Ukraine: Metropolit Onufrij wird die ukrainische Staatsbürgerschaft entzogen
Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) hat am 2. Juli in den sozialen Medien mitgeteilt, dass dem Oberhaupt der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), Metropolit Onufrij (Berezovskij), die ukrainische Staatsbürgerschaft per Präsidialdekret entzogen worden sei. Der SBU teilte mit, dass er festgestellt habe, dass Onufrij 2002 freiwillig die russische Staatsbürgerschaft angenommen und die ukrainischen Behörden nicht darüber informiert habe. Das neue ukrainische Gesetz zur Mehrstaatsbürgerschaft sehe den Besitz eines russischen Passes als Grund für den Entzug der ukrainischen Staatsbürgerschaft an. Der SBU erklärte zudem, dass Metropolit Onufrii weiterhin Verbindungen zur Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) unterhalte und sich den Bemühungen der Ukraine um die kirchliche Unabhängigkeit von Moskau und dessen Oberhaupt Patriarch Kirill widersetze: „Trotz der Großinvasion unterstützt Berezovskij (Onufrij) weiterhin die Politik der ROK und ihrer Führung, insbesondere Patriarch Kirill (Gundjajev).“
Die UOK widersprach dieser Darstellung und erklärte, dass Onufrij nur einen ukrainischen Pass besitze. Er habe sich auch nie an andere Staaten gewandt, um eine andere Staatsbürgerschaft zu beantragen. Die UOK verwies dazu auf ein Statement von Metropolit Onufrij aus dem Jahr 2023, als er angesichts von Presseberichten über seine russische Staatsbürgerschaft erklärte, dass er beim Zusammenbruch der Sowjetunion zwar einen ständigen Wohnsitz in Russland gehabt habe und daher de facto ein russischer Staatsbürger gewesen sei, er aber nie von der russischen Staatsbürgerschaft Gebrauch gemacht habe. Angesichts der sich verschlechternden ukrainisch-russischen Beziehungen habe er die russische Staatsbürgerschaft aufgegeben. Er betrachte sich „ausschließlich als Bürger der Ukraine“, so Onufrij.
Der Entzug von Onufrijs ukrainischer Staatsbürgerschaft reiht sich in eine ganze Reihe staatlicher Maßnahmen gegen die UOK, die bis zum Mai 2022 dem Moskauer Patriarchat unterstand, sich dann aber für unabhängig erklärte. So durchsuchte der SBU Räumlichkeiten der UOK, und gegen einige Vertreter der UOK wurden Strafverfahren wegen des Verdachts auf Kollaboration eröffnet und bereits erste Verurteilungen zu Haftstrafen ausgesprochen. Zudem kündigte der Staat Nutzungsverträge mit der UOK über Kirchen- und Klostergebäude. Die einschneidendste Maßnahme im staatlichen Vorgehen gegen die UOK war die Verabschiedung des umstrittenen ukrainischen Gesetzes Nr. 3893-IX im August 2024, das sich in erster Linie gegen die UOK richtet, und dessen Umsetzung allmählich Kontur annimmt.
Das Moskauer Patriarchat versucht den Entzug von Onufrijs ukrainischer Staatsbürgerschaft propagandistisch auszuschlachten und sprach wieder einmal von Religionsverfolgung in der Ukraine. Vladimir Legojda, der Leiter der Synodalabteilung für die Zusammenarbeit der Kirche mit der Gesellschaft und den Medien, erklärte, dass der Entzug der Staatsbürgerschaft des Metropoliten nicht nur eine juristische Maßnahme gegen einen Bürger der Ukraine sei, sondern ein schwerwiegender politischer Akt, mit dem Ziel, Druck auf die millionenstarke Herde der UOK auszuüben. Dies sei eine „Fortsetzung der Verfolgungen der Kirche und der gläubigen Menschen, die die Mehrheit der Bürger der Ukraine ausmachen“, so Legojda. (NÖK)

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