Ukraine: Religionsgemeinschaften wollen sich gegen häusliche Gewalt engagieren

Die Kirchen und Religionsgemeinschaften der Ukraine wollen sich gemeinsam gegen häusliche Gewalt engagieren. Sie unterstützen ein entsprechendes Projekt des ukrainischen Instituts für Religionsfreiheit. Dieses soll den Religionsgemeinschaften helfen, effektiver und professioneller mit der Gesellschaft zu kommunizieren. Dazu soll eine Website lanciert werden, die Unterrichtsmaterial und Empfehlungen eines Psychologen sowie gute Praktiken der verschiedenen Glaubensgemeinschaften zur Vermeidung von häuslicher Gewalt zur Verfügung stellt, aber auch Opfern praktische Unterstützung bietet.

Nachdem am 15. Juli eine Sitzung zur Lancierung des Projekts stattgefunden hatte, traf sich die Arbeitsgruppe, bestehend aus Fachleuten aus der Sozialarbeit und den Medien, am 21. Juli zum ersten Mal. Dabei bestimmte die interkonfessionelle Gruppe Ziele und erste Schritte der Kommunikationsstrategie sowie das Zielpublikum. Aleksandr Sajez, Leitungsmitglied des Instituts für Religionsfreiheit, erklärte, die Kirchen täten bereits viel, aber es mangle an der Kommunikation mit der Gesellschaft, und zwar innerhalb wie außerhalb der Religionsgemeinschaften. Sajez wies zudem auf das Ausmaß des Problems hin: Laut Angaben der Polizei seien 2018 110‘000 Fälle von häuslicher Gewalt registriert worden. 2019 seien es 141‘000 gewesen, dabei müsse von einer hohen – bis zu zehn Mal höheren – Dunkelziffer ausgegangen werden.

Erzbischof Evstratij (Zorja), stellv. Leiter des Außenamts der Orthodoxen Kirche der Ukraine, erklärte, die ukrainischen Kirchen und der Allukrainische Rat der Kirchen und Religionsorganisationen engagierten sich schon seit vielen Jahren in den öffentlichen Debatten zum Thema. Mit internationalen Konventionen sei man aber unzufrieden, weil sie die „primären Ursachen wie Alkoholismus“ nicht berücksichtigten. Deshalb sehe man in diesem Projekt die Möglichkeit eines umfassenderen Zugangs. 2017 hatte sich der Allukrainische Rat der Kirchen und Religionsorganisationen gegen die Ratifizierung der sog. Istanbul-Konvention, einem Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, ausgesprochen. In erster Linie störten sich die Religionsgemeinschaften an Begriffen wie „Gender“, „Genderidentität“ oder „sexuelle Orientierung“. (NÖK)

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