Russland: Patriarch gratuliert russischen Autoritäten der besetzten ukrainischen Gebiete
Der russische Patriarch Kirill hat den Leitern der von Russland besetzten Gebiete in den ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Zaporizhzhja und Cherson zum vierten Jahrestag der Annexion gratuliert. Am 30. September 2022 hatte Russland die Gebiete zu einem Teil seines Staatsgebiets erklärt. In seinen Schreiben gratulierte Kirill „herzlich“ und stellte die Annexion als Ausdruck des Willens der lokalen Bevölkerung dar. Die Menschen hätten nach „Solidarität mit dem russischen Volk und der Bewahrung des historischen Gedächtnisses“ sowie nach „Frieden und Erbauung“ gestrebt. Das Ereignis sei Ausdruck der „Treue zu den spirituellen und kulturellen Ursprüngen und des Wunsches, sich ehrlich um eine würdige Zukunft der Heimat zu bemühen“. Angesichts der schwierigen Lage sei die „Konsolidierung der Macht, Armee und des Volks auf Grundlage der unvergänglichen Ideale der Liebe zur Heimat und der gegenseitigen Hilfe“ besonders wichtig. Zudem lobte der Patriarch die Verwalter der besetzten Gebiete für die Zusammenarbeit mit der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) vor Ort.
Patriarch Kirill gratulierte zudem Ramzan Kadyrov, dem Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, zum 50. Geburtstag. Für dessen Verdienste und im Zusammenhang mit dem „bedeutenden persönlichen Datum“ verlieh er ihm einen Orden. In den vielen Jahren seines Staatsdienstes habe Kadyrov sich als „tatkräftiger, zielstrebiger und verantwortungsvoller Anführer“ erwiesen, der sich unermüdlich um die ihm anvertraute Region und deren Bevölkerung gesorgt habe, sagte der Patriarch. An seinem Geburtstag am 5. Oktober trat Kadyrov zudem eine weitere Amtszeit an, nachdem er in den Wahlen im September offiziell 99.85 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Zwei Tage davor beförderte ihn der russische Präsident Vladimir Putin zum General, das ist der zweithöchste Rang im russischen Militär. Kadyrov hat nie im russischen Militär gedient und bekleidet auch kein militärisches Amt. Er ist für seinen diktatorischen Führungsstil und Vetternwirtschaft berüchtigt, die Menschenrechtslage in Tschetschenien gilt als katastrophal. Offiziell unterstützt Kadyrov Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und behauptet, 70‘000 tschetschenische Soldaten in den Krieg geschickt zu haben. Diese Angaben sind jedoch stark umstritten, Gerüchten zufolge schützen sich seine Truppen vor Verlusten und sind selten direkt an der Front. Dem russischen Präsidenten gratulierte Patriarch Kirill ebenfalls „herzlich“ zu dessen Geburtstag am 7. Oktober und bezeichnete seine Präsidentschaft wieder einmal als „göttliche Vorsehung“.
Die ROK unterstützt den Krieg gegen die Ukraine weiterhin aktiv. So druckt die Orthodoxe St. Tichon Universität auf 3D-Druckern unter anderem Abwurfvorrichtungen für Drohnen, mit denen Munition befestigt und abgeworfen werden kann. Das zeigte der Telegram-Kanal der universitären Abteilung für soziale und missionarische Arbeit, der Priester Filipp Iljaschenko vorsteht. Dieser organisiert auch die anderen Hilfsaktionen für russische Soldaten, wie das Sammeln von Material und Briefen, das Flechten von Tarnnetzen und die Herstellung von Kerzen für die Schützengräben. Die Teilnahme an diesen Aktivitäten ist für Studenten und Dozenten freiwillig.
In der Kathedrale des Hl. Andreas in St. Petersburg fand am 3. Oktober ein sog. sport-patriotisches Festival mit dem Titel „Wir lassen die Unseren nicht im Stich“ statt. Dabei wurde auch eine Gedenktafel für in der Ukraine gefallene russische Soldaten enthüllt. Der Vorsteher der Kathedrale, Artemij Naumov, ist auch Militärgeistlicher. An der Zeremonie nahmen eine Ehrenwache, Militärorchester und Vertreter der städtischen Behörden teil. Nach der Zeremonie wurden im Hof der Kathedrale Munition, Drohnen sowie Militär- und Schutzausrüstung ausgestellt und es gab Wettbewerbe im Zusammenbauen von Maschinengewehren. (NÖK)

Im Juli ist ein neues Buch von Patriarch Kirill zum Thema Krieg erschienen. Das unabhängige russische Online-Medium Meduza hat Ilya Venyavkin gebeten, das Buch zu lesen und Kirills Ideologie zu erläutern.
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