Russland: Orthodoxe Kirche offen für Digitalisierung gewisser Bereiche

Vladimir Legojda, der Leiter der Synodalabteilung für die Beziehungen der Kirche zur Gesellschaft und den Medien, hat die Verwendung neuer Technologien in der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) begrüßt. Eine gänzliche Verlagerung von Gottesdiensten in den virtuellen Raum lehnt er jedoch ab, wie er in einem Interview mit dem Privatsender RTVI erklärte. Konfrontiert mit der Pandemie habe auch die ROK Mittel zur Videokommunikation benutzt, aber vor allem im organisatorischen Bereich. Der Gottesdienst und insbesondere die Kommunion könnten nicht dauerhaft virtuell stattfinden.

Legojda gab in dem Gespräch zu bedenken, dass die ROK das Internet schon lange nutze, sie betreibe schon lang Websites und Profile in den sozialen Netzwerken. Auf der Video-Plattform TikTok beispielsweise seien Geistliche mit Millionen von Anhängern aktiv, Priester würden Tablets und das Video-Kommunikationsmittel Zoom benutzen. Zudem gebe es in seiner Synodalabteilung einen Rat von Geistlichen, die bloggen. Diese Gruppe tausche sich mit der Synodalabteilung aus, bilde sich weiter und gebe ihr Wissen an Interessierte weiter. Die ROK suche laut Legojda ständig neue Zugänge und Möglichkeiten, sie gehe schon seit jeher mit der Zeit.

Nicht möglich sei es aber, die Kommunion virtuell zu empfangen, insofern könne der Gottesdienst nicht in den digitalen Raum übertragen werden, zumindest nicht vollständig. Die Kommunion erfordere die persönliche Anwesenheit in der Kirche. Ebenso verlange das Beichten einen direkten Kontakt zwischen Geistlichem und Gläubigem. Allerdings seien in diesen Fällen Ausnahmen zulässig, wie Legojda erklärte. So dürften Kranke zuhause von einem Geistlichen die Kommunion empfangen und im Fall, dass ein persönliches Treffen mit einem Geistlichen unmöglich ist, sei das Beichten am Telefon möglich.

Auf die Frage, ob die ROK die Aktivitäten ihrer Geistlichen im digitalen Raum lenke, so wie sie das im Fall des Fernsehens tue, wo die persönliche Meinungsäußerung vertraglich eingeschränkt werde, gab Legojda eine verneinende Antwort. Die Geistlichen würden in ihrer Tätigkeit immer von ihren Gelübden geleitet, ob sie „von der Kanzel predigen, mit einer alten Frau auf einer Bank sprechen oder auf Instagram ihren Anhängern antworten“. Theoretisch wäre es möglich, dass ein Geistlicher für „digitale Übertretungen“ seinen Rang verliere. Allerdings sei dieses Verfahren streng geregelt, ein Verlust der Priesterwürde bedinge moralische Verfehlungen, die sowohl offline wie auch online passieren könnten. Er konnte sich aber an keinen Fall erinnern, in dem jemandem die Priesterwürde für Verfehlungen im digitalen Raum aberkannt worden sei. (NÖK)

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