Ukraine: Umfrage zur Religiosität: Gestiegene Religiosität, aber weniger Orthodoxe
In seiner neuesten Umfrage zur Religiosität in der Ukraine kommt das Razumkov-Zentrum in Kyjiw zu dem Ergebnis, dass sich ein Großteil der ukrainischen Bevölkerung weiterhin als gläubig betrachtet. Dabei spielt auch das Kriegsgeschehen eine Rolle: Der Anteil der Personen, die sich selbst als gläubig bezeichnen, stieg sowohl 2014 nach der Annexion der Krim und dem Beginn der Kämpfe in der Ostukraine – von 67 auf 76 Prozent der Befragten –, als auch 2022 nach der russischen Großinvasion auf 74 Prozent. Zwischenzeitlich sank der Prozentsatz immer wieder. 2025 bezeichneten sich 70 Prozent der Befragten als gläubig. Die Umfrage fand im November 2025 in den ukrainischen Gebieten statt, die unter ukrainischer Kontrolle standen und nicht von Kämpfen betroffen waren.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass regional gesehen der Westen des Landes weiterhin der religiöseste Teil des Landes ist. Der Zusammenhang zwischen Eigenschaften wie Alter, Geschlecht und Wohnort mit Religiosität blieb ebenfalls bestehen. So sind Frauen und ältere Menschen tendenziell gläubiger, ebenso Personen, die in ländlichen Gebieten leben. Im Vergleich zum Jahr 2000 sind viel mehr Befragte zuhause in einem „religiösen Geist“ erzogen worden, ihr Anteil ist von 31 auf 44 Prozent gestiegen. Das trifft vor allem auf den Westen der Ukraine und Angehörige der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK) zu.
Zugleich sank der Anteil derer, die sich als orthodox bezeichnen, von 70 Prozent im Jahr 2014 auf 58 Prozent im Jahr 2025. In der gleichen Zeit stieg der Anteil Griechisch-Katholischer von 8 auf 12 Prozent. 2025 identifizierten sich zudem 10 Prozent als „einfach Christen“, 3 Prozent als Protestanten, 1 Prozent als römisch-katholisch, 0,4 Prozent als zu einer anderen Religion zugehörig und 15,5 Prozent als zu keiner Religionsgemeinschaft zugehörig.
Als wichtige Aufgaben der Kirchen und Religionsgemeinschaften sahen die Befragten das gemeinsame Gebet, geistliche Unterstützung von Menschen in einer spirituellen Krise, Hilfe für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen und die moralische Besserung der Gesellschaft an. Soziales Engagement hielten 30 Prozent der Befragten für eine Hauptaufgabe der Kirchen, weitere 34 Prozent hielten es für wichtig, aber nicht erstrangig. Die Umfrage ergab zudem, dass 52 Prozent der Befragten finden, dass die Kirche national ausgerichtet sein sollte. 58, 7 Prozent fanden es zulässig, die Aktivitäten einer Religionsgemeinschaft zu verbieten, von dieser Gruppe sprachen sich 82,6 Prozent für ein Verbot der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) aus. 47,2 Prozent der Befragten sehen in der Kirche eine moralische Autorität, für 37,9 Prozent ist sie das jedoch nicht. Eine Mehrheit der Befragten denkt, dass das „russische Volk für den Krieg gegen die Ukraine verantwortlich ist“. Bei den Griechisch-Katholischen sind es 97 Prozent, bei den Gläubigen der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) 90 Prozent, bei den Protestanten 83 Prozent und bei den Anhängern der UOK 55,5 Prozent. (NÖK)