Russland: Exkommunizierter Schema-Mönch Sergij muss ins Gefängnis

In Moskau ist der exkommunizierte Schema-Mönch Sergij (Romanov) zu 3,5 Jahren Strafkolonie verurteilt worden. Das Ismajlovo-Gericht befand ihn des Aufrufs zu Selbstmord, der Verletzung des Rechts auf Religionsfreiheit und Eigenmächtigkeit schuldig. Es berücksichtigte aber eine Reihe mildernder Umstände, darunter sein fortgeschrittenes Alter, seinen Gesundheitszustand, positive Beurteilung und karitative Aktivitäten. Sergij hat während des Verfahrens keine Schuld eingestanden, seine Verteidigung will in Berufung gehen.

Laut der Anklage hat Romanov mindestens zehn Nonnen öffentlich zum Selbstmord aufgerufen. In einem Video habe er gläubige Christen zum Selbstmord ermutigt, wohlwissend dass seine Aussagen von einem breiten Personenkreis gehört werden und gefährliche Folgen nach sich ziehen könnten. Zudem hatte er eine Inventur der Besitztümer des Sredneuralsker Frauenklosters verhindert. Das von ihm gegründete Kloster hatte Sergij im Juni 2020 mithilfe von Kosaken in einer aufsehenerregenden Aktion besetzt. Danach hatte er Vertretern der Eparchie Jekaterinburg, in deren Zuständigkeitsbereich das Kloster liegt, den Zugang verweigert.

Der frühere Schema-Igumen Sergij ist eine kontroverse Figur, er gilt als einflussreicher, äußerst konservativer spiritueller Vater mit zahlreichen Anhängern und großer Medienpräsenz. Angeblich gehört er zu einer Zarenverehrer-Sekte, er führt Exorzismen durch, äußert sich immer wieder antisemitisch, verehrt Stalin und vertritt Verschwörungstheorien. Unter anderem hält er das Coronavirus für einen Mythos, im Frühling 2020 rief er zum Ungehorsam gegenüber der Kirchenleitung und den Behörden auf und verfluchte diejenigen, die aufgrund der Pandemie Kirchen geschlossen hatten. Ende Oktober 2020 wurde Romanov exkommuniziert, weil er trotz eines Verbots Gottesdienste gefeiert hatte. Dies war ihm verboten, weil ihm bereits in einem früheren Verfahren am 3. Juli 2020 die Priesterwürde aberkannt worden war. Ende Dezember 2020 wurde er schließlich im Sredneuralsker Frauenkloster verhaftet, wobei es zu Zusammenstößen zwischen den Sicherheitskräften und seinen Anhängern kam. (NÖK)

Orthodoxer Fundamentalismus: Führt die Pandemie zu einer Spaltung in der ROK?

tschapnin orthodoxer fundamentalismusDie Besetzung eines Klosters im Ural ist ein Zeichen für ein Aufflammen des Fundamentalismus in der Russischen Orthodoxen Kirche, erklärt Sergej Tschapnin. In seinem Kommentar geht er auf dessen Charakteristiken und den Umgang der Kirche damit ein.


Weiterlesen

Drucken

renovabis