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Armenien: Umstrittenes Gerichtsverfahren gegen Katholikos wird vertagt

13. August 2026

Ein Gerichtsverfahren gegen den armenischen Katholikos Karekin II. und sechs weitere Bischöfe der Armenischen Apostolischen Kirche ist nach wenigen Minuten abgebrochen worden. Den Geistlichen wird vorgeworfen, die Umsetzung eines Gerichtsentscheids willentlich behindert zu haben, indem sie ihre Macht missbraucht hätten. Ihnen drohen Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Haft. Bei der Eröffnungsverhandlung am 7. August trat der zuständige Richter aus Befangenheit aufgrund eines Interessenkonflikts zurück, weshalb die Verhandlung vertragt werden musste.

Grund für das Verfahren ist die Absetzung von Bischof Gevorg Sarojan, der die Kirchenreformpläne, zu denen die Absetzung des aktuellen Katholikos gehört, von Ministerpräsident Nikol Paschinjan öffentlich unterstützt. Sarojan hatte gegen seine Absetzung vor einem staatlichen Gericht geklagt, und das Gericht hatte seine vorübergehende Wiedereinsetzung angeordnet. Die Kirche verweigerte dies mit der Begründung, die Einsetzung und Absetzung von Geistlichen werde vom kanonischen Recht geregelt und liege nicht im Zuständigkeitsbereich ziviler Gerichte.

Die norwegische Organisation zum Schutz der Religionsfreiheit Forum 18 kritisierte das Verfahren gegen den Katholikos und die sechs anderen Bischöfe. Es verletze die Autonomie der Armenischen Apostolischen Kirche, die von der armenischen Verfassung geschützt sei. Auf Nachfrage von Forum 18 wollten sich weder der zuständige Untersuchungsbeamte noch das Pressebüro der Ermittlungsbehörde zu dem Fall äußern. An einer Parlamentssitzung am 7. August kritisierte auch die Opposition das Verfahren. Sie sprach von einem „schändlichen Tag“ und der Verletzung der Unabhängigkeit der Kirche. Auch der Ökumenische Rat der Kirchen äußerte seine Besorgnis über die „die unzulässige Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten“.

Nach der Verhandlung kritisierte der Katholikos in einer Predigt das staatliche Vorgehen und beklagte eine „Verfolgung der Kirche und ihrer Geistlichen“. Die Anschuldigungen bezeichnete er als „ungerecht und unbegründet“, das Gerichtsverfahren als „unrechtmäßig und gefälscht“.

Am 3. August wählte das armenische Parlament zudem einen neuen Parlamentssprecher, der am Tag zuvor, an der Eröffnung des neuen Parlaments nach den Wahlen vom Juni, nominiert worden war. An dieser Eröffnungssitzung nimmt traditionell auch der Katholikos teil, dieses Mal war er jedoch erstmals nicht anwesend. Medien gegenüber äußerte sich der neugewählte Parlamentssprecher Ruben Rubinjan, der zur Regierungspartei Bürgervertrag gehört, dahingehend, dass er das aktuelle Oberhaupt der Kirche nicht anerkennt. Am gleichen Tag bildete Ministerpräsident Paschinjan auch eine neue Regierung.

Am Tag der Eröffnungssitzung empfing Karekin an seinem Sitz in Etschmiadzin Vertreter der beiden oppositionellen Parlamentsfraktionen. Der Fraktionsvorsitzende der stärksten Oppositionspartei Starkes Armenien, Narek Karapetjan, beklagte, dass die gesetzlich vorgesehene Rede des Katholikos an der Parlamentseröffnung nicht stattgefunden habe. Deshalb sei seine Fraktion zum Katholikos gekommen, um seinen Segen zu erhalten. Karapetjan hat die Fraktionsleitung übernommen, nachdem er bereits anstelle seines Onkels die Wahlkampagne der Partei organisiert hatte. Sein Onkel, der armenisch-russische Milliardär Samvel Karapetjan, durfte aufgrund seiner doppelten Staatsbürgerschaft nicht zur Wahl antreten, außerdem steht er unter Hausarrest. Er war verhaftet worden, kurz nachdem er in den Medien die Kirche gegenüber der Regierung in Schutz genommen hatte. Anna Grigorjan, die Leiterin der Fraktion Allianz Armenien, bezeichnete den Besuch als „spirituelle Pflicht“.

Katholikos Karekin segnete die Parlamentarier und sprach über ernste Herausforderungen, vor denen das Land stehe. Besorgt zeigte er sich insbesondere über die Unstimmigkeiten innerhalb der Nation, über „spaltende und schädliche Handlungen“, die Fragmentierung der Gesellschaft, politische Polarisierung, die „Verzerrung heiliger Werte“ sowie die „illegalen und verfassungswidrigen Aktionen gegen die Kirche“. Dies untergrabe die nationale Einheit. Zudem hob er die Rolle der Kirche in der Geschichte der armenischen Staatlichkeit hervor.

Bereits seit 2025 dauert der Konflikt zwischen der Regierung von Nikol Paschinjan und der Armenischen Apostolischen Kirche an. Inzwischen sind mehrere Bischöfe verhaftet worden, und Paschinjan fordert die Absetzung des Katholikos. Zugleich ruft der Katholikos immer wieder Paschinjan zum Rücktritt auf, weil er mit dessen Vorgehen im Konflikt um Berg-Karabach nicht einverstanden ist. (NÖK)

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