Tschechien: 100 Jahre Prager Republik: Kardinal erinnert an Wenzelsfeiern

Kardinal Dominik Duka hat mit einem Hirtenbrief zum 100. Jahrestag der Ausrufung der Tschechoslowakischen Republik Stellung genommen. Die Ausrufung der Republik am 28. Oktober 1918 sei zu Füßen des St.-Wenzels-Denkmals auf dem Prager Wenzelsplatz erfolgt und der Vatikan habe zu den ersten Staaten gehört, die den neuen Staat anerkannt haben, erinnerte Duka. Der mit dem Festtag, dem 28. Oktober, datierte und nur auf Dukas persönlicher Homepage veröffentlichte Hirtenbrief ist von ihm nur in seiner Eigenschaft als Erzbischof von Prag und Primas von Böhmen unterzeichnet, nicht aber als Vorsitzender der Tschechischen Bischofskonferenz, die erst am 23. und 24. Oktober ihre 115. Vollversammlung abgehalten hat.

Eingangs tritt Duka Vorwürfen entgegen, die Kirche gedenke des Jubiläums der Republik nicht in ausreichendem Ausmaß. Man habe "gemeinsam mit einer Reihe von Institutionen und Kommissionen einander nicht nur über die beabsichtigten Aktionen informiert, sondern sie auch untereinander aufgeteilt". Dabei sei für die katholische Kirche "vor allem in Betracht gekommen, an die Wurzeln der tschechischen Staatlichkeit in Verbindung mit der Verehrung des heiligen Wenzel in voller Breite unserer Frühgeschichte hinzuweisen und auf deren Fortwirken bis zur Gründung der Tschechoslowakischen oder Tschechischen Republik". Dieser Vorgabe sei man insbesondere mit den Feiern zum Wenzelstag (28. September) nachgekommen.

Der Primas-Kardinal erinnerte an die Anwesenheit nicht nur kirchlicher Verbände, sondern auch des Militärs und der Sokolbewegung beim Festgottesdienst in Stara Boleslav am 28. September. Es seien die Mitglieder dieser christlich orientierten  Bewegung gewesen, die im Ersten Weltkrieg für die Errichtung und im Zweiten Weltkrieg für die Wiedererrichtung der souveränen Republik gekämpft hätten. Damit  sei bei den Feiern die Kontinuität des Wenzelskults sichtbar gemacht worden.

Duka erwähnte aber auch die Probleme bei der Staatsgründung vor 100 Jahren. Die Festesstimmung sei durch die noch nicht konsolidierte Grenzziehung getrübt gewesen. Die von Kaiser Karl im letzten Moment proklamierte Föderalisierung "habe aber die Schicksale unserer Völker nicht lösen können. Karls ernsthafte Bemühungen um einen Friedensschluss seien aber "nicht zu bestreiten". Er wolle "vor allem Karls Verzicht auf den böhmischen Thron betonen, sodass jene, die der Dynastie ihre Treue geschworen hatten, ohne Hemmung frei entscheiden konnten", so der Kardinal.

Ausführlich zitierte der Primas aus dem letzten Hirtenbrief seines Vorgängers Erzbischof Paul Huyn (1868-1946) und aus dem ersten von dessen Generalvikar Moric Picha (1869-1956) aus den Umbruchstagen des Jahres 1918. Zwei Tage vor der Ausrufung der Republik, am 26. Oktober, habe der Prager Erzbischof den Krieg als "gerechten Verteidigungskrieg" bezeichnet, den gerade die Katholiken "mit allen Kräften führen müssen, damit sie aus ihm siegreich hervorgehen"; der "letzte Grund des Hasses der Feinde" sei es nämlich gewesen, "dass wir das Glück hatten, einen katholischen Herrscher und eine katholische Herrscherin zu haben". Huyn sei dann von einer Visitation nicht mehr nach Prag zurückgekehrt und habe offiziell am 19. September 1919 resigniert.

Am 8. Dezember 1918 habe Generalvikar Picha neue Töne angeschlagen, so Duka. Man erblicke "in den Geschicken der Völker und insbesondere unseres Volkes die Hand der göttlichen Vorsehung"; man wolle und werde "aus ganzem Herzen unser Land in seiner neuen Gestalt lieben, in Eintracht und Gerechtigkeit mit allen Bürgern unseres Staates leben und mit gebührender Achtung und Opferbereitschaft zur berufenen Regierung stehen", zitierte Kardinal Duka. Er schloss seinen Hirtenbrief "mit einem Dank für 100 Jahre redlicher Arbeit, der Tapferkeit und des Mutes, aber auch mit der Bitte um Verzeihung, wenn wir versagt haben".

An Kaiser Karl erinnerte auch der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg, der bei einer Festsitzung des Parlaments als Ehrenvorsitzender der Partei TOP 09 zu Wort kam. 1918 sei "ein sehr zivilisierter Umsturz" gewesen und man müsse "dem Kaiser Karl seligen Angedenkens dankbar sein, dass er Gewaltanwendung verboten hat".

In einem Fernsehinterview im Nachrichtendienst CT24 äußerte sich auch Karl Habsburg, das derzeitige Oberhaupt des Hauses Habsburg, zur historischen Rolle seines Großvaters. Der Kaiser habe "außer seinem tiefen Glauben auch geglaubt, dass man, so schlecht die Situation auch ist, sich bemühen muss, aus ihr das Beste zu machen". Davon ausgehend müsse man "auch die verschiedenen Friedensbemühungen betrachten, die von ihm ausgingen". Karl sei in einer Situation an die Macht gekommen, als - nach dem Tod Kaiser Franz Josefs - der Krieg im Wesentlichen nicht mehr zu retten war". (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)