Ukraine: Priester des Moskauer Patriarchats des Staatsverrats beschuldigt

In Rivne in der Westukraine sind mehrere Priester der Ukrainischen Orthodoxen Kirche–Moskauer Patriarchat (UOK–MP) vom Sicherheitsdienst der Ukraine (SBU) verhört worden. Ihnen werden Staatsverrat und die Verletzung der Rechte von Bürgern aufgrund ihrer Rasse, Nationalität oder Religion vorgeworfen. Anscheinend geht es um die Verbreitung von russischer Propagandaliteratur durch Geistliche des Moskauer Patriarchats. Der SBU machte mit Verweis auf die laufende Untersuchung keine näheren Angaben zu den Fällen.

Offenbar wurden bei Durchsuchungen Exemplare der Broschüre „Die Ukrainische Orthodoxe Kirche: Beziehungen zu Staat. Die Position zum Konflikt im Donbass und zum Kirchenschisma. Fragen und Antworten“ beschlagnahmt. Der Vikar der Eparchie Rivne, Bischof Pimen (Vojat) von Dubenske, erklärte, die Broschüre enthalte keinerlei Propaganda und die Anschuldigungen seien „illegal“ und „weithergeholt“. „Unsere Priester haben Gott und dem ukrainischen Volk gedient und werden ihnen dienen. Wir werden unsere Priester unterstützen“, sagte er weiter. In der UOK–MP wird der Vorfall als Druckversuch im Zusammenhang mit der Autokephalie-Frage gewertet. Für den 15. Dezember ist ein Vereinigungskonzil geplant, an dem das Oberhaupt für eine neue autokephale Ukrainische Orthodoxe Kirche gewählt werden soll. Die UOK–MP aber will dem Moskauer Patriarchat treu bleiben und boykottiert das Konzil.

Zu Frieden und gegenseitigem Respekt rief Metropolit Nikodim (Gorenko) von Schytomyr und Novograd-Volynskyj an einer Pressekonferenz auf. Die Polizisten und SBU-Mitarbeiter, die in letzter Zeit Kirchen und Häuser von Priestern in den Eparchien Schytomyr und Ovrutsch durchsucht haben, hätten kein belastendes Material gefunden. Auch hier wurde den Betroffenen vorgeworfen, religiösen Hass zu schüren. Nikodim rief die Gläubigen dazu auf, ruhig zu bleiben und zu verstehen, dass die Beamten nur ihre Arbeit machten. Er forderte sie zu „Gebet, Mut, Toleranz, Liebe und Vertrauen zu Gott“ auf.

Ende November war bereits das Haus von Metropolit Pavel (Lebed), dem Vorsteher des Kiewer Höhlenklosters, durchsucht worden. Auch er wird des Schürens von religiösem Hass verdächtigt. Zuvor hatte er sich zu der unangekündigten Inventur der Besitztümer des Höhlenklosters durch eine staatliche Kommission geäußert und über den Druck gesprochen, der auf ihn und andere Hierarchen und Geistliche des Moskauer Patriarchats ausgeübt werde. Dabei betonte er, ein loyaler Bürger der Ukraine zu sein und für den Erhalt des Staates zu beten.

In einem zweiten wichtigen Kloster der UOK-MP, der Lavra von Potschajev, wurde kurz darauf ebenfalls mit einer Inventur der Gegenstände durch Beamte begonnen. Bereits Ende November hatte das Ministerkabinett die Gebäude des Klosters der Denkmalschutzbehörde der Region Kremenets-Potschajev übertragen. Dazu hob es einen Beschluss von 2003 auf, der die Entschlafens-Kathedrale, die Mönchszellen und weitere Gebäude dem Kloster zur Nutzung überlassen hatte. Die Mönche verglichen das Vorgehen der Behörden in einer Mitteilung mit kommunistischen Methoden. Mit einem offenen Brief wandte sich der Abt der Potschajevskaja Lavra an den ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und rief ihn dazu auf, die Lavra und die gesamte UOK–MP vor dem wachsenden staatlichen Druck zu schützen. Auch das Oberhaupt der Moldauischen Orthodoxen Kirche, Metropolit Vladimir (Cantarian) von Chişinău, drückte in einem offen Brief seine Sorge um das Kloster aus. Es wird vermutet, dass die bedeutende religiöse Stätte der UOK–MP weggenommen und der noch nicht gegründeten autokephalen Ukrainischen Orthodoxen Kirche übergeben werden soll.

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