Zum Hauptinhalt springen

Russland: Bau von Kirchen zu Ehren der Kriegsteilnehmer

21. Mai 2026

In Russland werden vermehrt Kirchen und Kapellen zu Ehren der Teilnehmer von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine gebaut. Laut Berechnungen des russischen Online-Mediums 7x7, das sich auf Entwicklungen in den russischen Regionen konzentriert, handelt es sich um mindestens 29 Objekte, von denen 13 schon fertig gebaut sind. Die übrigen sind in verschiedenen Stadien der Umsetzung.

Manche dieser Projekte stoßen auf Widerstand. Am bekanntesten ist der Konflikt in Krasnodar, wo eine 70 Meter hohe Kirche an der Uferpromenade des Stadtteils Jubilejnij gebaut werden soll. Im Inneren sind Ikonen über den „militärischen Ruhm“ und der Gottesmutter, die der „Armee bei Schlachten hilft“, geplant. Anwohnende setzen sich für den Erhalt der Grünfläche ein – sie haben sich an die Stadtplanung gewandt, Unterschriften gesammelt, Einzelproteste durchgeführt und dem russischen Präsidenten Vladimir Putin und anderen nationalen Staatsvertretern sowie dem Gouverneur geschrieben, jedoch ohne Erfolg.

Einen ähnlichen Konflikt gibt es in Puschkin in der Nähe von St. Petersburg. Dort baten Angehörige von Kriegsteilnehmern die lokale Administration, eine Gedenkkirche zu bauen, damit sie dort für die Gefallenen und die an der Front Kämpfenden beten können. Das Projekt wird als „Soldat-Kirche“ bezeichnet. Dagegen hat sich ebenfalls Widerstand von Anwohnern formiert, da die Kirche direkt vor einem Wohnhaus mit einer geplanten Höhe von 30 Metern einigen Wohnungen das Tageslicht nehmen würde.

Die Religionsexpertin Ksenia Eggert vermutet, dass die lokalen Behörden und die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) mit der Widmung von Kirchenbauprojekten für die Kriegsteilnehmer den Widerstand der Bevölkerung zu mindern versuchen. Gegnerinnen und Gegner der Bauprojekte könnten so als illoyal gegenüber der Regierung und als Verräter dargestellt werden. Bei den Protesten in Krasnodar war dies der Fall, die Protestierenden wurden in den sozialen Medien verunglimpft. Dabei engagierten sich lokale Behörden und die ROK laut Eggert finanziell vornehmlich für größere, prominentere Projekte wie dieses, da dies auf nationaler Ebene mehr Aufmerksamkeit generiere.

Proteste gegen den Bau von Kirchen gab es in Russland schon früher, meist ging es dabei um Nutzungskonflikte, bei denen die Bevölkerung Grünflächen und Naherholungszonen bewahren wollte. (NÖK)

The Right Icon in the Right Place. How Putin and Patriarch Kirill are Turning Sacred Art into a War Talisman

Im April wurden zwei der verehrtesten Gottesmutterikonen in Russland aus der staatlichen Tretjakov-Galerie, wo sie professionell konserviert waren, in die Christ-Erlöser-Kathedrale gebracht. Sergei Chapnin erklärt das zugrundeliegende Muster und kritisiert den Umgang mit den historischen Werken. 


Death in War for Empire as a “Path to Christ”

Bei einer Kirche in der Nähe von Moskau wurde ein Denkmal für im Ukraine-Krieg Gefallene enthüllt und vom lokalen Bischof geweiht. Sergei Chapnin kritisiert die Verdrehung des christlichen Verständnisses von Leiden und Tod sowie den Dienst für die Kriegspropaganda. 


Sergej Tschapnin zu den Protesten gegen Kirchenbauten
Im Konflikt um den Bau einer neuen Kirche in Jekaterinburg haben die Behörden und Kirche nachgegeben und wollen eine Umfrage zur Bestimmung des Standorts durchführen. Sergej Tschapnin erklärt, worum es bei diesen Protesten geht und wie die Kirche dabei agiert.