Armenien: Bischöfe mit Ausreisesperre belegt
Gegen sieben Bischöfe der Armenischen Apostolischen Kirche sind Strafverfahren eingeleitet worden, als präventive Maßnahme ist ihnen die Ausreise aus Armenien untersagt. Ihnen wird vorgeworfen, sich nicht an ein Gerichtsurteil zu halten bzw. dessen Durchsetzung zu behindern. Alle sieben Bischöfe gehören zum Obersten Geistlichen Rat der Kirche. Das Vorgehen gegen die Bischöfe ist die jüngste Episode im seit Monaten andauernden Konflikt zwischen dem armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan und der Armenischen Apostolischen Kirche und insbesondere ihrem Oberhaupt, Katholikos Karekin II.
Konkret geht es um ein Gerichtsurteil, mit dem Bischof Gevorg Sarojan als Vorsteher der Diözese Masjatsotn wiedereingesetzt wurde. Von diesem Posten war Sarojan zuvor von der Kirchenleitung entfernt worden, weil er zu einer Gruppe oppositioneller Geistlicher gehört, die Karekin zum Rücktritt aufgefordert haben. Zudem unterstützt er Paschinjans Drängen auf eine Kirchenreform. Am 15. Januar reichte Sarojan eine Klage gegen die Kirchenleitung ein, tags darauf ordnete ein Gericht seine temporäre Wiedereinsetzung – bis zum Ende seines juristischen Streits mit der Kirche – an. Der Bischof wurde jedoch nicht wiedereingesetzt, stattdessen versetzte ihn Karekin am 27. Januar zur Strafe für die juristischen Schritte in den Laienstand. Das hatte ihm auch der Oberste Geistliche Rat bei seiner Sitzung am 27. Januar empfohlen. Mit seinem Widerstand gegen die Anordnung des Katholikos, seinen Posten zu verlassen und in ein Kloster zurückzukehren, habe er klar gegen sein Gehorsamkeitsgelübde verstoßen. Der Rat verurteilte die öffentlichen „verleumderischen Beschuldigungen“ Sarojans gegen die Kirchenleitung, Geistliche und den Katholikos scharf. Dieses Verhalten sei eine „grobe Verletzung der Kirchenordnung, des kanonischen Gehorsams und der kirchlichen Einheit“.
Die Kirchenleitung verurteilte die „jüngste Einmischung der Behörden in die inneren Angelegenheiten der Kirche“ scharf. Sie stellten eine „eklatante Verletzung der Verfassung und der Gesetze“ Armeniens dar. Weiter beklagte die Kirchenleitung die „Kampagne“ gegen die Kirche und die „repressiven Handlungen“ gegen ihre Geistlichen. Das Vorgehen ziele darauf, die „normalen Aktivitäten“ der Kirche zu untergraben, insbesondere die Arbeit der anstehenden Bischofsversammlung, die vom 16. bis 19. Februar in Österreich stattfinden soll.
Über die Entwicklungen in Armenien zeigte sich auch die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) „tief besorgt“ und sicherte der armenischen Kirche ihre Unterstützung zu. Bei einem Treffen zwischen Metropolit Antonij (Sevrjuk), dem Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, und Erzbischof Yezras Nersisjan, dem Vorsteher der Diözese Russland und Neu-Nachitschewan der Armenischen Apostolischen Kirche, in Moskau kritisierte Antonij die „Versuche grober Einmischung in Kirchenangelegenheiten seitens der armenischen Behörden“. Die Versuche, eine künstliche Spaltung der Gläubigen zu provozieren, seien „inakzeptabel“. Erzbischof Yezras dankte der ROK für die Solidarität. Der Vizepräsident des armenischen Parlaments, Ruben Rubinjan, von der Regierungspartei Bürgervertrag bezeichnete das Treffen als „Mission eines KGB-Agenten“. Er warf Karekin II. vor, nicht nur die Kirche von innen zerstören zu wollen, sondern auch mithilfe seines Agenten ausländische Kirchen einzuladen, sich in die Angelegenheiten „unserer jahrhundertealten unabhängigen und autonomen Kirche“ einzumischen. Erzbischof Yezras ist der Bruder des Katholikos und kooperierte laut freigegebenen Dokumenten des armenischen Sicherheitsdienstes von 1986 bis 1988 mit dem sowjetischen Geheimdienst KGB. (NÖK)

Der Konflikt innerhalb der Armenischen Apostolischen Kirche eskaliert. Mehrere Bischöfe werfen dem Katholikos Karekin II. eine willkürliche Amtsführung vor und fordern seinen Rücktritt. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Seiten von unterschiedlichen politischen Kräften unterstützt werden, wie Harutyun G. Harutyunyan analysiert.
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Seit Monaten spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen dem Katholikos der Armenischen Apostolischen Kirche und dem armenischen Ministerpräsidenten zu, die sich gegenseitig zum Rücktritt auffordern. Inzwischen fordern aber auch Geistliche Kirchenreformen und ein neues Oberhaupt, wie Harutyun G. Harutyunyan ausführt.
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