Ukraine: Trauer um Oberhaupt von ruthenischer Kirche

Im Dom von Uschgorod in der Karpato-Ukraine ist am 20. Juli der eine Woche zuvor überraschend verstorbene Bischof der griechisch-katholischen Eparchie von Mukatschevo, Milan Šašik, beigesetzt worden. Die Teilnahme an dem Requiem für das Oberhaupt der Ruthenischen Griechisch-Katholischen Kirche war aufgrund der Corona-Epidemie nur eingeschränkt möglich. Am Abend wollte der Vorsitzende der Slowakischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislav Zvolenský, in der Lazaristenkirche von Bratislava einen Totengottesdienst für den aus dem slowakischen Lehota bei Nitra stammenden Šašik feiern. In einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin übermittelten Beileidsschreiben erinnerte Papst Franziskus an die vielfältigen Dienste Bischof Šašiks.

Šašik war am Abend des 14. Juli an den Folgen eines Aneurysmas gestorben. Der Bischof, der dem Lazaristenorden angehörte, stand im 68. Lebensjahr. Mitbrüder aus dem Orden sowie aus der Diözese des Verstorbenen erinnerten laut Medienberichten daran, dass der Bischof in seinen 18 Jahren in der Karpato-Ukraine hunderte Priester und 250 neue Kirchen geweiht hatte. In Konflikten mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche, die nach der Wiederzulassung der von den Kommunisten ihr einverleibten Griechisch-Katholischen Kirche von ihren Kirchen nicht lassen wollten, habe Šašik im ökumenischen Geist vermittelt, „so dass diese Probleme heute nicht mehr bestehen und sich die Situation faktisch stabilisiert hat“, erinnerte der Priester Michail Fetko laut Medienberichten.

Ein besonderes Augenmerk widmete der verstorbene Bischof auch sozialen Anliegen. Er habe Waisenhäuser und Kindergärten gegründet, aber auch „für die Gerechtigkeit und den Naturschutz in den Karpaten“ gekämpft, schilderte Fetko.

Milan Šašik hatte nach seiner Priesterweihe am 6. Juni 1976 als Seelsorger in mehreren Pfarren gewirkt. Wiewohl ursprünglich römisch-katholisch, interessierte er sich früh für den östlichen Ritus und wurde ein biritueller Priester, der auch der byzantinischen Liturgie vorstehen konnte.

Nach der Samtenen Revolution von 1989 studierte Šašik in Rom. Von 1992 bis 1998 wirkte er an der Apostolischen Nuntiatur in Kiew. An den Wochenenden half er in den damals oft priesterlosen Gemeinden in der Ukraine aus, später übernahm er in Peretschyn in der Karpato-Ukraine selber eine Pfarrei.

Am 12. November 2002 ernannte Papst Johannes Paul II. Šašik zum Titularbischof von Boni und Apostolischen Administrator der Eparchie Mukatschevo mit Sitz in Uschgorod. Die Bischofsweihe erhielt er zusammen mit dem heutigen Metropoliten der Griechisch-Katholischen Kirche in der Slowakei, Erzbischof Ján Babjak, aus den Händen des Papstes im Petersdom zu Rom. Am 17. März 2010 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Eparchen von Mukatschevo.

Die heute in der Ukraine gelegene Eparchie geht zurück auf die Union von Mukatschevo des Jahres 1646, die die Wiedervereinigung der ostkirchlichen Christen mit Rom auf dem Gebiet des damaligen Königreichs Ungarn dekretierte. Die offiziell am 17. September 1771 errichtete Eparchie von Mukatschevo wurde zur Mutterdiözese mehrerer griechisch-katholischer Eparchien in Rumänien, Ungarn und der Slowakei, darunter jener im slowakischen Prešov. Im Jahr 1775 wurde der Bischofssitz nach Uschgorod verlegt, was vom Heiligen Stuhl 1817 bestätigt wurde.

Die Ruthenische Griechisch-Katholische Kirche untersteht dem Papst. Etwa die Hälfte ihrer geschätzt 650‘000 Mitglieder leben in der Ukraine. Daneben besteht die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche. Die Ruthenen sind in mehreren Ländern als ethnische Minderheit anerkannt. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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