Russland: Patriarch hofft, dass das Beispiel von Dmitrij Donskoj russische Soldaten motiviert
An der diesjährigen Prozession zu Ehren der Moskauer Heiligen sind die erst kürzlich aufgefundenen Reliquien des Hl. Dmitrij Donskoj sowie die Ikone der Gottesmutter von Smolensk und die Ikone aller Heiligen von Moskau mitgeführt worden. Die Prozession unter der Leitung des russischen Patriarchen Kirill durch Moskau von der Christerlöser-Kathedrale zum Neujungfrauen-Friedhof, die angeblich auf eine Prozession im 16. Jahrhundert zurückgeht, fand 2025 erstmals statt und zog damals gemäß offiziellen Angaben 20‘000 bis 40‘000 Teilnehmende an. Laut Angaben des Innenministeriums nahmen dieses Jahr 100‘000 Personen teil, kirchliche Kanäle sprechen von 400‘000 Teilnehmenden.
Um eine große Beteiligung zu erreichen, wurden Teilnehmende offenbar organisiert zur Prozession am 6. September gefahren. So berichtete die Journalistin und Orthodoxie-Expertin Ksenia Luchenko, dass die Seminaristen des Dreifaltigkeitsklosters in Sergijev Posad per Bus und mit einem vorgegebenen Programm zur Christerlöser-Kathedrale gefahren wurden. Geplant sei die Abfahrt um 7:30 Uhr gewesen, dann ein kurzer Marsch zur Christerlöser-Kathedrale, die Erwartung des Kreuzprozession mit Übertragung des Gottesdienstes auf Bildschirmen von 10:00 bis 12:00 Uhr und die Teilnahme an der Prozession von 12:00 bis 14:00 Uhr. Dabei sei mit einer Namensliste die Teilnahme überprüft worden. Ebenso sei die Teilnahme der orthodoxen Universität des Hl. Tichon organisiert gewesen, ähnliche Instruktionen hätten auch Geistliche verschiedener Eparchien erhalten. Die Belarusische Orthodoxe Kirche bestätigte indirekt, dass auch Gläubige und Geistliche aus Belarus an die Prozession gefahren wurden.
2025 hatten Banner mit den Zeichen Z und V zur Unterstützung von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und die prominente Beteiligung der rechtsextremen Vereinigung „Russische Gemeinschaft“ zu reden gegeben. Dieses Mal wurde dies offenbar bewusst reduziert, dennoch waren Personen mit Abzeichen und T-Shirts nationalistischer Organisationen in der Menge zu sehen, kommentierte Ksenia Luchenko.
Anlässlich des Feiertags sprach der russische Präsident Vladimir Putin darüber, was für einen unerwartet starken Eindruck die Reliquien des Hl. Dmitrij Donskoj auf ihn gemacht hätten. Dmitrij Donskoj war von 1359 bis 1389 Großfürst von Moskau und Vladimir und gilt wegen seines Siegs über die Goldene Horde in der Schlacht auf dem Kulikovo Pole 1380 in Russland als Nationalheld. 1988 war er von der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) heiliggesprochen worden. Es seien die Reliquien eines Menschen, der eine „kolossale Rolle bei der Rettung und beim Werdegang Russlands“ gespielt habe, sagte Putin weiter. Zudem sei das alles von Moskau ausgegangen, hier „sind unsere Wurzeln“.
Patriarch Kirill wertete die „Entdeckung“ der Reliquien als „ermutigendes Zeichen der spirituellen Unterstützung und des Trostes“ zu einer Zeit, in der – wie zur Zeit Dmitrij Donskojs – Kräfte wirkten, die „unsere Kirche und Gesellschaft teilen und uns unser historisches Gedächtnis und unsere Einheit nehmen wollen“. Weiter sagte der Patriarch: „Möge sein Beispiel unsere Glaubensbrüder inspirieren – insbesondere jene, die den Militärdienst verrichten.“
Am 4. September wurde ein Teil der Reliquien in die Hauptkathedrale der russischen Streitkräfte überführt. Dabei sprach Metropolit Kirill (Pokrovskij), der Leiter der Synodalabteilung der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) für die Zusammenarbeite mit der Armee, Sicherheitskräfte und Kosaken, von der engen Verbindung mit der Entwicklung des Landes. Nun werde eifrig für einen baldigen Sieg, den Oberbefehlshaber, die Armeeleitung, die Freiwilligen und alle Gläubigen in der Armee gebetet. Am 8. September wurde ein Teil der Reliquien in die Hauptkirche des südlichen Militärbezirks Russlands gebracht. Zudem berichtete das russische Verteidigungsministerium, dass in der russischen Armee Gottesdienste zu Ehren der „Erwerbung“ der Reliquien durchgeführt würden.
Am 8. September wurde ein Teil der Reliquien, die Metropolit Kirill nach Rostov am Don gebracht hatte, in den Donbass an die Front geschickt. Dort sollten sie „spirituelle Unterstützung“ leisten und zur Betreuung der Kriegsdienstleistenden dienen. Bei der Reliquie handelt es sich laut Metropolit Kirill um ein Stückchen der rechten Hand des Heiligen, in der „er das Schwert hielt, während er die Moskauer und andere russische Länder beschützte“. Mit diesem Schwert habe Dmitrij Donskoj auf dem Kulikovo Pole die Freiheit von den Tataren erkämpft. Er hoffe, dass der Großfürst „unser Land, unser ganzes Volk und vor allem unsere Kämpfer stärkt“. (NÖK)

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