Zum Hauptinhalt springen

Polen: Altersbedingter Rücktritt von Erzbischof Stanisław Gądecki von Poznań

27. März 2025

Am 19. März hat der Papst Franziskus den Rücktritt von Erzbischof Stanisław Gądecki (*1949) angenommen und Bischof Zbigniew Zieliński zu seinem Nachfolger als Erzbischof von Poznań berufen. Gądecki war bereits im Frühling 2024 vom Vorsitz der Polnischen Bischofskonferenz zurückgetreten, den er zehn Jahre lang ausgeübt hatte. Zuvor war bereits zehn Jahre Vize-Vorsitzender gewesen. Neuer Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz ist Erzbischof Tadeusz Wojda von Danzig.

Am 8. Oktober 2024 hatte Gądecki die Mitglieder seiner Erzdiözese darüber informiert, dass er anlässlich der Vollendung seines 75. Lebensjahres den Papst um Bewilligung seines Rücktritts ersucht habe und bis zur Ernennung eines Nachfolgers im Amt bleibe. Gądecki wurde 2002 von Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Poznań ernannt.

Als Erzbischof von Poznań war Stanisław Gądecki über Jahrzehnte eine der wichtigsten Figuren in der katholischen Kirche Polens. In Deutschland wurde er 2022 durch zwei öffentliche Briefe bekannt: erstens durch „besorgten“ Brief über den deutschen Synodalen Weg an seinen Amtskollegen von der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, vom Februar 2022, zweitens durch ein Schreiben vom Oktober 2023 an Papst Franziskus vor der Bischofssynode in Rom, in dem er die Beschlüsse des deutschen Synodalen Wegs als „extrem inakzeptabel und unkatholisch“ kritisiert hatte. Darin verurteilte Gądecki die vom Synodalen Weg angeregten Änderungen der Kirchenstruktur, Änderungen der Lehre zur Sexualmoral und die Einsetzung von Frauen in sakramentalen Ämtern. In seinem Antwortbrief erinnerte Bischof Bätzing u.a. daran, dass die Kirche nur dann ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen könne, wenn sie sich mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs auseinandersetze. Gądecki hatte den deutschen Bischöfen vorgeworfen, das Thema für eine „moralische Revolution“ zu instrumentalisieren.

In Polen gab im Herbst 2023 ein weiterer Brief Gądeckis an die Priester seiner Erzdiözese zu reden, nachdem fünf Priester im Sommer von ihrem Amt zurückgetreten waren. Der Journalist Tomasz Terlikowski kommentierte in der katholischen Zeitschrift Wiȩż, dass Gądecki immerhin zugebe, dass das Priesterseminar die Seminaristen nicht auf das Priesterleben vorbereite, und weitere wichtige Diagnosen stelle. Lösungen habe er jedoch keine vorgeschlagen, abgesehen von der Aufforderung mehr zu beten. Gądecki kritisiere zwar Fehler im „System“, aber nie die Kurie und die Bischöfe.

Ebenfalls im Oktober 2023 kritisierte Erzbischof Gądecki die „Ostpolitik“ und den Umgang des Vatikans mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine: Täter und Opfer gleich zu behandeln, sei ein Fehler.

In einem Vortrag am 18. März 2025 betonte Gądecki noch einmal seine Haltung zum Verhältnis von Kirche und Politik: Die Kirche „identifiziert sich nicht mit der politischen Gemeinschaft oder mit irgendeinem politischen System. Die Kirche steht nicht auf der Seite der Rechten, der Linken oder der Mitte, denn die Kirche hat ihre eigene Seite; sie sollte auf der Seite des Evangeliums stehen.“ Er bekannte sich mit Bezug auf Papst Johannes Paul II. zu Demokratie und Rechtsstaat, deren sittlicher Charakter jedoch „von der Sittlichkeit der Ziele abhängt, die sie verfolgt, und der Mittel, deren sie sich bedient (Evangelium Vitae, 70).“

Regula M. Zwahlen