Polen: Bischof Janiak bestreitet Vertuschungsvorwürfe

Bischof Edward Janiak von Kalisz bestreitet die Vorwürfe einer möglichen Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch einen Priester. Janiak, gegen den seit Ende Mai eine Voruntersuchung läuft, griff in einem Brief an alle Bischöfe vielmehr Primas Erzbischof Wojciech Polak, den Delegierten der Polnischen Bischofskonferenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, an und warf ihm vor, mit den „Feinden der Kirche“ gemeinsame Sache zu machen. Die Vorwürfe gegen Janiak wurden in einem Mitte Mai auf der Videoplattform YouTube veröffentlichten Film „Das Versteckspiel“ erhoben.

In seinem Brief vom 13. Juni weist Janiak darauf hin, dass Polak die Brüder Sekielski, die Regisseure des Films, am Tag vor der Ausstrahlung besucht und seine Verlautbarung vorbereitet habe. Er müsse „nicht darüber informieren, dass [die Sekielskis] Feinde der Kirche sind und mit welch niedrigen Motiven sie handeln, denn es ist kein Geheimnis, dass sie für diesen Film Geld bekommen haben.“ Polak habe ihn über sein Vorgehen informiert und sich auch nicht davon abbringen lassen, als er ihm zuerst die ganze Dokumentation über den suspendierten Priester zeigen wollte, die er dem Papst bereits habe zukommen lassen. Trotzdem sei er suspendiert worden. Zudem erinnerte Janiak die Bischöfe an die Sitzung der Bischofsversammlung vom 8. bis 9. Oktober 2019 und behauptete, dass für die Gründung der St. Joseph-Stiftung für Missbrauchsopfer keine Mehrheit zustande gekommen sei. Weil der Primas aber damit bereits an die Öffentlichkeit getreten sei, habe der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Stanisław Gądecki von Poznań, eine Annahme durchgesetzt, um Polak nicht zu kompromittieren. Janiak ist auch überzeugt, dass bereits die Wahl Polaks zum Primas keine Mehrheit gefunden habe. Des weiteren kritisiert er eine Plakataktion der St. Josef-Stiftung, die in den Kirchgemeinden schlecht angekommen sei. Dabei handelt es sich um Plakate mit der Aufschrift „Verwundete der Kirche“ und der Nummer der Telefon-Hotline für Opfer von sexuellem Missbrauch.

Bereits am 5. Juni hatte Bischof Janiak einen Brief an alle Gläubigen der Diözese Kalisz mit der Bitte gerichtet, für ihn in der Zeit der medialen Hetze zu beten. Allerdings war der Brief nicht in allen Gemeinden verlesen worden.

Primas Wojciech Polak antwortete am 16. Juni auf Janiaks Brief an die Bischöfe und bekräftigte, er habe gemäß der Motu proprio „Vos estis lux mundi“ von Papst Franziskus gehandelt: „Nach den Informationen im Film ‚Versteckspiel’ konnte ich angesichts der dargestellten Fakten nicht schweigen oder untätig bleiben. Das Einreichen einer Anzeige urteile noch nicht über die Schuld und gebe Bischof Janiak eine echte Chance, die Argumente zu seiner Verteidigung vorzubringen. Die Beurteilung des Falles fällt in die ausschließliche Zuständigkeit des Heiligen Stuhls.“

Der katholische Publizist Tomasz Terlikowski kritisierte Janiaks Brief in einem Facebook-Beitrag als kompromittierend sowohl für Bischof Janiak als auch für die polnischen Bischöfe insgesamt. Er zeige, dass die „Opferhilfe“ derjenigen Bischöfe, die die St. Josef-Stiftung ablehnten, vor allem darin bestehe, einen Medienrummel zu vermeiden, ohne den Opfern wirklich zu helfen. In Janiaks Brief sei lediglich einmal von den Opfern die Rede, aber mehrmals von „seiner Person“. Der Brief zeige den „korporativen (wenn nicht mafiösen)“ Charakter des Denkens Janiaks, der sich nicht als Hirte, sondern als Mitglied einer Kaste präsentiere, der ein anderes Mitglied attackiert, das ihm „einen Schlag versetzt“ hat. „Dieser Brief hat für die Frage der Säkularisierung und des Kirchenaustritts der Menschen mehr getan als der Film ‚Klerus’. Wisst ihr warum? Weil er zeigt, dass die Realität – an gewissen Orten – noch schlimmer ist als ein Drehbuch.“

Regula Zwahlen

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