Slowakei: Kirche setzt weitere Schritte gegen Missbrauch
Weihbischof Marek Forgáč hat im Zuge der Vollversammlung der Slowakischen Bischofskonferenz über Maßnahmen gegen den Missbrauch Minderjähriger im kirchlichen Umfeld und den Stand der Aufarbeitung berichtet. In allen Diözesen seien mittlerweile Anlaufstellen eingerichtet und verantwortliche Kontaktpersonen für die Meldung von Missbrauchsfällen beauftragt worden, teilte der Vorsitzende der von den Bischöfen eingerichteten Kommission für den Schutz Minderjähriger mit. Bereits durchgeführt worden seien auch Präventionsschulungen für Priester mit Vorträgen zur Missbrauchsproblematik, rechtlichen Aspekten des Umgangs mit Delikten und Erfahrungsberichten von Opfern. In Diözesen und Ordensgemeinschaften werden künftig auch Absolventen eines Safeguarding-Lehrgangs zum Einsatz kommen.
Die Kirche in der Slowakei wird künftig zudem mit der von der Päpstlichen Kinderschutzkommission entwickelten Memorare Initiative (MI) kooperieren. Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Erzbischof Bernard Bober sowie Miroslav Kulich und Viera Čerňanová als Vorsitzender der Konferenz der höheren Ordensoberen bzw. der Konferenz der Säkularinstitute unterzeichneten dazu während der Vollversammlung in Badín (10./11. März) ein „Memorandum über die Verständigung im Bereich des Schutzes der Minderjährigen“, wie die Bischofskonferenz mitteilte.
Im Rahmen der „Memorare Initiative“ werden Ortskirchen bei der Umsetzung der Anforderungen zum Schutz von Minderjährigen und gefährdeten Erwachsenen und der angemessenen Unterstützung von Missbrauchsbetroffenen unterstützt. Dazu gibt es auch einen Förderfonds. In der Slowakei soll die Auswahl der Projekte auf drei Pfeilern geschehen: Unterstützung der Ämter bei der Anzeige von Missbrauchsfällen in der Kirche, Hilfe bei der Implementierung vorbeugender Maßnahmen und Unterstützung für die Vernetzung von Fachleuten und Quellen für den Opferschutz. Die Slowakische Bischofskonferenz beteiligt sich den Angaben zufolge mit 20 Prozent an den Kosten der Projekte.
Die slowakische Kirche veröffentlichte zudem eine aktualisierte Statistik zu gemeldeten Missbrauchsfällen. Sie werden von den Bischöfen jeweils zu Beginn des Kalenderjahres der Kinderschutz-Kommission der Bischofskonferenz berichtet. Demnach wurden in der Slowakei im Jahr 2024 elf Missbrauchsfälle durch Priester, Ordensleute und in kirchlichen Instituten beschäftigte Laien neu gemeldet. Acht Fälle seien der römisch-katholischen und je einer der griechisch-katholischen Kirche sowie den Ordensgemeinschaften zugerechnet, ein weiterer als unbegründet abgewiesen worden. Genauere Angaben etwa zu den Betroffenen oder dem Zeitraum der angezeigten Taten gingen aus der Bischofskonferenz-Mitteilung nicht hervor.
Insgesamt sind den aktuellen Angaben zufolge in der katholischen Kirche in der Slowakei seit 1990 Vorwürfe zu 79 Missbrauchsfällen gemeldet worden. Bei 49 wurde die Aufarbeitung abgeschlossen. 43 Fälle wurden bestätigt, sechs nicht. 23 Fälle sind noch offen, sieben werden als unlösbar beurteilt. Experten weltweit gehen bei Studien zu Missbrauchsfällen in allen gesellschaftlichen Bereichen von einer hohen Dunkelziffer aus. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)