Türkei: Bartholomaios: Weltweites Gebet für Überwindung der Pandemie

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios ruft in seinem Fastenhirtenbrief zum weltweiten Gebet für die Überwindung der Covid-Pandemie und die rasche Behebung ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen auf. Zudem bittet er die Gläubigen, für die Wiedereröffnung der Theologischen Hochschule von Chalki zu beten, „die seit 50 Jahren durch behördliche Anordnung zu Unrecht verstummt ist“, wie der Patriarch im Blick auf die türkische Religionspolitik schreibt.

Die auf der Prinzeninsel Chalki (türkisch: Heybeliada) im Marmarameer liegende wichtigste Stätte akademischer theologischer Bildung des Ökumenischen Patriarchats wurde 1971 auf Befehl Ankaras geschlossen. Das Priesterseminar und die Hochschule von Chalki zählten lange Zeit zu den bedeutendsten theologischen Bildungsanstalten der Weltorthodoxie und standen stets für eine ökumenisch interessierte Theologie.

Patriarch Barthiolomaios führt in seinem Hirtenbrief zudem in den tieferen und richtigen Sinn des Fastens ein. In der Orthodoxen Kirche begann am 15. März die diesjährige „Große Fastenzeit“ zur Vorbereitung auf das Osterfest (in der Ostkirche am 2. Mai). Das Schreiben des Patriarchen wurde am 14. März in allen Kirchen des Ökumenischen Patriarchats weltweit bei den Sonntagsgottesdiensten verlesen.

Bartholomaios stellt die rhetorische Frage, weshalb die Kirche, während noch die Pandemie wütet, zu den schon vorhandenen medizinisch bedingten Beschränkungen ihrerseits mit der 40-tägigen Fastenzeit noch eine weitere „Quarantäne“ verhängt. Die Kirche freilich habe nicht im Sinn, die Gläubigen durch zusätzliche Vorschriften und Verbote noch mehr einzuschränken. Im Gegenteil gehe es vielmehr darum, „die wegen der Pandemie verhängte Quarantäne durch die Große Fastenzeit mit Sinn zu füllen, weil sie eine Befreiung aus den innerweltlichen Angelegenheiten ist“.

Fasten bedeute nicht bloße Enthaltung von bestimmten Speisen, sondern mehr noch von „allen Gewohnheiten, die uns an die Welt fesseln“. Diese Enthaltung sei aber kein Ausdruck von Verachtung der Welt, „sondern die notwendige Voraussetzung der Wiederherstellung unserer Beziehung zu ihr und der Erfahrung der einzigartigen Freude, sie als Raum des Zeugnisses für Christus wiederzuentdecken“. Deshalb habe die Große Fastenzeit auch schon österlichen Charakter. Sie sei nicht bedrückend, sondern letztlich von einer „Atmosphäre der Freude“ bestimmt.

Der menschliche Glaube sei die Antwort auf das „menschenliebende Herabsteigen Gottes zu uns“. Aus dieser Gnade Gottes heraus nähre sich die Liebe und Solidarität mit dem Nächsten und die Sorge um die Schöpfung. Bartholomaios: „Wenn diese Bruderliebe und der gottgeziemende Dienst an der Schöpfung wegfallen, wird der Mitmensch zu ‚meiner Hölle‘ und fällt die Schöpfung jenen irrationalen Kräften zum Opfer, die sie zu einem Gegenstand der Ausbeutung und zu einer menschenfeindlichen Umgebung machen.“

Patriarch Bartholomaios ruft in seinem Schreiben zudem zur Versöhnung und zu einer Haltung auf, der jeglicher Reinheitswahn fremd ist. Ausdrücklich verwehrt sich der Patriarch gegen Formen einer „geschlossenen Spiritualität“, die die Ablehnung und Abwertung des „Anderen“ und der Welt mit sich bringt. Solche Extreme würden besonders in Krisenzeiten auftreten, „wenn die Kirche ihre Gläubigen zur geistlichen Ertüchtigung und Wachsamkeit ermahnt“. Das wahre geistliche Leben sei aber ein Weg innerer Wiedergeburt, eine liebevolle Hinwendung zum Nächsten und die Bereitschaft zur Versöhnung. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

Drucken

renovabis