Polen: Bischöfe richten Stiftung für Missbrauchsopfer ein

Die Polnische Bischofskonferenz hat Statuten für eine Stiftung verabschiedet, die Missbrauchsopfer unterstützen soll. Damit wolle die katholische Kirche ihre Solidarität mit den Opfern ausdrücken, so Erzbischof Wojciech Polak, Delegierter der Bischofskonferenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen. Es sei notwendig, bestehende Initiativen weiterzuführen und neue systematische Aktivitäten zu entwickeln. Denn die Gläubigen und die Gesellschaft insgesamt verlangten ein unmissverständliches Engagement der Kirche im Kampf gegen sexuellen Missbrauch.

Die Arbeit der St. Joseph-Stiftung soll den Opfern von sexuellem Missbrauch durch Geistliche oder andere Personen, die in der pastoralen oder Bildungsarbeit der Kirche tätig sind, zugutekommen. Sie wird landesweit aktiv sein, dazu wird in jeder Diözese ein Koordinator bestimmt, der den Kontakt zur Stiftung pflegt. Um Opfer zu unterstützen, sollen bestehende Angebote gefördert und neue Projekte initiiert werden. So soll eine Helpline weiterentwickelt werden, über die Opfer sich informieren und Hilfe finden können. Zudem soll das bestehende Expertennetzwerk aus Psychologen, Lehrern, Anwälten und Priestern ausgebaut werden, um künftige spezialisierte Hilfszentren einzurichten.

Die Stiftung ist jedoch nicht als Fonds für die finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern gedacht. Sie soll auch nicht den Diözesanbischöfen die Verantwortung abnehmen, in der Papst Franziskus sie sieht, sondern die Bedingungen für Diözesen und Metropolien verbessern, um professionelle Instrumente zur Unterstützung von Opfern zu schaffen und zu entwickeln. Soweit möglich, steht die Stiftung auch Opfern von sexuellem Missbrauch außerhalb des kirchlichen Umfelds offen.

Finanziert wird die Stiftung in erster Linie von den Diözesen. Diese beteiligen sich im Verhältnis zur Zahl ihrer Bischöfe und Priester; Spenden von Privatpersonen sind willkommen. Zudem sollen künftig Bußen, die Täter im Rahmen eines kanonischen Strafprozesses zu entrichten haben, in die Stiftung fließen. Von Kirchenrechtlern, die sich mit dem Thema befassen, werden vermehrt finanzielle Strafen gefordert. Geleitet wird die Stiftung von Marta Titaniec, die seit langem für NGOs arbeitet und die Initiative „Hurt in the Church“ mitgegründet hat, und Vater Tadeusz Michalik aus Tarnów, der sich in den letzten Jahren mit der Prävention von sexuellem Missbrauch beschäftigt hat. Im Stiftungsrat sitzen mehrere Geistliche, aber auch eine Juristin und ein Opfervertreter.

Im August hatte Erzbischof Polak die Einrichtung eines Hilfsfonds‘ angekündigt und versprochen, die Pläne so schnell wie möglich umzusetzen. Nun hat die Bischofskonferenz an ihrer Vollversammlung vom 8. bis 9. Oktober die Statuten der St. Joseph-Stiftung verabschiedet. Die Bischöfe hoffen, dass die Stiftung ihre Arbeit am 1. Januar 2020 aufnehmen kann. (NÖK)

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