Tschechien: Erzbischof Přibyl skizziert Vision für die tschechische Kirche
Der ernannte Erzbischof von Prag, Stanislav Přibyl, hat bereits vor seinem Amtsantritt eine programmatische Richtung für die künftige Entwicklung der katholischen Kirche in Tschechien formuliert. Přibyl, derzeit Bischof von Litoměřice und designierter Nachfolger von Jan Graubner in der Prager Erzdiözese, sprach in einem Postoj-Interview (22. März) von einer stärker „familienorientierten“ Ausrichtung kirchlicher Gemeinschaften. Dabei betonte er die Rolle des Ständigen Diakonats, insbesondere von verheirateten Diakonen und deren Ehefrauen als eine tragende Struktur für das kirchliche Leben vor Ort. Gemäß Přibyls Vorstellung könnten diese Paare „quasi diakonisch“ die kleineren Gemeinden oder pastoralen Netzwerke tragen und lebendiger machen.
Die Idee, das Modell der Kirche stärker als familiäre Gemeinschaft zu denken, steht in einem Spannungsfeld: In Tschechien spielt die katholische Kirche historisch eine andere Rolle als in dem stärker religiös geprägten Nachbarland Slowakei. Viele Tschechen leben in einer weitgehend säkularen Gesellschaft, in der klassische Strukturen von kirchlichem Engagement – etwa regelmäßige Gottesdienste oder Gemeindearbeit – rückläufig sind. Dies hat dazu geführt, dass die kirchliche Präsenz häufig als institutionell wahrgenommen wird, weniger als wirklich lebendige, familiäre Gemeinschaft. Beobachter sehen daher in Přibyls Ansatz einen Versuch, die Kirche in Tschechien neu zu profilieren – weg von reiner Bürokratie, hin zu etwas, das eher an die „Hauskirchen“ der frühen Christen erinnert.
Die Diskussion um den Ständigen Diakonat hat in der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) immer wieder an Bedeutung gewonnen. Ständige Diakone leisten ihren Dienst in der Liturgie, der Pastoral und der Gemeinschaftsbildung. Seit dem Konzil ist das Diakonenamt nicht mehr vorwiegend eine Station auf dem Weg zum Priesteramt, sondern steht auch verheirateten und unverheirateten Männern offen, die „ständig“ Diakone bleiben wollen.
In der katholischen Lehre ist diese Form des Dienstes fest verankert, doch die Einbeziehung der Ehefrauen in eine offizielle Rolle darüber hinaus ist keine kanonische Praxis, sondern vor allem ein pastorales Konzept, das Erzbischof Přibyl betont, um Laien und Familien stärker einzubinden.
Kritiker in Tschechien werfen ein, dass allein pastorale Ideen nicht ausreichen, um den Glauben in der säkularen Gesellschaft wieder zu revitalisieren. Für viele Gläubige und Beobachter ist entscheidend, wie solche Visionen im Alltag konkret umgesetzt werden – beispielsweise in gemeindlichen Projekten, in der Beziehung zwischen Laien und Klerus oder in der kirchlichen Bildungsarbeit. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)