Ukraine: Religionsgemeinschaften und Bildungsministerium wollen Familienwerte schützen

Der Allukrainische Rat der Kirchen und religiösen Organisationen hat am 25. August ein Kooperationsabkommen mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Ukraine unterzeichnet, um „traditionelle Familienwerte“ im Bildungswesen zu schützen. Dazu soll das Bildungsministerium keine Lehrpläne oder Unterrichtsmaterialen zulassen, die die Familie sowie Mutter- oder Vaterschaft nicht würdigen. Vorgesehen sind auch Kurse zur ethischen Erziehung sowie eine Zusammenarbeit bei der Lizenzierung von geistlichen höheren Bildungseinrichtungen.

Großerzbischof Svjatoslav (Schevtschuk), Oberhaupt der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK) und Vorsitzender des Rats, bezeichnete die Unterzeichnung des Dokuments als „historisch“. Ein Memorandum zwischen dem Rat und dem Bildungsministerium bestehe schon seit vielen Jahren, aber hierbei handle es sich um ein Kooperationsabkommen, das „tiefer“ gehe und „verpflichtender“ sei. Im Dokument seien „bestimmte Prinzipien, und am wichtigsten, Werte“ festgehalten, die zu „verwirklichen sich beide Seiten verpflichten“. Die „moralische, die Werte betreffende Komponente in der Erziehung künftiger Generationen ist ein Schlüsselelement“ der Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat, erklärte der Großerzbischof weiter. Dabei gehe es insbesondere um die Verteidigung der Familienwerte, die von der modernen Welt vor große Herausforderungen gestellt würden. Für die Glaubensgemeinschaften stehe im Vordergrund, dass im staatlichen Bildungswesen eine moralische Komponente – die „Achtung der menschlichen Würde und der Familie“ – enthalten sei.

Trotz dieses Schrittes rief Großerzbischof Svjatoslav Eltern auf, sich für christliche Ethik als Schulfach einzusetzen. Bei einem Treffen mit Leitern von katholischen Schulen am 30. August wies er darauf hin, dass „Eltern das Recht haben, vom Staat zu verlangen, dass ihre Kinder sogar im staatlichen Bildungssystem entsprechend bestimmter Werte erzogen werden“. Sie sollten Appelle zu christlicher Ethik an Schulen, vor allem katholische, schreiben. Die bisherigen Leitungen des Bildungsministeriums hätten keinen Bedarf für ein eigenes Schulfach gesehen, sondern für eine „weltanschauliche Komponente, basierend auf bestimmten Werten in allen Fächern“ plädiert. Die Religionsgemeinschaften hingegen halten laut Schevtschuk ein eigenes Fach zur Bildung dieser Werte für notwendig.

Für traditionelle Familienwerte demonstrierten auch orthodoxe Gläubige in Odessa am 28. August. Rund 3000 Personen marschierten von der Verklärungskathedrale durch das Stadtzentrum zum zentralen Primorskyj Boulevard, wo ein Konzert- sowie ein Vergnügungsprogramm für Kinder geboten wurden. Gleichentags fand auch der jährliche LGBT-Pride-Marsch in Odessa statt. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Anhängern einer rechtextremen Gruppierung, die den Umzug stören wollte. Die Mitglieder der ultranationalistischen Gruppe „Tradition und Ordnung“ attackierten die Sicherheitskräfte mit Tränengas, als diese sie von teilnehmenden LGBT-Aktivistinnen und -Aktivisten trennten. 29 Polizeibeamte wurden verletzt, 51 Mitglieder von Tradition und Ordnung wurden verhaftet, darunter der Leiter der lokalen Abteilung der Organisation. Schon die letztjährige Pride war von der Gruppierung angegriffen worden, wobei die Polizei aufgrund mangelnder Koordination mit den Organisatoren Schwierigkeiten hatte, den Umzug zu schützen. Dieses Jahr waren über 1000 Polizisten im Einsatz, um mehrere Hundert Teilnehmer*innen zu schützen. (NÖK)

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