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Montenegro: Orthodoxer Metropolit segnet Denkmal für Tschetnik-Kommandanten

28. August 2025

Im montenegrinischen Dorf Gornje Zaostro bei Berane ist in der Nähe eines Gotteshauses der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) ein Denkmal für den Tschetnik-Kommandanten Pavle Đurišić errichtet worden. Die lebensgroße Bronzestatue wurde ohne Erlaubnis der zuständigen Behörden aufgestellt und löste verbreitete Kritik aus. Weil die Behörden die Entfernung des Denkmals forderten, wurde es in das Innere der Kirche verlegt, was Metropolit Metodije (Ostojić) von der SOK bei der Einweihung bereits angekündigt hatte.

Der aus Montenegro stammende Đurišić war ein Kommandant der monarchistischen und nationalistischen Tschetniks im Zweiten Weltkrieg und kollaborierte mit den italienischen und deutschen Besatzungskräften. Besonders berüchtigt ist er für Massaker an der muslimischen Bevölkerung im heutigen Montenegro und Bosnien-Herzegowina im Februar 1943, denen Tausende Menschen, mehrheitlich Zivilisten, zum Opfer fielen. Sie gelten als größtes einzelnes Kriegsverbrechen durch Tschetnik-Einheiten im Zweiten Weltkrieg. Von den Nationalsozialisten wurde Đurišić mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er starb vermutlich 1945 in einem Lager der kroatischen faschistischen Ustascha.

Es ist nicht bekannt, wer die Statue bestellt, geschaffen und bezahlt hat, oder wo sie hergestellt wurde. Wie sie an ihren Bestimmungsort transportiert wurde, ist ebenfalls unklar. Am 7. August wurde sie jedenfalls auf einem privaten Grundstück in der Nähe der Kirche der Hl. Paraskeva in Gornje Zaostro aufgestellt. Der Besitzer des Grundstücks, Vujadin Dobrašinović, wurde wegen des unbewilligten Aufstellens eines Denkmals verhaftet, das Kulturministerium ordnete die Entfernung der Statue innerhalb von drei Tagen an. In der Nacht hinderten Aktivisten die Polizei daran, die Statue zu entfernen. Am 8. August feierte Metropolit Metodije von Budimlje und Nikšić in Anwesenheit von Hunderten von Sympathisanten der Tschetnik-Bewegung die Liturgie und enthüllte die Statue im Anschluss; nachmittags wurde die Statue in die Kirche gebracht.

In seiner Predigt beschwor Metropolit Metodije das ewige Gedenken für Kommandant Pavle und „alle Soldaten, Krieger, Offiziere, Unteroffiziere und Kämpfer der jugoslawischen Armee im Vaterland“. Die sog. jugoslawische Armee im Vaterland kämpfte nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee 1941 für die Wiedererrichtung des Königreichs Jugoslawien, dessen Bestandteil ein ethnisch gesäubertes Großserbien sein sollte. In den 80 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg werde die „Seele des serbischen Volks“ getötet, das sei die „größte Tragödie“ der Serben, sagte Metodije weiter, das Töten der Seele sei „der größte Genozid“. Er rühmte Đurišić für die Befreiung von Berane und der angrenzenden Regionen von der italienischen Besatzung und seinen Einsatz zur Rettung seines Volks. Weiter lobte er Dobrašinović für die Errichtung des Denkmals und bedauerte, nicht einbezogen worden zu sein. Zudem kündigte er an, das Denkmal in die Kirche zu stellen, um es zu schützen, und „dann sollen sie die Kirche niederreißen“.

