Österreich: Neuer Pro Oriente-Präsident und -Generalsekretär

Der neue Präsident von „Pro Oriente“, Alfons M. Kloss, hat am 1. Oktober 2018 seine ihm von Kardinal Christoph Schönborn anvertraute Funktion offiziell übernommen. Im Gespräch mit dem „Pro Oriente“-Informationsdienst sagte Kloss, er tue das „mit großer Freude“, wissend um die Bedeutung der Institution „Pro Oriente“ für den ökumenischen Dialog zwischen den Kirchen. Diesem Dialog komme in einer von vielen Herausforderungen und Konflikten gekennzeichneten Welt besondere Bedeutung zu. Es sei eine vordringliche Aufgabe der Kirchen, im Sinn des Evangeliums gemeinsam für Rechte und Würde des Menschen in der Gesellschaft zu wirken: „Was wir heute brauchen, ist eine ‚Ökumene der Tat‘, die auch Papst Franziskus ein besonderes Anliegen ist. Es geht um das gemeinsame Zeugnis der Christen in der Welt von heute“. „Pro Oriente“ wolle im Sinn des Gründungsauftrags der Stiftung einen Beitrag dazu leisten. Als ein wesentliches Ziel von „Pro Oriente“ betrachte er die „Versöhnung der Gegensätze“. Der große Theologe Karl Rahner habe die Ökumene als „Herz der Kirche“ und als eine „Frage auf Leben und Tod der Christenheit“ bezeichnet.

Die wissenschaftlich theologische Aufarbeitung des Reichtums der verschiedenen christlichen Traditionen in Ost und West sei die Grundlage der Arbeit von „Pro Oriente“, betonte Kloss. In diesem Zusammenhang bekundete der neue „Pro Oriente“-Präsident seine Dankbarkeit für die Tätigkeit seines Vorgängers Johann Marte, der mit seinem Team die Institution 17 Jahre hindurch „mit Engagement und Einfühlungsvermögen“ geleitet habe. „Ich möchte in seinem Sinn das große Erbe von ‚Pro Oriente‘ weiterführen“, so Kloss. Dazu gehöre wesentlich die menschliche Begegnung mit den Repräsentanten der orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen, die Funktion von „Pro Oriente“ als Plattform des inoffiziellen ökumenischen Dialogs und die Reisetätigkeit, um die Realität der östlichen Kirchen besser kennen zu lernen und das wechselseitige Verständnis zu fördern.

Er habe seit der Bekanntmachung seiner Ernennung zum „Pro Oriente“-Präsidenten in den letzten Monaten noch deutlicher erfahren, welchen „Schatz von Wissen und Erfahrung“ das Netzwerk von „Pro Oriente“ darstelle, betonte Alfons M. Kloss: „‘Pro Oriente‘ kann als ‚think tank‘ in die Öffentlichkeit wirken, wenn es darum geht, Wissen über die komplexen Zusammenhänge der ostkirchlichen Welt zur Verfügung zu stellen“. Er habe sich gefreut über die Feststellung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., dass „Pro Oriente“ eine der „wichtigsten ökumenischen Institutionen“ geworden sei. Schon als österreichischer Vatikan-Botschafter habe er immer wieder feststellen können, wie hoch die Bedeutung von „Pro Oriente“ seitens des Heiligen Stuhls eingeschätzt wird.

Alfons M. Kloss wurde 1953 in Graz geboren, er ist Vater von drei Kindern. Nach dem Jus-Studium in Salzburg und am College d’Europe im belgischen Brügge begann Kloss mit dem Eintritt in das Außenministerium seine diplomatische Karriere. Im Außenministerium arbeitete er zunächst im Völkerrechtsbüro und in der für die „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE, heutige Nachfolgeorganisation ist die OSZE) zuständigen Abteilung. Später war er an den österreichischen Botschaften in New Delhi, Helsinki und Bonn sowie als Generalkonsul in Mailand tätig. Von 1997 bis 2001 war er Kabinettsvizedirektor in der Präsidentschaftskanzlei, von 2001 bis 2007 österreichischer Botschafter in Italien und von 2007 bis 2011 außenpolitischer Berater des Bundespräsidenten. Ab 2011 fungierte er als österreichischer Botschafter beim Heiligen Stuhl, diese Funktion endete am 30. September 2018.

