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Russland: Antipolnische Ausstellung in Katyn

23. April 2026

In der Gedenkstätte Katyn in der Nähe von Smolensk, wo im Zweiten Weltkrieg Tausende polnischer Offiziere vom NKVD, dem sowjetischen Innenministerium, erschossen wurden, ist eine Ausstellung mit dem Titel „Zehn Jahrhunderte polnischer Russophobie“ eröffnet worden. Die Ausstellung wurde von der Russischen militärgeschichtlichen Gesellschaft organisiert und ist vom 10. April bis Mitte Mai zu sehen, davor konnte sie im Zentrum Moskaus besucht werden.

Laut den Organisatoren war die Integration Polens in westliche zwischenstaatliche Organisationen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus von einem „rasanten Wachstum des polnischen Nationalismus“ begleitet, wobei die „Wurzeln des heutigen Neonazismus“ in Polen tief in die Geschichte zurückreichten. Die Ausstellung sei dem „Hass der Eliten“ Polens gegen Russland und das russische Volk in verschiedenen Epochen gewidmet, erklärte Michail Mjagkov, der wissenschaftliche Leiter der Gesellschaft. Konkret habe sich dieser Hass in der „Besetzung russischen Territoriums“ und in der „Vernichtung des russischen, weißrussischen und kleinrussischen Volks“ gezeigt. Mehrheitlich sei die Ausstellung den Ereignissen im 20. Jahrhundert und dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. Dabei betonte Mjagkov die Rolle der Roten Armee als Befreierin Polens und die sowjetische Hilfe an das befreite Polen. Besondere Aufmerksamkeit werde auf die „Russophobie im heutigen Polen“ gerichtet. Die polnischen Behörden betrieben eine „aggressive antirussische Politik“, bauten Denkmäler für sowjetische Gefallene des Zweiten Weltkriegs ab und lieferten der ukrainischen Armee Waffen und Kriegsmaterial, führte Mjagkov weiter aus.

In Katyn wurden im Frühling 1940 Tausende polnische Kriegsgefangene von Mitarbeitern des NKVD erschossen. In den 1990er Jahren wurden erste Denkmäler für die Opfer errichtet, und die russische Regierung anerkannte die Verantwortung der sowjetischen Führung für das Verbrechen. 2010 veröffentlichte die Duma eine Erklärung mit der Feststellung, dass „das Verbrechen von Katyn auf direkten Befehl Stalins und anderer sowjetischer Anführer verübt wurde“. Im Sommer 2022 wurden die in der Gedenkstätte von Katyn die polnischen Flaggen entfernt. Im russischen Museum für zeitgenössische Geschichte wurde damals die Zurschaustellung polnischer Symbole als „unangebracht“ bezeichnet, weil Polen eine „offen feindliche Politik“ gegen Russland aufgenommen habe. Im Frühling 2025 wurden auf behördliche Anordnung auch die Reliefs polnischer militärischer Auszeichnungen entfernt.

Unter den Opfern von Katyn waren auch orthodoxe Geistliche, die als Militärkapläne dienten. Sie wurden unlängst von der Polnischen Orthodoxen Kirche als Märtyrer kanonisiert. Für Orthodoxe ist Katyn nicht nur der Ort einer polnischen Tragödie, sondern ein Erinnerungsort für die Opfer des stalinistischen Terrors. (NÖK)