Tschechien: Erzbischof Graubner verteidigt Impfaufruf

Der Vorsitzende der Tschechische Bischofskonferenz, Erzbischof Jan Graubner von Olomouc, hat seinen Aufruf zur Corona-Impfung gegen Kritik verteidigt. Die Prävention von Infektionskrankheiten sei „ein wichtiger Bestandteil des Lebens- und Gesundheitsschutzes“, bekräftigte der Erzbischof in einem Offenen Brief. Gemäß Katechismus der katholischen Kirche sei die Gesundheit ein „Geschenk Gottes“; jeder Mensch sei verpflichtet, für sie Sorge zu tragen und dabei auch die Bedürfnisse anderer und das Gemeinwohl zu berücksichtigen.

Eine Impfpflicht lehnt Graubner ab. Mitte November hatte er sich aber u. a. wegen der Verwendung von Zelllinien abgetriebener Föten im Zuge der Entwicklung von Corona-Impfstoffen an zögernde Gläubige gewandt. Ihnen versicherte Graubner, dass sie sich „reinen Gewissens“ impfen lassen könnten, zumal kein anderer Impfstoff vorhanden sei und eine ernsthafte Bedrohung der Gesundheit bestehe. Jene wiederum, „die ihre Freiheit verteidigen, auf ihrer Ansicht zu beharren“, sollten „aus Nächstenliebe freiwillig einen Teil ihrer Freiheit für das Gemeinwohl aufopfern“, bat der Erzbischof.

Ende 2020 hatte Graubner selbst eine Covid-19-Erkrankung nur knapp überlebt. In seinem aktuellen Schreiben kritisierte er denn auch Stimmen, die „eine Krankheit, an der so viele Menschen sterben“, verharmlosten. Dezidiert antwortete er auch auf Vorhaltungen hinsichtlich einer Gefährlichkeit der derzeit zugelassenen Impfstoffe. Wie bei den meisten Medikamenten, so Graubner, gebe es auch Fälle von Erkrankungen oder Todesfälle in Verbindung mit der Impfung. Das Urteil darüber müsse man aber Fachleuten überlassen. Er selbst, so der Bischofskonferenz-Vorsitzende, nehme jedenfalls derzeit vor allem „viele konkrete Todesfälle Ungeimpfter, und zwar auch in meiner nahen Umgebung wahr“.

Er sehe zudem erschöpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitsdienst sowie Kranke, die wegen überfüllter Spitäler nicht operiert werden können. Und neben sich aufopfernden Priestern erkenne er auch „vorgebliche Helden, die das Impfen und Testen ablehnen und deshalb nicht in die Krankenhäuser und Haushalte eingelassen werden, wo die Menschen ohne Sakramente sterben“, kritisierte Graubner. Und es gebe es auch alte Menschen, die „an belastender Einsamkeit und Verlassenheit leiden, weil sie von ihren ungeimpften erwachsenen Kindern aus eigener Entscheidung in die Isolation verbannt werden“. Solche Haltungen von Christen verstehe er nicht, betonte der Erzbischof.

Der Streit um das Coronavirus lege tieferliegende Probleme der globalen Gesellschaft offen, darunter Vertrauensverlust, das Verständnis von Wahrheit oder auch „die Erhöhung des eigenen Egos anstelle des unfehlbaren Gottes“, so Graubner – „und zwar mitunter auch bei jenen, die sich für die besseren Christen halten, sogar bessere als der Papst“. Der „einzige Weg zur Überwindung der tödlichen Fragmentierung der Gesellschaft“ führe „über die Demut und ein neues Annehmen des Erlösers“.

Anlass für Graubners Worte war ein in der Zeitschrift „Te Deum“ und einem zugehörigen Onlineportal veröffentlichter Protestbrief, dessen Autoren den „moralisierenden Aufruf zur flächendeckenden Impfung“ des Erzbischofs verurteilten. Begleitet wurde das Protestschreiben von einem Bild mit Graubners Bischofswappen, in dem Elemente des Schildes durch zwei gekreuzte Impfspritzen ersetzt wurden. Inhaltlich wurde unter anderem behauptet, dass sämtliche in Tschechien verwendete Vakzine gegen Covid-19 eine Verbindung mit der „Abtreibungsindustrie“ hätten. (Quelle: Katholische Presseagentur Kathpress, www.kathpress.at)

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