Mit Präsident Kloss hat auch der neue „Pro Oriente“-Generalsekretär Bernd Alexander Mussinghoff seinen Dienst angetreten. Er stammt aus Westfalen und ist mit einer Wienerin, der Theologin Miriam Leidinger-Mussinghoff, verheiratet und Vater einer Tochter. Geboren 1975 in Coesfeld, absolvierte er seine Schulausbildung in seiner engeren Heimat und studierte dann an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster katholische Theologie, Psychologie, Islamwissenschaften und Religionswissenschaften. 2003 erlangte er das Diplom im Fach katholische Theologie (das Thema seiner Diplomarbeit lautete „Die Versöhnungsarbeit des armenischen Patriarchen von Istanbul, Mesrob II. Mutafyan, im Kontext des Ringens um armenisch-türkische Versöhnung“). Im Rahmen seines Theologiestudiums absolvierte er ein theologisches Studienjahr an der Abtei „Dormitio Mariae“ in Jerusalem und 2015-17 in Köln auch eine systemische Coachingausbildung.

Mussinghoff hat zuletzt als Referent im Bereich Weltkirche und Migration im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn gearbeitet. Zuvor war er Leiter des Jerusalemer Büros des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande. Begonnen hatte er seine berufliche Tätigkeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, dann war er als pastoraler Mitarbeiter mit Schwerpunkt Ökumene und Interreligiöse Zusammenarbeit an der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster tätig. In dieser Funktion begründete er u.a. einen studentischen christlich-muslimischen Arbeits-und Gesprächskreis und hatte die Projektleitung für das studentische Begegnungs- und Dialogzentrum „friend-ship“ beim Weltjugendtag in Köln 2005. Von 2006 bis 2008 war er als Referent am Hamburger Institut für Theologie und Frieden mit friedensethischen Fragestellungen beschäftigt. Seinen Zivildienst hatte er an der Bischöflichen Stiftung Haus Hall (für Menschen mit geistigen Behinderungen) geleistet.

Bernd Mussinghoff stimmt ganz mit dem neuen „Pro Oriente“-Präsidenten überein, dass der Gründungsauftrag von Kardinal Franz König an die Stiftung, einen Beitrag zu leisten, damit die Einheit der Christen nach außen sichtbar wird und Kirchen in schwierigen Situationen helfend zur Seite zu stehen, aktueller denn je ist. Von seiner wissenschaftlichen Arbeit her – der Forschung über Versöhnung am Beispiel der armenischen Kirche in der Türkei – wie auch aus den Erfahrungen seiner siebeneinhalbjährigen Tätigkeit in Jerusalem weiß Mussinghoff, dass Versöhnung, die auch das Bemühen um eine möglichst gemeinsame „Reinigung des Gedächtnisses“ umfasst, ein schwieriges Unterfangen ist. Dies vor allem im Nahen Osten und in Osteuropa, wo geschichtliche Prägungen präsenter sind als in anderen Weltteilen. Ein amerikanischer Kollege habe ihn einmal darauf hingewiesen, dass die US-Amerikaner gewohnt seien, in Jahrzehnten zu denken, die Europäer in Jahrhunderten und die Bewohner des Nahen Ostens in Jahrtausenden, so der neue „Pro Oriente“-Generalsekretär.

Gerade aus seinen nahöstlichen Erfahrungen ist dem neuen „Pro Oriente“-Generalsekretär bewusst, wie wichtig Länder wie der Irak oder Syrien nicht nur für die Geschichte, sondern auch für die Gegenwart des Christentums sind. Es sei zu hoffen, dass nach der Überwindung der Gewalt für die Kirchen in diesen Ländern eine Phase der Konsolidierung und des Aufschwungs möglich wird, „auch wenn man da einen langen Atem braucht“.

Insgesamt ist Mussinghoff überzeugt, dass es im inoffiziellen ökumenischen Dialog, für den „Pro Oriente“ steht, darum geht, nicht nur die Fachexperten miteinander ins Gespräch zu bringen, sondern auch „in die Breite zu wirken“. Die wissenschaftliche Arbeit sei zweifellos die Basis für das Wirken von „Pro Oriente“, aber es gehe ebenfalls darum, das Interesse für die Ökumene auch an der Basis zu wecken und zu fördern.

Der historische Augenblick bringe für den ökumenischen Dialog zusätzliche Schwierigkeiten mit sich, umso wichtiger sei es, „dranzubleiben“ und unverdrossen am Programm der kleinen Schritte zur Versöhnung und zur Einheit der Kirche zu arbeiten, so der „Pro Oriente“–Generalsekretär, der seiner Vorgängerin Regina Augustin besonderen Respekt zollt: „Sie hat den notwendigen Generationswechsel zielstrebig in die Wege geleitet, durch sie ist die Stiftung ‚jünger‘ geworden“. (Quelle: www.pro-oriente.at, 1. Oktober 2018)

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