Belarus: Katholischer Erzbischof an Einreise gehindert

Dem Oberhaupt der katholischen Kirche in Belarus, Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk, ist die Einreise nach Belarus verweigert worden, nachdem er sich zu einem Arbeitsbesuch einige Tage in Polen aufgehalten hatte. Am Grenzübergang bei Kuźnica hatten ihn belarussische Grenzbeamte ohne Angabe von Gründen nach Polen zurückgeschickt. Seine Mitreisenden hatten weiterreisen dürfen, während er sich nun in einer Gemeinde in der Nähe von Białystok in Polen aufhält.

Gegenüber dem belarussischen Nachrichtenportal tut.by erklärte Kondrusiewicz, er habe keinerlei Begründung für die verweigerte Einreise erhalten, und die Behörden hätten auf seine Nachfragen nicht reagiert. Laut Gesetz darf keinem belarussischen Bürger die Einreise ins Land verwehrt werden. Dem Erzbischof ist jedoch nicht bekannt, dass es Bestrebungen gebe, ihm die Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Er besitze auch keine zweite Staatsangehörigkeit. Über die Gründe wollte er nicht rätseln, er zeigte sich lediglich enttäuscht über die Behandlung angesichts seiner Leistungen für sein Heimatland.

Der belarussische Präsident Aleksandr Lukaschenko jedoch sagte, es bestehe der Verdacht, auf eine mehrfache Staatsbürgerschaft Kondrusiewiczs. Außerdem sei er „unerwartet“ zu Konsultationen nach Warschau gereist und habe dort „bestimmte Aufgaben erhalten“. Deshalb sei er auf eine Liste von Personen geraten, die nicht einreisen dürften. Sollte sich alles als legal herausstellen, werde auch Belarus sich entsprechend der Gesetze verhalten.

Seit Beginn der Proteste gegen die manipulierten Präsidentschaftswahlen in Belarus vom 9. August hat sich der katholische Erzbischof mehrfach kritisch geäußert. Schon am 15. August hatte er die Staatsmacht aufgerufen, die Gewalt gegen die Demonstrierenden zu beenden und alle Verhafteten freizulassen. In einem Hirtenbrief beklagte der Erzbischof außerdem die zunehmende gesellschaftliche Spaltung und warnte vor der schwierigen Wirtschaftslage und der drohenden internationalen Isolation des Landes. Sogar die Angst vor einem Bürgerkrieg nehme zu, was bis vor einigen Monaten noch undenkbar gewesen wäre. Als Gegenmittel sei zunächst die Aufnahme eines Dialogs nötig. Die Krise betrachtet Kondrusiewicz als „unvermeidbare Folge der Sünde der Gesetzlosigkeit“.

Scharf kritisierte er auch die Blockade der katholischen Kirche des Hl. Simeon und der Hl. Helena am 26. August in Minsk. Dabei hatten Spezialkräfte der Polizei Gläubige und Demonstranten, die sich in die Kirche geflüchtet hatten, daran gehindert, die Kirche zu verlassen, aber auch keine Gläubigen mehr hereingelassen. In seiner Mitteilung protestierte Kondrusiewicz „entschieden gegen die illegalen Handlungen der Sicherheitskräfte“, die eigentlich die Rechte der Bürger zu schützen hätten, darunter auch das Recht auf Religionsfreiheit, und nicht die Ausübung dieser Rechte behindern sollten. Lukaschenko behauptete, dass keine Kirchen geschlossen worden seien, obwohl sie eine „anti-lukaschenko, antistaatliche Propaganda“ betrieben hätten. Im Gegenteil versuche der Staat sie zu unterstützen und zu schützen und werde sie auch weiterhin offenlassen. Dass Sondereinheiten eine Kirche blockiert haben, bezeichnete er als „Fake“, sie hätten die Kirche vor den Demonstranten geschützt.

Gegen die Blockierung der Kirche in Minsk protestierten auch weitere Bischöfe der katholischen Kirche in Belarus. Jurij Sanko, Sekretär von Erzbischof Kondrusiewicz und Vorsteher der Minsker Dreifaltigkeitskirche, beklagte gegenüber dem Nachrichtenportal meduza.io, dass auf die betreffende Kirche weiterhin Druck ausgeübt werde, auch am nächsten Tag sei der Zugang durch Sondereinheiten behindert worden. Dabei beschäftige sich die Kirche nicht mit Politik und wähle keine Seite. Wenn aber die Gemeindemitglieder von Übergriffen berichteten, könne ein Geistlicher das nicht ignorieren. Deshalb nehme er mit den Gläubigen an friedlichen Aktionen teil. Die Aufgabe der Kirche sei es, zu beten, die Wahrheit zu schützen und nie das Volk im Stich zu lassen. Er forderte eine Aufklärung der Ereignisse und Strafen für die Täter. Zudem betonte er, dass die protestierenden Bürger und ihre Forderungen angehört und das Gespräch mit ihnen gesucht werden müssen. In dieser Angelegenheit herrscht laut Senko in der ganzen katholischen Kirche in Belarus Einigkeit. (NÖK)

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