Serbien: Wieder Kirchengemeinschaft zwischen Belgrad und Skopje

Die Serbische Orthodoxe Kirche (SOK) hat an ihrer Bischofsversammlung am 16. Mai entschieden, die nicht anerkannte Makedonische Orthodoxe Kirche (MOK) wieder in die Kirchengemeinschaft aufzunehmen. Dabei hat die MOK den Status einer autonomen Körperschaft innerhalb der SOK akzeptiert, den ihr die SOK schon 1959 zugestanden hatte. Damit verfügt die MOK über „vollständige innere Selbständigkeit“. Die MOK hatte sich 1967 einseitig für autokephal erklärt und war seither von den anderen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt.

Mit der Rückkehr der MOK zur SOK wurde die liturgische und kanonische Gemeinschaft zwischen den Kirchen wiederhergestellt. In ihrer Stellungnahme erklärte die Bischofsversammlung der SOK, der „Dialog über die Zukunft und einen eventuellen endgültigen Status der Eparchien in Nordmakedonien“ sei jetzt „nicht nur möglich, sondern auch zielgerichtet, legitim und real“. In diesem Dialog werde sich die SOK ausschließlich von „ekklesiologisch-kanonischen und kirchlich-seelsorgerischen Grundsätzen“ leiten lassen, ohne sich um „realpolitische, geopolitische, kirchenpolitische“ und ähnliche Gegebenheiten zu kümmern. Die SOK will der „neuen Schwesterkirche“ nach der Lösung ihrer Statusfrage auch keine Vorgaben zu „ihrer Jurisdiktion in der Heimat und in der Diaspora“ machen. Zugleich empfiehlt sie ihr, die Frage ihrer offiziellen Bezeichnung im direkten Dialog mit den griechischsprachigen und übrigen orthodoxen Lokalkirchen zu lösen. Offiziell wiederhergestellt wurde die eucharistische Gemeinschaft am 19. Mai mit einem gemeinsamen Gottesdienst unter der Leitung des serbischen Patriarchen Porfirije und von Erzbischof Stefan (Veljanovski) von Ohrid und Makedonien mit Beteiligung aller Bischöfe der beiden Kirchen.

Kurz zuvor hatte schon das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel die eucharistische Gemeinschaft mit der MOK wiederhergestellt. Das entschied die Hl. Synode an ihrer Sitzung vom 9. Mai. Damit sei sie auf eine entsprechende Anfrage der MOK und wiederholte Bitten staatlicher Vertreter eingegangen, heißt es in der Erklärung. Mit der Aufnahme „der Hierarchen, Geistlichen und Laien unter Erzbischof Stefan“ in die eucharistische Gemeinschaft heile sie die „Wunde des Schismas“. Die Regelung administrativer Fragen überließ das Ökumenische Patriarchat der SOK. Als Namen der MOK anerkannte es „Ohrid“, der Begriff „makedonisch“ und alle Abwandlungen von „Makedonien“ sind ausgeschlossen, die Jurisdiktion sieht es auf das Territorium des Staats Nordmakedonien begrenzt. Am 10. Mai dankte der Hl. Synod der MOK dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios für die Aufnahme und den Namen, der die „jahrhundertelange kirchliche Kontinuität“ gewährleiste.

Das Vorgehen des Ökumenischen Patriarchats hatte in der orthodoxen Welt einige Kritik ausgelöst. Vielfach wurde es mit der einseitigen Verleihung der Autokephalie an die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) gegen den Willen der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) verglichen. So warf in Serbien ein Rechtshistoriker Patriarch Bartholomaios vor, sich wie ein „östlicher Papst“ aufzuführen und gegen die Kanones zu verstoßen. Aus kirchlichen Quellen in Serbien waren Spekulationen zu hören, dass Konstantinopel so die SOK wegen ihrer Unterstützung der ROK in der Ukraine-Frage warnen wolle. Andere mutmaßten, die griechischsprachigen Kirchen wollten den slawischen Kirchen wegen der Gründung des afrikanischen Exarchats der ROK eins auswischen. Andererseits war noch früher, am 6. Mai, bekannt geworden, dass sich Patriarch Porfirije Anfang Mai in Niš mit Vertretern der MOK zu Verhandlungen getroffen hatte. Bischof Fotije (Sladojević) von Zvornik und Tuzla, Mitglied des Hl. Synods der SOK, hatte an einem Gottesdienst von dem „interessanten Dialog der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung“ gesprochen. Man stehe an der Schwelle zu einer Lösung.

Kritik gegenüber Konstantinopel kam auch aus anderen orthodoxen Kirchen. Bischof Viktor (Kotsaba) von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), die dem Moskauer Patriarchat untersteht, warf dem Ökumenischen Patriarchat vor, die Initiative an sich gerissen zu haben, nachdem es von den Gesprächen zwischen der SOK und der MOK erfahren hatte. Das zeige den Opportunismus und Willen, den eigenen Einfluss in der Orthodoxie zu stärken. Metropolit Gavriil (Dinev) von Loveč von der Bulgarischen Orthodoxen Kirche befürchtete, das Vorgehen Konstantinopels werde der Orthodoxie noch mehr Probleme bringen. Erzpriester Igor Jakimtschuk, Sekretär für interorthodoxe Beziehungen der ROK, erklärte, die ROK stehe auf der Seite der SOK und werde deren Position folgen. Erzpriester Nikolaj Balaschov, der stellv. Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, sprach von einer „groben und politisch motivierten Einmischung in die Kompetenzen“ der SOK.

Nach ihrer Trennung von der SOK 1967 galt die MOK in der Weltorthodoxie als schismatisch. Seit einer Beinahe-Einigung 2002 bestanden in Nordmakedonien die unkanonische, aber mitgliederstarke MOK und die Erzdiözese Ohrid, die Teil der SOK ist. 2017 hatte sich die MOK mit der Bitte an die Bulgarische Orthodoxe Kirche (BOK) gewandt, sie bei ihren Bemühungen um die Anerkennung ihrer Autokephalie zu unterstützen. Darauf war die BOK zwar – sehr zum Ärger der SOK und der Griechischen Orthodoxen Kirche – eingegangen, es kam aber zu keinen konkreten Fortschritten. 2018 wandte sich die MOK direkt mit der Bitte an das Ökumenische Patriarchat, ihren kanonischen Status zu klären. Noch im Oktober 2020 wollte Konstantinopel der MOK keine Autokephalie gewähren, nachdem sich auch die nordmakedonische Staatsführung mit entsprechenden Bitten an sie gewandt hatte. Das Ökumenische Patriarchat hatte zwischen den Kirchen vermitteln wollen, die SOK hatte aber angeblich nicht auf entsprechende Kontaktversuche reagiert. Schon 2019 hatte die Bischofsversammlung der SOK entschieden, den Dialog mit der MOK wieder aufzunehmen. (NÖK)

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