Ukraine: Kyjiwer Höhlenkloster durch russischen Angriff beschädigt
In der Nacht auf den 24. Januar sind zwei Gebäude des Kyjiwer Höhlenklosters während eines massiven Raketen- und Drohnenangriffs durch Russland beschädigt worden. Betroffen sind der Eingangsbereich der Fernen Höhlen und die dortige St. Anna-Kirche. Mitarbeitende des Museumskomplexes stellten Schäden an Türen und Fensterrahmen sowie abgebröckelte Stuckaturen an den Fassaden fest. Die Ergebnisse einer gründlichen Untersuchung stehen noch aus, danach sollen Fachleute des Museumskomplexes mit der Beseitigung der Schäden beginnen.
Die stellv. Kulturministerin bezeichnete die Beschädigung der Gebäude als „Angriff Russlands auf das Weltkulturerbe, ein Verbrechen gegen das Erbe der Menschheit“. Der Direktor des Museumskomplexes, Maxim Ostapenko, wies darauf hin, dass es auf dem Gebiet des Höhlenklosters zuletzt im Zweiten Weltkrieg zu Schäden durch kriegerische Handlungen gekommen sei. Außenminister Andrij Sybiha verurteilte den Angriff auf das Höhlenkloster, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Er kritisierte die „wiederholten und systematischen Angriffe“ Russlands auf kulturelle und spirituelle Denkmäler sowie die Energieinfrastruktur und die Zivilbevölkerung der Ukraine. Zudem forderte er, dass Russland die Verantwortung für die Angriffe auf das „Erbe, den Glauben und die Kulturdenkmäler“ der Ukraine übernehme. Außerdem äußerte er die Erwartung, dass die UNESCO „entschlossen reagiert“, insbesondere mit einer öffentlichen Verurteilung, Dokumentation der Schäden und Intensivierung der internationalen Aktivitäten zum Schutz des Kulturerbes der Ukraine.
Die UNESCO hat sich bisher nicht geäußert. Auf ihrer Liste beschädigter Kulturstätten in der Ukraine, die am 23. Januar zuletzt aktualisiert wurde, stehen 515 Stätten, darunter 153 religiöse Stätten. Im Juni 2025 drückte sie ihre Sorge um das Weltkulturerbe in Kyjiw aus, nachdem die Sophienkathedrale bei einem russischen Angriff beschädigt worden war.
Das 11. Jahrhundert gegründete Kyjiwer Höhlenkloster ist ein Nationalpark, der vom ukrainischen Kulturministerium verwaltet wird. Um Teile der Anlage, die von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) genutzt wurden, entbrannte 2023 ein Streit. Das Kulturministerium hatte den Vertrag mit der UOK zur kostenlosen Nutzung aufgelöst, wogegen sich diese wehrte. Die Theologische Akademie musste das Höhlenkloster verlassen, die Mönche hingegen konnten bisher bleiben. (NÖK)

Angesichts der starken Emotionen und verbreiteten Gerüchte rund um den Konflikt um das Kyjiwer Höhlenkloster trägt Nicholas Denysenko Fakten zusammen, zeigt auf, wo Informationen fehlen, verweist auf Schwierigkeiten bei der Beurteilung und plädiert für Besonnenheit.
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In den illegalen Neubauten auf dem Areal des Höhlenkloster sieht Sergii Bortnyk lediglich einen Vorwand zur Auflösung des Nutzungsvertrags mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche. Vielmehr gehe es darum, deren Leitung unter Druck zu setzen, damit sich diese schneller an die Orthodoxe Kirche der Ukraine annähert.
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