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Frankreich: Erzbistum der ROK erwägt eigenmächtige Wahl von Vikarbischöfen

02. Juli 2026

Das Erzbistum der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) in Frankreich, das aus dem Erzbistum der Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa entstanden ist, ist mit seiner Situation unzufrieden. 2023 hatte es dem russischen Patriarchen Kirill drei Kandidaten für Vikarbischöfe vorgelegt, von denen nur einer, Iguman Augustine (Macbeth), bestätigt und im Dezember 2025 als Vikarbischof für Großbritannien und Skandinavien geweiht wurde. Auf die anderen beiden Vorschläge hat der Patriarch laut dem Erzbistum trotz dreimaligen Nachfragens nicht reagiert.

Metropolit Jean (Renneteau) von Dubna, der Leiter des Erzbistums, informierte in einem Brief, von dem eine Seite im Internet kursiert, die Geistlichen und Laien über Pläne, an der bevorstehenden Diözesanversammlung neue Bischöfe zu wählen. Er verwies auf die wachsende Zahl an Gemeinden in Frankreich, Deutschland und Italien und sein eigenes Alter – er ist 83 Jahre alt – sowie seinen Gesundheitszustand, die es ihm nicht erlaubten, eine angemessene bischöfliche Betreuung in mehreren Ländern zu gewährleisten. Das gleiche gelte für Bischof Syméon (Cossec); Bischof Elisée (Germain) diene aufgrund gesundheitlicher Probleme zurzeit fast gar nicht. Damit sei die Situation des Erzbistums „pastoral sehr prekär“. Der Rat des Erzbistums habe am 22. Mai geschlossen, dass drei Jahre ohne Antwort gegen die Bedingungen der „Gramota“ von 2019, das Dokument zur Regelung der Aufnahme des Erzbistums in die ROK, verstießen und die Zentrale damit den Mechanismus zur Ernennung von Bischöfen blockiere. Der Rat will deshalb die Diözesanversammlung darüber abstimmen lassen, ob die Wahl von Bischöfen in einem außerordentlichen Verfahren erfolgen soll. Sollte die Diözesanversammlung diesem zustimmen, würde sie im Anschluss über die Einsetzung von zwei Kandidaten, Archimandrit Victor (Creţu) und Erzpriester Anatoly Negruta, abstimmen.

Als Präzedenzfälle führte Metropolit Jean in seinem Brief Lettland und Estland an. Die Lettische Orthodoxe Kirche habe 2023 ohne Zustimmung des russischen Patriarchen einen Bischof gewählt und sei dennoch mit dem Moskauer Patriarchat kanonisch verbunden geblieben. In Estland habe das Moskauer Patriarchat unlängst die Frage eines Vikarbischofs sehr schnell gelöst.

Am 22. Juni teilte das Erzbistum mit, dass die Versammlung, die für den 26. und 27. Juni geplant gewesen war, verschoben wird. Begründet wurde die Verschiebung mit der anhaltenden Hitze in Frankreich, die Behörden hatten von Reisen und Versammlungen abgeraten. Das neue Datum ist noch nicht bekannt, die Versammlung soll nach dem Sommer stattfinden.

Das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa wurde 2019 in die ROK aufgenommen, nur ein Teil der Gemeinden folgte der Vereinigung nicht. Bis Ende 2018 war das Erzbistum ein Exarchat des Ökumenischen Patriarchats mit Sitz in Paris gewesen, als Konstantinopel überraschend beschloss, das Exarchat aufzulösen. Das Erzbistum befürchtete, bei einer Eingliederung in die lokalen Metropolien des Ökumenischen Patriarchats seine organisatorischen und liturgischen Besonderheiten aufgeben zu müssen. Ein weiterer zentraler Vorwurf an das Ökumenische Patriarchat war zudem, dass es jahrelang die Wahl von Bischöfen blockiert habe, was Metropolit Jean aufgrund seines damals schon fortgeschrittenen Alters kritisiert hatte. Der ROK schloss sich die Mehrheit der Gemeinden des Erzbistums an, weil diese die Wahrung von dessen Eigenständigkeit versprochen hatte. 2020 wurden auch die beiden Bischöfe Syméon und Elisée geweiht. (NÖK)