onufrij selbst konnte an der Sitzung des Hl. Synods der ROK am 14. September krankheitshalber nur per Videobotschaft teilnehmen. Darin berichtete der Metropolit, dass die beiden vom Ökumenischen Patriarchat in die Ukraine entsandten Exarchen bereits in Kiew eingetroffen seien. Er habe nicht die Absicht mit den beiden Exarchen zusammenzutreffen, die ohne seinen Segen ins Land gekommen seien. In einem TV-Interview bekräftigte er sowohl die wirtschaftliche und administrative Unabhängigkeit der UOK–MP mit eigenem Hl. Synod und Bischofsrat vom Moskauer Patriarchat als auch die spirituelle, kanonische und kulturelle Verbindung mit Moskau und kritisierte die Handlungen des Ökumenischen Patriarchen scharf, das in der Vergangenheit lebe und mit der Einmischung „eine Sünde“ begehe.

Demgegenüber veröffentlichte eine dem Ökumenischen Patriarchat nahestehende Website am 14. September ein Dokument vom November 1991, in dem Patriarch Alexij II. von Moskau von zahlreichen ukrainischen Bischöfen (einschließlich von Metropolit Onufrij) um die Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche gebeten wurde.

Regula Zwahlen

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