Armenien: Katholikos appelliert an internationale Gemeinschaft, aserbaidschanische Aggression zu stoppen

Angesichts der jüngsten schweren Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan hat Katholikos-Patriarch Karekin II. die internationale Gemeinschaft aufgerufen, effektive Maßnahmen zu ergreifen, um „Aserbaidschans wiederholte Aggression und Ambitionen gegenüber der armenischen Welt“ zu stoppen. Die Armenier weltweit rief das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche in einer dringenden Botschaft vom 13. September auf, „all unser nationales Potential zu festigen und der armenischen Armee und den Bedürfnissen unserer Heimat Unterstützung zu leisten“.

Am 13. September waren wieder schwere Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien ausgebrochen. Diese konzentrierten sich nicht wie beim Krieg 2020 auf Berg-Karabach, sondern auf das Grenzgebiet zwischen den beiden Ländern. Am 15. September konnte unter internationaler Vermittlung ein Waffenstillstand vermittelt werden. Laut armenischen Angaben kamen 105 armenische Soldaten ums Leben; der aserbaidschanische Verteidigungsminister sprach von 71 gefallenen aserbaidschanischen Soldaten. Beide Seiten machten sich gegenseitig für den Ausbruch der Kämpfe verantwortlich. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, machte Aserbaidschan bei ihrem Besuch in Jerewan für die erneuten Kampfhandlungen verantwortlich. Überraschend kam der Gewaltausbruch jedenfalls nicht. Im Windschatten des Krieges in der Ukraine sieht Aserbaidschan offenbar eine günstige Gelegenheit, um Armenien zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen.

Am Abend des 14. Septembers versammelten sich tausende Menschen in Jerewan und verlangten den Rücktritt des armenischen Premierministers Nikol Paschinjan. Die Protestierenden warfen ihm vor, inakzeptable Zugeständnisse gegenüber Aserbaidschan ins Auge zu fassen. Paschinjan hatte zuvor im Parlament erklärt, „schwierige Entscheidungen um des Friedens willen zu treffen“. „Wir wollen ein Dokument unterschreiben, aufgrund dessen uns viele Leute kritisieren, verfluchen und zu Verrätern erklären werden“, so der Premierminister. „Das Volk könnte uns sogar des Amtes entheben. Wir wären dennoch zufrieden, wenn als Ergebnis von diesem [Dokument] die Republik von Armenien einen dauerhaften Frieden und Sicherheit auf seinem 29.800 km2 Territorium bekommt.“ Paschinjans Äußerungen weckten bei den Demonstrierenden die Befürchtungen, dass sich der Premierminister aserbaidschanischem Druck beugen und dessen Vorschläge zu einem Abkommen übernehmen könnte. Angesichts der Proteste erklärte Paschinjan, dass er keine defätistischen Vereinbarungen unterschreiben werde.

Auch Katholikos Karekin II. mahnte die Bevölkerung und die Regierung in seinem Aufruf: „In der gegenwärtigen Krise dürfen wir uns keine Uneinigkeit und gesellschaftliche Polarisierung erlauben, die uns zu neuen Niederlagen führen: zu einem erzwungenen Frieden mit neuen Konzessionen. Wir müssen dieser Prüfung mit totaler Einigkeit und Loyalität gegenüber unserem Heimatland begegnen.“ (NÖK)

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