Angst vor der Macht gebe es keine, schon gar nicht heute, wenn „ihre Gewalt nicht einmal für Ordnung auf den Straßen sorgen kann“. Nun seien sie in die Berge gekommen, um „Denkmäler der größten serbischen Ritter“ zu zerstören, aber sie erfüllten „jemandes Anordnung“. Es seien junge Leute in teuren Anzügen, die „hohe politische und staatliche Positionen eingenommen haben und denken, dass tun können, was sie wollen“, sagte Metodije weiter. Sie handelten im Auftrag der „Europäer“, statt dem Dorf zu helfen. Zudem will er die Geschichtswahrnehmung verändern, es sollten die „titoistischen Lügen“ zerschlagen werden, auf denen „seit damals andauernd die Existenz dieses unglücklichen Staats und gequälten Volks gründet“. Am wichtigsten sei, dem eigenen Volk treu zu bleiben und zu „wissen, wer wir sind – dass wir Serben sind, dass wir orthodox sind“. Denn viele, die „uns in diesen Jahren am meisten getötet haben, entstammen unseren Wurzeln“, betonte der Metropolit. Sie würden, „wie Kriecher, bereit auf jedes beliebige Imperium warten, das in diesem Gebiet vorbeikommt, um sich in seine Dienste stellen zu können“. Abschließend beschwor er die Anwesenden, weiterhin und zu immer größeren Treffen zum Gedenken an die Helden zusammenzukommen. Und wenn das Volk mit der Zeit aufwache, werde es auch im Zentrum von Berane ein Denkmal geben.

Zivilgesellschaftliche Aktivisten kritisierten, dass der Vorfall eine Niederlage des Rechtsstaats vor dem Extremismus symbolisiere. Es biete sich ein erschreckendes Bild – ein unbewilligtes Denkmal, Tschetnik-Ikonografie, Menschen in Uniformen und T-Shirts, die die Kollaboration mit dem Faschismus glorifizierten. Das alles mit dem Segen von Geistlichen, passiven Institutionen und dem Schweigen der Verantwortlichen. Sie riefen die zuständigen Behörden auf, dringend zu reagieren und die Normalisierung von Extremismus durch „Quasi-Religion, Mythologie und Pseudopatriotismus“ zu stoppen. Auch aus der Politik war viel Kritik zu hören sowie die Befürchtung, dass die Ehrung für einen Kriegsverbrecher den bürgerlichen und antifaschistischen Charakter Montenegros untergrabe. Allerdings schlossen sich nicht alle politischen Parteien der Kritik an. Zudem griffen einige der Versammelten Fotoreporter der montenegrinischen Zeitungen Pobjeda und Vijesti an, die über das Ereignis berichteten, und zwangen sie, ihre Fotos zu löschen. Anwesende Polizisten in Zivil unternahmen nichts dagegen, bis uniformierte Polizei eintraf. Verhaftet wurden nur fünf Personen, obwohl wesentlich mehr Angreifer beteiligt waren. Dieses Vorgehen der Polizei rief ebenfalls scharfe Kritik hervor.

In der Kirche kann das Denkmal aufgrund des Grundsatzabkommens zwischen dem Staat Montenegro und der SOK nicht von den Behörden entfernt werden. Staatliche Organe dürfen in Gebäuden und auf Arealen der SOK keine Sicherheitsmaßnahmen ohne vorangehendes Einverständnis der zuständigen Kirchenorgane ergreifen, außer wenn dringend Leben und Gesundheit von Menschen geschützt werden müssen. Allerdings bezweifeln Juristen, dass das Grundsatzabkommen die Verfassung und Gesetze übersteuern kann und so eine „gesetzlose Zone“ in den Kirchen schafft. Religiöse Objekte seien nicht extraterritorial und verfügten nicht über Immunität vor Strafverfolgung.

Am 12. August äußerten Geistliche, Mönche und Gläubige der Eparchie Budimlje und Nikšić in einem Statement ihren „Protest, tiefe Unzufriedenheit und Sorge wegen des selektiven und diskriminierenden Vorgehens“ gegen Metropolit Metodije. Sie kritisierten, dass Metodije bei der Polizei aussagen musste und zwei Gläubige verhaftet worden seien und in der Öffentlichkeit eine „Atmosphäre der politischen Verfolgung und Einschüchterung“ geschaffen werde. Sie beklagten, dass die in den letzten 90 Jahren ständig Gewalt und Hass ausgesetzt sei. Metodije sei seit 2019 offenbar das Ziel „irgendwelcher Machtzentren“. (NÖK)

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