Russland: Patriarch lobt zu Ostern Regierung
An den Osterfeierlichkeiten in der Nacht vom 11. auf den 12. April dankte der russische Patriarch Kirill Präsident Vladimir Putin für den Transfer zweier historischer Ikonen aus der staatlichen Tretjakov-Galerie in die Christ-Erlöser-Kathedrale. Der Präsident habe vieles für das Vaterland getan, das als gute Taten in die Geschichte eingehen werde. Mit der „Rückgabe der Heiligtümer“ werde er jedoch nicht nur in die Geschichte der Kirche und des Landes, sondern auch des russischen Volks eingehen. In seiner Predigt nach dem Abendgottesdienst am Ostersonntag betonte Kirill einmal mehr, dass die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) eine beispiellos günstige Zeit erlebe. Zudem lobte er die Gläubigen und insbesondere die orthodoxe Jugend, die sich der „Verantwortung der Zeit“ und der Verantwortung gegenüber dem Vaterland und der Kirche bewusst seien. Sie würden sich mit dem beschäftigen, was für die Kirche, das Land und die Streitkräfte nötig sei. Dabei rühmte er insbesondere die „jungen Aktivisten“ in den Gemeinden, die Tarnnetze flechten, Uniformen nähen oder Hilfsgüter sammeln würden.
Weit mehr Aufsehen hatte allerdings Patriarch Kirills Predigt am Gründonnerstag erregt. Er sprach mehrere Minuten lang über Weihnachten und die Taufe Christisprach mehrere Minuten lang über Weihnachten und die Taufe Christi, bis sich ihm ein Diakon näherte und dem Patriarchen ein geöffnetes Buch zeigte. Danach korrigierte sich das Kirchenoberhaupt und sprach über den Gründonnerstag. Laut der Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko ist es nicht das erste Mal, dass Kirill Feiertage verwechsele. Es könnte sich um Anzeichen einer Verschlechterung seines psychischen Zustands handeln, der sich auch auf seine administrativen und politischen Entscheidungen auswirken könnte. Der Bibelwissenschaftler Andrej Desnitsky kommentierte, dass die Verwechslung von Feiertagen nur ein ärgerlicher Fehler sei. Die Predigt des Evangeliums durch Propaganda zu ersetzen, sei weitaus schlimmer.
Im Gegensatz zu Kirill betonte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios in seiner Osterpredigt die Friedensbotschaft des Feiertags. Krieg, Hass und Ungerechtigkeit widersprächen den grundlegenden christlichen Prinzipien. Er betonte die Würde jedes einzelnen Menschen und die Verpflichtung zu deren absoluter Respektierung. Zudem rief er zum Gebet für alle Opfer menschlicher Grausamkeit und Gefühllosigkeit auf. Ostern sei die Zurückweisung und Verurteilung von Gewalt und Angst sowie eine Einladung zum Leben in Frieden.
Präsident Putin dankte den Religionsgemeinschaften zu Ostern für die „konstruktive Zusammenarbeit“ mit den Behörden und die „Unterstützung der Teilnehmer der Militärischen Spezialoperation“. Kommentatoren verwiesen auf eine zunehmende Militarisierung des Osterfeiertags. So würden traditionelle Osterkuchen an die Front geschickt, Postkarten von Kindern in Osterei-Form an Soldaten versendet, Ostermärkte von Sonntagsschülern zur Sammlung humanitärerer Güter oder Workshops unter dem Titel „Für Ostern! Für die Unseren!“ (mit dem Kriegssymbol Z geschrieben) organisiert. Statt Friedensbotschaften würde in vielen Regionen Russlands zu Ostern der Krieg gegen die Ukraine unterstützt. Zudem werde Gläubigen ans Herz gelegt, auf teure Ostereinkäufe zu verzichten und stattdessen für die Front zu spenden. (NÖK)
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